Titel: Seelenschleier

Genre: Shōnen Ai / teilweise Boys‘ Love, Drama, Romance, Fantasy

Autorin: Julia Kathrin Knoll aka ElvenStar

Bände: 1 / abgeschlossen

Verlag: Elvenstar Books

Erscheinungsjahr: 2014

Erotische Szenen: ❤

Den Roman könnt ihr über Amazon beziehen, mittlerweile ist auch eine Neuauflage erhältlich.

Auf den Roman Seelenschleier von Julia Kathrin Knoll, die unter dem Pseudonym ElvenStar schreibt, bin ich ehe zufällig aufmerksam geworden. Ich bin über ihn gestolpert, als ich bei Amazon nach neuen Manga gestöbert habe. Spontan hat mich das Titelbild angesprochen und ohne langes Nachdenken wanderte das Buch in meinen Warenkorb. Erst, als ich das gute Stück ein paar Tage später in den Händen hielt, wurde mir klar, dass es sich hierbei gar nicht um einen Manga handelt, sondern einen ’normalen‘ Roman. Aber die Zauberworte „Boys-Love-Roman“ und „Im Stil japanischer Shōnen Ai-Manga“ haben meine Neugier geweckt und ich fand außerdem das Konzept der Autorin wahnsinnig spannend, die Tradition von Boys‘ Love-Manga in einen gewöhnlichen Roman zu übertragen.

Inhalt:

Ich finde es sehr schwierig, zu diesem Roman eine Inhaltsangabe zu schreiben, die weder zu viel von der Handlung verrät noch inhaltlich zu vage bleibt. Das liegt daran, dass das Buch sich in zwei Handlungsstränge teilt, die jeweils etwa die Hälfte des Romans ausmachen. Eine detaillierte Inhaltsangabe zum zweiten Abschnitt würde quasi den gesamten ersten Teil voraussetzen, weshalb ich der Spannung zuliebe an dieser Stelle darauf verzichte, zu konkret zu werden. Ich will euch schließlich die Spannung nicht verderben.

Buch 1:

Lysander ist sechzehn Jahre alt, lebt in Boston bei seinem Onkel und seiner Tante und muss aufgrund einer begangenen Körperverletzung, wegen der er zudem die Schule wechselt, Sozialstunden in einem Krankenhaus ableisten. Dort, und später auch an seiner neuen Schule, begegnet er zum ersten Mal Fynnian bzw. Fynn, wie dieser im Roman meistens genannt wird. Die beiden Jungen fühlen sich schnell zueinander hingezogen und es entwickelt sich eine zarte Liebe zwischen dem ungleichen Paar. Während Lysander zu Beginn aus persönlichen Gründen Schwierigkeiten damit hat, vor anderen zu der Beziehung mit Fynn zu stehen, geht dieser offen mit seiner Liebe zu Lysander um. Mit der Zeit kommt Lysander auch hinter Fynns Geheimnis: Sein Freund verfügt über eine besondere Fähigkeit, die es ihm ermöglicht, die Seelenfarbe eines jeden Menschen zu sehen und seine Gefühle zu spüren, als wären es seine eigenen. Diese Gabe belastet Fynn stark und fügt ihm zuweilen psychischen und physischen Schmerz zu. Mit Lysander an seiner Seite scheint sich jedoch zunächst alles zum Besseren zu wandeln. Der Unfalltod seiner Zwillingsschwester Emily erschüttert Fynns Dasein allerdings in seinen Grundfesten und die Beziehung zu Lysander zerbricht an der Trauer über den Verlust, denn Fynn zieht sich mehr und mehr in seine eigene Welt zurück.

Buch 2:

Als die beiden Jungen gerade im Begriff sind, wieder einen vorsichtigen Schritt aufeinander zu zu wagen, wird Fynns Seele von einer mysteriösen Lichtgestalt in eine Parallelwelt entführt, in der Lysander nicht nur um das Leben seines Freundes kämpfen muss, sondern auch gegen seine eigene schmerzliche Vergangenheit, Fynns Trauer und um dessen Lebenswillen. Denn der Entführer verfolgt einen perfiden Plan, den er umsetzen will, indem er Fynn seine Seele raubt und diese auf ewig in eine Kristallkugel schließt.

