Heute mal etwas in eigener Sache. Mein versprochener Beitrag zu Ten Count wird hier erst im Laufe der nächsten Woche eintrudeln, da ich zwar diese Woche Urlaub habe, aber die Rezension zu Der Klang meines Herzens doch leider einiges an Zeit gefressen hat und ich die verbleibenden Tage jetzt wirklich einmal nutzen muss, um ein paar Dinge in meinem Leben zu regeln. Vielleicht kennt ihr das ja: Wenn man arbeitet, bleiben gefühlt tausend wichtige Aufgaben liegen und man nutzt dann den Urlaub, um etwas an dem Berg zu kratzen – was ich bisher mit eher geringem Erfolg getan habe *schwitz*. Deshalb also Ten Count in der nächsten Woche und an dieser Stelle ersatzweise ein kleiner Ausflug in mein Privatleben, das im Moment von einem Japanischkurs dominiert wird.

Meine Erfahrung ist, dass alle, die viel – und wenn ich viel schreibe, dann meine ich viiiiiiel (an dieser Stelle könnt ihr euch jetzt noch 1.000 „i“ dazu denken) – Manga lesen oder Anime schauen (oder beides *grins*), irgendwie auch meistens insgesamt diesen kleinen Japanfetisch haben, unter dem ich ebenfalls ‚leide‘. Das bedeutet im Klartext: Man weiß Dinge über dieses Land und seine Kultur, die man gerne ungefragt mitteilt und die Freunde und Familie oft amüsiert und verständnislos den Kopf schütteln lassen. In weiteren Phasen findet man Gefallen an der Sprache, man packt sich seinen MP3-Player oder sein Handy mit japanischer Musik voll (mit Vorliebe Openings und Endings aus Anime-Serien) und man richtet ein Sparkonto ein, mit dessen Ertrag man gerne irgendwann einmal in dieses tolle Land reisen möchte. Ich würde sagen, man kann für diese Krankheit fünf Phasen festlegen:

  1. Man suchtet ohne Ende Manga und Anime.
  2. Man füllt seinen Handy- und MP3-Player-Speicher mit Anime-Openings und -Endings.
  3. Man beginnt die Frisuren der Lieblingscharaktere nachzustylen oder fängt mit dem Cosplayen an.
  4. Man richtet sich ein Sparkonto für zukünftige Japanreisen ein, egal in welcher Ferne diese Reisen finanziell auch noch liegen mögen.
  5. Man liest jeden Bericht und jede Reisereportage über Japan, den oder die man in die Finger bekommen kann.

Und dann gibt es noch Phase sechs, die einen am eigenen Verstand zweifeln lässt und die ich vor Kurzem erreicht habe: Man ist so irre und meldet sich für einen Japanischkurs an! Dabei weiß jeder normale Mensch, dass das so ziemlich die fieseste Sprache ist, die man sich zum Lernen aussuchen kann. Zumindest, wenn man noch ein Leben und andere Hobbys hat (oder haben will). Aber normal, nun ja, diesen Zustand habe ich längst hinter mir gelassen. Das Ende vom Lied ist, dass ich mich vor einigen Monaten für einen Japanischkurs an unserer Volkshochschule angemeldet hatte, von dem vorgestern die erste Sitzung stattfand. Und da sich hier eventuell noch mehr Leute mit dem Gedanken tragen, einen solchen zu absolvieren, dachte ich, ich lasse euch ab und an an meinen Erfahrungen (und dem Schrecken) teilhaben *wink*.