Artwork:

Logischerweise gibt es in Bezug auf das Artwork nicht viel zu rezensieren. Wie bereits erwähnt, hat mich allerdings der Stil des Titelbilds sofort angesprochen. Ich lese generell gerne düstere Fantasygeschichten und das Cover, das Lysander und Fynn abbildet, bedient meinen geheimen Gothic-Fetisch, was wahrscheinlich der Grund für mein blindes Zugreifen bei Amazon war. Konsequent finde ich es, dass der Stil des Titelmotivs stark an einen Manga erinnert, wodurch der Bezug zum Inhalt auch visuell bestehen bleibt. Ganz persönlich finde ich die beiden Hauptfiguren des Romans in der Zeichnung sehr gut getroffen und mir gefällt zudem die Symbolkraft des Bildes, die durch die vielen Verbände und Rosenranken entsteht, was ebenfalls ganz typisch für ein Mangamotiv ist. Der jeweilige Schmerz von Lysander und Fynn wird mittels dieser Technik ausgedrückt, aber gleichzeitig auch die tiefe Liebe und Verbundenheit zwischen den beiden Figuren.

Struktur:

In der Inhaltsangabe habe ich bereits angedeutet, dass sich der Roman in zwei sogenannte Bücher teilt. Das erste Buch spielt in der diesseitigen Welt, dass zweite in der Parallelwelt, in die Fynns Seele entführt wird. Diese beiden Teile des Romans sind klar voneinander abgegrenzt. Man kann auch sagen, dass die erste Hälfte des Buches Lysanders und Fynns Kennenlernen, Verlieben und den Bruch beinhaltet, also die Charaktere psychologisch ausgestaltet, während die Autorin sich in der zweiten Hälfte auf die Auflösung des psychologischen Konflikts und damit den Rettungsversuch von Fynn konzentriert. Gerahmt wird diese Struktur von einem Pro- und Epilog. Der Prolog schildert Lysanders und Fynns allererste Begegnung im Krankenhaus, der Epilog – nun, ich will euch nicht das Ende verraten. Die einzelnen Kapitel der beiden Bücher folgen keiner stringenten Reihenfolge, sondern beleuchten abwechselnd Lysanders und Fynns gegenwärtige Situation, also die Haupthandlung, die nach der Trennung der beiden Figuren einsetzt, und die Vergangenheit der beiden Protagonisten, die in weiteren Kapiteln und Abschnitten ausgeleuchtet wird und welche zum Beispiel ihr Kennenlernen, die langsame Anbahnung der Beziehung oder gemeinsame Schlüsselsituationen beinhaltet, wie zum Beispiel den ersten Sex. Diese in die Vergangenheit verlegten Kapitel nennt die Autorin „Schatten“, während die regulären Kapitel einfach „Kapitel“ heißen. Der Roman wird zusätzlich aus verschiedenen Erzählperspektiven geschildert, hauptsächlich aus der von Lysander, aber auch Fynn und seine Schwester Emily lässt die Autorin zu Wort kommen. Diese Methode finde ich als narratives Mittel sehr schön, denn so entsteht eine empathische Innensicht, die dem Leser die Gefühle aller Figuren offenbart und es ihm erleichtert, Zugang zur Denkweise und dem Charakter von Lysander, Fynn und Emily zu erlangen.

Erotik:

Um es schon einmal vorwegzunehmen: Ja, es gibt ein paar wenige, explizit erotische Szenen in diesem Roman. Ihre geringe Anzahl (drei Stück auf 456 Seiten) wird mehr als ausgeglichen dadurch, dass sie nicht ganz so zahm sind, wie man es in einem gewöhnlichen Roman erwarten würde. Aus diesem Grund finde ich es schwierig, das Buch dem Genre Shōnen Ai oder Boys‘ Love zuzuordnen, denn es verfügt über Elemente beider Kategorien. Damit sind wir nun außerdem beim interessanten Teil angelangt, denn ich habe noch nie einen Roman gelesen oder von einem gehört, der quasi ein verschriftlichter Manga sein könnte. Der Aufbau folgt inhaltlich dem bekannten Schema eines Boys‘ Love-Manga:

1) Kennenlernen der beiden Hauptcharaktere. Bereits zu Beginn wird eine subtile Faszination angedeutet, die die beiden Figuren für ihr jeweiliges Gegenüber empfinden. Diese Faszination muss nicht unbedingt mit Sympathie gleichgesetzt werden, denn auch Fynn ist Lysander bei ihrer ersten Begegnung nicht unbedingt sympathisch. Vielmehr ist er gebannt von Fynns seltsam und weltentrückt wirkender Erscheinung und seiner Heterochromie.

2) Annäherung der Figuren. Aufgrund des Umstands, dass die beiden Protagonisten die selbe Schule besuchen, gibt es im Roman reichlich Gelegenheit für Fynn und Lysander, einander näher kennen zulernen. Wie in vielen Manga dieses Genres wählt die Autorin für diesen Zweck das Schuldach, welches von den beiden Jungen in ihren Pausen dazu genutzt wird, die Nähe des anderen ungestört zu genießen (das meine ich zunächst nicht im sexuellen Sinn). Die Schul- und Schuldachszenerie kann man wohl als klassischen Schauplatz vieler Boys‘ Love-Manga bezeichnen.

3) Die Erkenntnis, dass man den anderen liebt. Nachdem Lysander in einer Situation von seinen Gefühlen übermannt wird und Fynn unvermittelt küsst, ist schnell klar, dass diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht und auch Fynn bereits in den attraktiven Lysander verliebt ist. Diese Szene, in der einer der Protagonisten aus dem Affekt heraus seine Beherrschung verliert und dem Freund unvermittelt seine Liebe gesteht oder ihn küsst, ist ebenfalls ein zentrales Merkmal der meisten Boys‘ Love-Manga. In den meisten Fällen kommt durch dieses Geständnis eine Beziehung zustande. Dies ist auch bei Fynn und Lysander so.

4) Der erste Sex. Nachdem die beiden Hauptcharaktere ein Paar sind (manchmal allerdings auch davor), kommt es zum ersten Geschlechtsverkehr. Meistens folgt dieser recht zügig auf das Liebesbekenntnis. Seelenschleicher geht auch in dieser Hinsicht mit dem konventionellen Boys‘ Love-Manga konform. Um euch den Genuss zu erhalten, werde ich zu den heißeren Szenen jedoch nichts all zu detailliertes schreiben. Sie sind aber voller Leidenschaft und schmerzlichem Verlangen. Der Akt an sich wird von der Autorin ausgespart und der Fantasie des Lesers überlassen, aber trotzdem wird es im Zuge des Vorspiels recht konkret und ich fand die erotischen Schilderungen beinahe anregender als jede noch so explizite Zeichnung, was wohl für das Können der Autorin spricht, eine prickelnde, aber gleichzeitig romantische und melancholische Stimmung zu schaffen.

5) Beziehungsprobleme, Bruch und erneutes Annähern. Wie in der überwiegenden Anzahl der Boys‘ Love-Manga werden auch Lysander und Fynn mit Problem konfrontiert, die aus ihrer Homosexualität resultieren. Wobei man einräumen muss, dass Fynn sehr offen mit seiner sexuellen Orientierung umgeht, während Lysander hier wesentlich reservierter agiert. Wie sich später herausstellen wird, handelt Lysander jedoch weniger aufgrund der Tatsache ablehnend, dass er sich für seine Homosexualität schämt, sondern eher auf Basis eines in der Vergangenheit erfahrenen Traumas. Das Thema Homosexualität wird im Kontext des Romans im Gegenteil recht unkompliziert und natürlich behandelt, was mit sehr gefallen hat. In vielen Boys‘ Love-Manga beginnt zumeist ein regelrechtes Versteckspiel, wenn die beiden Figuren sich eingestanden haben, dass sie schwul sind. Oft ist dies der Hauptgrund für die anknüpfende Trennung der Protagonisten. Bei Fynn und Lysander verhält sich dies ebenfalls anders. Der Grund für ihre vorübergehende Trennung ist der, dass Fynn nach dem Tod seiner Zwillingsschwester völlig traumatisiert und nicht mehr in der Lage dazu ist, weitere Energie in die Beziehung zu Lysander zu investieren. Die beiden Jungen schaffen es jedoch, sich bis zum Zeitpunkt von Fynns Entführung nach und nach wieder anzunähern.