Mein Anreiz ist eigentlich gewesen, dass ich schon immer gerne eine weitere Fremdsprache können wollte. Und da dieser Blog quasi für sich spricht, wird es euch sicherlich nicht mehr wundern, dass meine Wahl dabei auf Japanisch gefallen ist. Ich denke, es ist unrealistisch, wenn ich sage, dass ich Japanisch lernen möchte, weil ich Manga und Anime im Original lesen beziehungsweise schauen will. Dazu werde ich, wenn ich am Ball bleibe, vermutlich erst in einigen Jahren in der Lage sein. Es nutzt mir aktuell also nicht viel. Aber ich finde, dass Japanisch insgesamt eine sehr schöne Sprache ist und Japan einfach ein tolles und für uns Europäer sehr exotisches Land. Die Sprache ist wahnsinnig melodisch (wer japanische Musik hört, der wird mich verstehen) und ich finde den Gedanken faszinierend, sich auf der schriftlichen Ebene nicht mit Hilfe von Wörtern, sondern Zeichen zu verständigen. Mir gefällt es, dass die japanische Sprache daher stark von Bildern geprägt ist und man viele Ausdrücke aus dem Kontext erschließen beziehungsweise interpretieren muss. Da ich außerdem vom endlosen Anime-Schauen bereits ein paar Wörter und Floskeln auf Japanisch konnte, habe ich festgestellt, dass ich die Sprache auch selbst gerne spreche. Was mir fehlte, war jedoch ein wenig Anleitung, denn ich hatte viele Fragen, zum Beispiel: Wo soll ich bloß mit dem Lernen anfangen? Mit welchem Zeichensystem? Gibt es Taktiken, mit denen man Hiragana, Katakana oder Kanji leichter verinnerlichen kann? Spreche ich die Wörter richtig aus? Welche Höflichkeitsformen muss man beim Sprechen in Japan berücksichtigen? Ich denke, solche Grundlagen sind unerlässlich und diese lernt man – meiner Meinung nach – am leichtesten und vor allem korrekt, wenn man einen Kurs mit einem guten Lehrer besucht. Wenigstens zu Beginn. Wenn man für sich einmal ein System gefunden hat, dann kann man danach sicherlich alleine weiterüben.

Ich kann nach der ersten Sitzung natürlich noch nicht viel dazu sagen, wie weit mich der Kurs bringen wird, aber eines kann ich definitiv schon festhalten: Ich bin froh, dass ich ihn belegt habe! Man lernt mit Sicherheit Gleichgesinnte kennen und es nimmt einem beim Lernen etwas die Angst, wenn man einen Lehrer hat, der einem sagt, dass es nicht unmöglich ist, als Europäer Japanisch zu lernen. Das war insgeheim nämlich meine Hauptfurcht, ich bin in solchen Dingen leider nicht sehr selbstbewusst. Wir haben den Kurs mit einer kleinen Vorstellungsrunde und einem Quiz begonnen und, was ich sehr süß fand, jeder hat ein Namensschild bekommen, auf das unsere Sensei unseren Namen einmal auf Deutsch und einmal in Hiragana geschrieben hat. Nach dem Kurs konnte also jeder seinen Namen in Hiragana schreiben. In der ersten Stunde haben wir zudem gelernt, wie man sich auf Japanisch vorstellt und wie das System der Hiragana-Zeichen funktioniert.

Da die meisten von euch – wie ich zu Beginn – sicherlich keine Ahnung haben, wie die japanische Sprache aufgebaut ist, werde ich euch an dieser Stelle einmal einen kleinen Crashkurs geben. Zunächst einmal: Es gibt im Japanischen drei Zeichensysteme – Hiragana, Katakana und Kanji. Das sind allesamt die Schriftzeichen, die man mit der japanischen Sprache verbindet. Wir Europäer benutzen außerdem zusätzlich gerne Romaji, die das Erlernen der Aussprache erleichtern, in Japan jedoch wenig bis gar nicht gebräuchlich sind. Romaji ist eine Silbenschrift, ebenso wie Hiragana und Katakana, bildet ein Wort jedoch nicht in Zeichen ab, sondern in lateinischen Buchstaben. Das sieht dann so aus:

Watashi wa Amaya desu = Ich heiße Amaya

Für mich persönlich waren die Romaji sehr hilfreich, denn ich kann noch keine Hiragana und so lernt man erst einmal in dem einem vertrauten Alphabet die Aussprache kennen. Diese ist übrigens gar nicht so schwer, wie ich finde. Es gibt eine handvoll Regeln, zum Beispiel wird das u oft verschluckt oder das r wird immer als l ausgesprochen, aber davon abgesehen, ähnelt die Aussprache sogar dem Deutschen, wie ich finde. Das, was wirklich schwer werden wird, zumindest für mich, das weiß ich jetzt schon, ist der Übergang von Romaji zu Hiragana. Denn quasi in Zeichen zu lesen, zu schreiben und zu sprechen, das ist etwas, wo in meinem europäischen Gehirn ein ziemlich dicker Knoten entsteht. Dieser Umstand führt unweigerlich dazu, dass man die Sprache quasi doppelt lernen muss, denn man kann die Wort nicht einfach ablesen, wie es in Sprachen mit lateinischer Schrift geht. Im Japanischen muss man das Zeichen schreiben (oder sollte ich lieber malen sagen?) können und aus dem Kopf wissen, wie die Silbe ausgesprochen wird. Diese Umstellung ist verdammt schwer. Ganz abgesehen davon, dass das Ganze auch andersherum funktionieren muss. Wenn ich ein Wort auf Japanisch schreiben will, muss ich die Silben des Wortes in Hiragana-Zeichen umwandeln und aufschreiben. Als Beispiel:

Ich bedeutet, wie wir schon wissen, für Japanerinnen watashi. Das Personalpronomen besteht im Japanischen aus drei Silben – wa ta shi. Also benötigen wir, um das Wort in Hiragana zu schreiben, drei Zeichen aus diesem System:  —> in Hiragana geschrieben, bedeutet dieses kleine Kunstwerk watashi, also ich.