Die genannten Merkmale sind typisch für einen Boys‘ Love-Manga und finden in vielerlei Hinsicht ihre exakte Entsprechung im Roman. Wie bereits angeklungen ist, finden sich jedoch auch einige Punkte, in denen der Roman vom klassischen Schema des Bos‘ Love-Manga abweicht.

Figuren:

Im Kontrast zu einigen Boys‘ Love-Manga gibt es in Seelenschleier zwar auch ein paar recht explizite Sexszenen, doch der Fokus liegt deutlich auf der psychologischen Entwicklung, die die beiden Figuren durchlaufen, immer eingebettet in den Rahmen der innigen Liebe, die Lysander und Fynn füreinander empfinden. Ich würde das Buch daher tendenziell eher dem Genre Shōnen Ai zuordnen, wenngleich es sich an der Grenze zum konventionellen Boys‘ Love-Manga bewegt bzw. eine Mischform der beiden Genres kreiert. Darin liegt die außergewöhnliche Leistung dieses Buches, wie ich finde. Er verschmilzt klassische Manga-Elemente mit denen eines rein literarischen Romans. Dass es keine platte Unterhaltung bieten will, zeigt sich nicht nur daran, dass das Buch Themen wie psychische Traumata durch Verlust und Gewalt behandelt, sondern auch daran, dass Fynn und Lysander als Figuren sehr komplex ausgearbeitet sind und keine Projektionsflächen für gängige Boys‘ Love-Klischees darstellen.

Der Leser wird durch die beiden Figuren und deren Beschreibung zwar wieder mit dem mangatypischen Uke-Seme-Schema konfrontiert, jedoch handelt es sich hierbei wirklich nur um rein optische Merkmale. Fynn ist kein klassischer Mädchenschwarm, auch wenn er im Roman als von den Mädchen umschwärmtes Model arbeitet (übrigens ein sehr beliebter Beruf in Boys‘ Love-Manga). Er stammt aus reichem Elternhaus, ist aber von sehr kränklicher und schwacher Konstitution und oft ans Bett gefesselt oder auf eine Behandlung im Krankenhaus angewiesen, was jedoch zum großen Teil auf seine Begabung als Empath zurückzuführen ist, wie später deutlich wird. Mit seiner Zwillingsschwester Emily verknüpft ihn ein ganz besonderes Band und als dieses durch deren Tod zerrissen wird, zerbricht Fynn fast daran. Seine Eltern bieten ihm keinen Halt, da sie ihn aufgrund seiner Gabe, die sie als psychische Störung auffassen, ablehnen und Emily dem Bruder vorziehen. Fynn ist überaus dünn, hat blonde lange Haare und ein blaues und ein grünes Auge. Er verfügt über einen sehr sensiblen und mitfühlenden Charakter und setzt sich ohne Nachdenken für andere ein, was ihn öfter in brenzlige Situationen bringt, aber nicht ausschließlich aus seiner Fähigkeit resultiert, die Gefühle anderer Menschen sehen und spüren zu können. Da ihn das Zusammensein mit anderen Menschen emotional und körperlich sehr belastet, ist Fynn gerne alleine oder genießt die Nähe zu Emily. Lysander ist optisch das Gegenteil von Fynn. Er wird mit dem jungen James Dean verglichen und ist ein sehr attraktiver Junge mit durchtrainierter Körperstatur und dichtem braunen Haar, der zuweilen jedoch eine etwas ruppige und verschlossene Art und Weise an den Tag legt. Was ihn zunächst mit Fynn verbindet, ist der Umstand, dass auch er gerne alleine ist und in den Pausen die Ruhe auf dem Schuldach sucht. Fynn und Lysander schätzen aneinander die Fähigkeit, ihr Zusammensein schweigend genießen zu können. Lysander lebt bei seiner Tante und seinem Onkel in Boston. Beide Jungen haben ihr Umfeld in ihre Homosexualität eingeweiht, verbergen jedoch ihre Beziehung vor ihren Familien. Nur Emily weiß um das Verhältnis, in dem Fynn und Lysander zueinander stehen.