Das Zeichensystem der Hiragana verfügt über 46 Zeichen, mit denen man, wenn man sie kann, Japanisch prinzipiell sprechen, schreiben und lesen kann. Allerdings änder dies nichts daran, dass man dann noch lange nicht weiß, was die Zeichenfolge bedeutet, die man da vor sich hat. Deshalb ist es für mich (und viele andere) leichter, wenn ich die Wortbedeutung in Romaji lerne und die Hiragana getrennt davon. Man lernt also einmal die normale Vokabel und zusätzlich ein neues Alphabet, mit Hilfe dessen man diese auf Japanisch schreiben und lesen kann. Ich hoffe, dass mein Gehirn diese Brücke irgendwann nicht mehr benötigt, aber das ist wohl auch noch ferne Zukunftsmusik. In unserem Kurs werden wir in den kommenden 10 Wochen also einmal wöchentlich Hiragana pauken. Ich weiß jetzt schon, dass das für mich schlimm werden wird, denn alleine die Hiragana sind so eine Sache. Es fällt mir schwer, ein abstraktes Zeichen aus dem Kopf heraus auswendig zu schreiben und diesem dann auch noch die korrekte Silbe zuzuordnen *schwitz*. Aber diese Qual habe ich mir selbst auferlegt, also muss ich da jetzt durch. Und zum Glück gibt es ja heutzutage tolle Apps, mit denen man das Schreiben üben kann. Diese Apps kann ich wirklich jedem wärmstens ans Herz legen, der die drei japanischen Zeichensysteme lernt! Und für die Aussprache und das Verstehen gibt es wirklich keine besser Methode als einen Anime mit Untertiteln zu schauen – immerhin, das ist doch was für ein Otaku wie mich *zwinker*.

Aber wenn wir schon bei den Kanji gelandet sind – da wird es wirklich fies! Die Kanji sind Überbleibsel aus dem Chinesischen und repräsentieren nicht mehr eine Silbe, sondern ein ganzes Wort. Eigentlich sollte das die Sache einfacher machen, wenn man nur noch ein oder zwei Zeichen pro Wort benötigt, aber leider sind die Kanji wesentlich komplexer als Hiragana und dementsprechend sieht das dann gerne auch einmal so aus: 極楽. Diese Kombination aus zwei Kanji bedeutet Paradies. Und, ähm, wir erinnern uns – man muss dieses wüste Gebilde aus dem Kopf zeichnen können, wenn man Japanisch schreiben möchte *schwitz*. Ich denke, ich stoße schon beim Erkennen der Kanji an meine Grenzen, da diese sich auch sehr ähnlich sehen können. Was einen dann wirklich ernüchtern kann: Es gibt sage und schreibe 15.000 Kanji! Oh. Mein. Gott. Beruhigend ist aber, dass es auch keinen Japaner gibt, der alle 15.000 Kanji beherrscht. Ein gebildeter Japaner kann etwa 4.000-5.000 Zeichen, habe ich mir sagen lassen. Was aus den Augen eines Europäers immer noch ziemlich krass ist. Aber dafür haben die Japaner auch zwölf Schuljahre plus eine Universitätskarriere Zeit. Maximal 334 Zeichen pro Jahr zu lernen, klingt schon etwas realistischer. Die japanische Regierung führt einen Kanon, in dem alle Kanji stehen, die man können muss, um in Japan eine Tageszeitung lesen zu können beziehungsweise um am öffentlichen Leben teilzunehmen. Die Medien halten sich an diesen Kanon und benutzen in der Regel keine Kanji, die in diesem nicht gelistet sind. Der gegenwärtige Kanon umfasst 2.136 Kanji, wenn ich recht informiert bin. In Japan gibt es einen landesweiten und von der Regierung geförderten Wettbewerb, in dem abgefragt wird, wie viele Kanji die Teilnehmer beherrschen. Um die höchste Stufe zu erreichen, muss man 6.000 Kanji kennen. Dieses Ziel erreichen aber nur wirklich wenige Japaner, die zumeist hoch gebildet und intelligent sind. Wer viele Kanji beherrscht, kann sich sprachlich sehr gewählt ausdrücken und hat Zugang zu vielen Textquellen, die ein ’normaler‘ Japaner nicht lesen könnte. Es wird deshalb oft kritisiert, dass das Japanische einer sehr elitäre Sprache ist, die sozial stark abgrenzend wirkt. Auch ich denke, dass dies zutrifft. Als Japaner verbringt man also sein gesamtes Leben damit, die eigene Muttersprache zu erlernen und weiß gleichzeitig, dass man nie ans Ziel gelangen wird. Kein Wunder, dass viele Japaner so diszipliniert sind.

Katakana werden in Japan vor allem genutzt, um fremdsprachige Begriffe abzubilden, zum Beispiel aus dem Englischen. Von ihnen gibt es, wie von den Hiragana, etwa 46 Stück. Alle drei Zeichensysteme, Hiragana, Katakana und Kanji, werden im japanischen Schriftbild kombiniert, so dass man auf jeden Fall Hiragana, Katakana und etwa 2.000 Kanji können muss, wenn man Japanisch fließend lesen und schreiben will. Ufff. Kurz gesagt: Japanisch zu lernen, ist eine Lebensaufgabe, auch für viele Japaner. Für mich wird ein Leben wohl nicht ausreichen, um so weit zu kommen. Aber ich lerne ja auch nur zum Spaß (etwas Qual gehört aber auch hierbei dazu). Ich werde euch bei Interesse einen Zwischenstand vermelden, wenn ich die Hälfte des Kurses absolviert und wenn ich ihn abgeschlossen habe.

Am Ende meine Empfehlung für euch: Wenn ihr nicht masochistisch veranlagt seid, lernt kein Japanisch! Wenn ihr es ernst meint, wird das das Ende eures sozialen Lebens sein (außer, ihr seid wie ich. Ich habe neben Manga und Anime kein Leben mehr *zwinker*).

Jaa mata ne, eure Amaya!


2 Kommentare

deine.nachbarin · 17. Februar 2019 um 21:26

Hallo Amaya! 🙂

Ich bin vor Kurzem auf deinen Blog aufmerksam geworden und finde deinen Schreibstil sehr sehr ansprechend. Beim Lesen deiner Beiträge muss ich manchmal echt lachen, weil ich mich in deinen Beschreibungen teilweise total wiedererkenne. Genau das ist mir auch bei diesem Beitrag wieder passiert 😀 Vor Kurzem habe ich den Entschluss gefasst, Japanisch zu lernen – ebenfalls mit dem Ziel, irgendwann Mangas und Animes im Original lesen bzw schauen zu können. Allerdings lerne ich vorerst ausschließlich mit Büchern und komme bis jetzt ganz gut zurecht. Ich plane übrigens, Ende diesen Jahres oder Mitte nächsten Jahres am JLPT N5 teilzunehmen. Wie läuft es denn bei dir? Ist dein Kurs bereits beendet bzw gefällt dir dieser noch?

Liebe Grüße

    Amaya · 17. Februar 2019 um 21:50

    Hey,

    das freut mich wirklich sehr, wenn meine Beiträge dich zum Lachen bringen und du dich manchmal sogar darin wiederfindest. Ich bin glücklich, wenn Leser mir so etwas schreiben, denn darum mache ich den ganzen ‚Kram‘ hier hauptsächlich.

    Mein erster Kurs ist mittlerweile abgeschlossen und ich kann jetzt Hiragana, Katakana und ganz (!) einfache Sätze. Als Nächstes muss ich intensiv an meinem Vokabular arbeiten, um das zu erweitern, aktuell ist es leider noch ziemlich mickrig. An Kanji habe ich mich noch nicht so richtig ran getraut. Wegen meinem Umzug vor einigen Monaten konnte ich den Folgekurs in meiner Heimat leider auch nicht weiter besuchen. Ich habe mich aber an meinem neuen Wohnort für Ende März endlich wieder für einen Kurs eingetragen und freue mich schon sehr darauf.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall auch weiterhin viel Spaß beim Lernen und alles Gute dafür, dass du an dem Test teilnehmen kannst (und ihn natürlich auch schaffst)! Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, einen abzulegen, vielleicht irgendwann in der Zukunft mal. Im Moment ist es für mich eher ein reines Hobby. Wenn du dich übrigens mal austauschen willst, schreib mir sonst gerne eine Mail an amaya.asami@mangaunterderbettdecke.de.

    Liebe Grüße
    Amaya

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