Der Charakter der beiden Figuren weicht vom klassischen Uke-Seme-Schema ab. Während Fynn der aktive Part ist, der Lysander in den Sexszenen verführt und zu Beginn die Beziehung der beiden vorantreibt, ist Lysander der zurückhaltende Partner, der lieber Distanz wahrt und sich dennoch liebevoll um den körperlich schwächeren Freund sorgt und kümmert. Ich finde es wundervoll, wie die beiden Jungen sich ergänzen und muss an dieser Stelle einfach das Wort benutzen, dass ich eigentlich hasse: Die beiden sind zusammen sooo süüüüüß! Unfassbar zauberhaft! Was ich im Rahmen des Charakterdesigns besonders gelungen finde: Keine der beiden Figuren ist von der anderen abhängig und obwohl Fynn oft krank ist und körperlich zerbrechlich wirkt, verfügt er doch über ungeahnte Stärken und schafft es, sich in einer für ihn schwierigen Situation ganz deutlich von Lysander zu emanzipieren. Der Prozess, in dem die beiden sich ineinander verliebt haben, hat mir richtiges Herzklopfen beschert, so zaghaft und ehrlich sind die Gefühle zwischen Fynn und Lysander gewachsen. Es ist generell ein riesiger Pluspunkt dieses Romans, dass nicht alles gehopst wie gesprungen passiert und die Autorin ihren Figuren Raum einräumt, in dem sie sich entwickeln können. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird dem Leser deutlich, dass es in dem Buch nicht um Sex geht, sondern um die Entwicklung einer homosexuellen Beziehung, die absolut realistisch geschildert wird und sich genau so auch zwischen einem Heteropärchen hätte manifestieren können. Die Tatsache, dass die beiden Jungen schwul sind, wird zwar thematisiert, aber auf eine angenehm zurückhaltende Art und Weise und mehr am Rande, sodass am Ende ein zentrales Thema des Romans in den Fokus rückt: Die tiefe Bindung, die zwischen zwei Menschen entstehen kann (sowohl zwischen Geschwistern als auch Liebenden) und die aufgrund ihrer Intensität neben grenzenlosem Glück auch unfassbaren Schmerz bedeuten kann. Fynn und Lysander arbeiten sich an ihrer Liebe ab, scheitern an ihr und lassen sie erneut erstarken. Am Ende können sie so – gemeinsam – vielleicht alle Hindernisse und alle traumatischen Erlebnisse der Vergangenheit verarbeiten und den anderen mit allen Facetten und Schmerzen annehmen und akzeptieren. Es gibt im Roman unzählige Szenen, die mich fast zum Weinen gebracht haben, weil sie einfach wunderschön geschrieben sind und vor allem Lysanders Verzweifelung einfangen, der mit allen Mitteln versucht, Fynn zurückzugewinnen, durch Kampf und dadurch, dass er in den entscheidenden Momenten einfach an seiner Seite ist.

Fazit:

Da der Text unfassbar lang geworden ist (es tut mir sooo leid, ich kann einfach nicht anders, wenn ich erst einmal angefangen habe zu schreiben – ich hoffe trotzdem, ihr habt bis zum Ende durchgehalten), wird das Fazit dafür umso kürzer: Mir hat an Seelenschleier besonders gefallen, dass er gekonnt Elemente des Shōnen Ai-Genres mit denen eines klassischen Boys‘ Love-Manga kombiniert und es dabei schafft, nicht den Sex und die Homosexualität, sondern die Liebesbeziehung und tiefe Zuneigung der beiden Hauptfiguren in den Mittelpunkt zu stellen. Ich kann dem Roman jedem ans Herz legen, der eine interessante Story mit Fantasyelementen, komplexe Charaktere, psychologische Konflikte und eine Liebe am Rand der Verzweifelung mag. Und jede Menge Dramatik und Tränen. Da sieht man als Leser auch gerne über die Tatsache hinweg, dass er Roman im Eigenverlag erschienen ist und nicht so perfekt lektoriert ist wie ein ‚professioneller‘ Text. Ich bin als Germanistin wahrscheinlich jedoch generell etwas sensibler und ich denke, dass den meisten Lesern nicht viel Störendes auffallen wird. Es ist insgesamt wirklich ein toller Roman mit einer kreativen und ausgereiften Geschichte, die für das zweite Buch sogar noch etwas mehr Seiten hätte vertragen können.

Jaa mata ne, eure Amaya!


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