Die Monatsübersicht für den November 2019 fällt dieses Mal nach hinten raus ziemlich kritisch aus, was ich von mir selber gar nicht gewohnt bin, aber wie immer der Hinweis: Denkt bitte daran, dass ich hier nur meine ganz persönlichen und subjektiven Leseeindrücke verarbeite und weitergebe und euer Geschmack natürlich sehr gerne von dem meinigen abweichen darf 😉. Auf jeden Fall wünsche ich euch viel Spaß mit den November-BLs!

Kazé Manga

„Zu schön, um wahr zu sein“ von Kamome Hamada / One Shot

Schade, dass es für den Titel keine Leseprobe gibt, aber man kann ihn über Kazé bereits bestellen.

Klappentext

Hobbykoch Akira hatte nie Glück mit Männern. Der Mann, den er über seinen Rezepte-Blog kennenlernt, setzt dem Ganzen allerdings die Krone auf: Masaru ist heterosexuell und behauptet gleichzeitig, in Akira verliebt zu sein. Soll er sich auf ein Experiment einlassen, das eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist? Doch ehe sich Akira diese Frage beantworten kann, liegt Masaru schon in seinem Bett.

Basierend auf einer wahren Geschichte.

Meine Einschätzung

Ich habe den Manga bereits einmal angelesen, weil ich die Mangaka kenne und ihren skizzenhaften und eher rudimentären, aber gleichzeitig sehr individuellen Zeichenstil unheimlich mag. Sie paart in ihren Figuren Reife und Fluffigkeit mit einer gewissen Kindlichkeit, ohne, dass ihre Geschichten über diese visuelle Komponente an Ernsthaftigkeit verlieren. Außerdem gestaltet sie unheimlich sympathische Figuren und erzählt selbst die größten Dramen nicht ohne eine Prise Humor. Ehrlich gesagt, kann ich gar nicht genau in Worte fassen, warum mich ihre Manga immer mit einem äußersten Gefühl der Zufriedenheit zurücklassen, aber ich glaube, es liegt an der ungezwungenen Authentizität, die jedes ihrer Werke mit bewundernswerter Leichtigkeit begleitet.

Die Figuren fühlen sich immer nach realen Personen mit realen (Beziehungs)Problemen an und um so begeisterter war ich, dass Hamada-san sich nun auch noch eine Story geschnappt hat, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Die Ausgabe des Manga enthält übrigens Notizen zu den einzelnen Zeichnungen vom ‚echten Akira‘, wodurch der Leser noch einmal eine ganz andere Perspektive auf die Handlung bekommt. Dieses für einen BL-Manga ziemlich außergewöhnliche Konzept beschert uns auf jeden Fall eine mitreißend humorvolle und leicht skurrile Geschichte mit zwei herzerwärmend sympathischen Hauptfiguren und einem Seme, der mit seiner Direktheit mein Herz im Sturm erobert hat. Eine Geschichte voller Klischees, die zeigt, dass das Leben selbst manchmal doch die größten (und schönsten) Kitschromane schreibt.

Carlsen Manga

„Requiem of the Rose King“ von Aya Kanno / Band 6

Ein ziemlich düsterer Manga, der es mit sehr angetan hat. Den ersten Band und alle weiteren erhaltet ihr im Webshop von Carlsen.

Klappentext

Über Richard, den dritten Sohn des Hauses York, schwebt ein böses Omen. Er glaubt, dass ihn ein Fluch verfolgt und seinen Lieben Unheil bringen wird. Aber ist es wirklich ein Zauber, der sein Schicksal vergiftet? Oder sind es die Intrigen, die die Kämpfe um die Königskrone in England beherrschen, die ihn verdammen…?!
In ihrem düsteren Werk lässt sich Autorin Aya Kanno von den historischen Ereignissen und Shakespeares Erzählungen um den späteren König Richard III. inspirieren. Und zeigt ihn als Jüngling, der zwischen Gut und Böse steht und verzweifelt nach etwas Höherem sucht.

Mein Leseeindruck

Mal wieder ein Kein-BL-aber-ihr-solltet-den-lesen-Tipp von mir. Wobei, dass Requiem of the Rose King kein BL-Manga ist, kann man so eigentlich auch nicht einwandfrei behaupten, denn Aya Kannos Richard ist ein Hermaphrodit – ein Zwitter, wenn man will. Mit beiden Geschlechtsmerkmalen geboren und damit seit der Geburt im englischen Königshaus von seiner Mutter als Missgeburt gebrandmarkt, sucht Richard nach dem Tod seines Vaters als junger Mann, als der er lebt, nach seinem Platz im Kampf um die Vorherrschaft um die Krone – und in der Welt. Dabei verliebt Richard sich in Henry, den ehemaligen König, der im Rahmen der Rosenkriege vom Thron gestürzt wurde. Henry, der an den Machtkämpfen, der Gewalt und dem sinnlosen Blutvergießen zerbricht und sich in eine Welt fernab des Königshauses zu flüchten versucht, weiß nichts von der wahren Identität des Mannes, von dem er scheinbar magisch angezogen wird.

Die zarte und sich sehr langsam entwickelnde Liebesgeschichte verpackt die Autorin in düstere und unfassbar wundervolle Zeichnungen, die den Leser in eine nur sehr lose an Shakespears Dramen orientierte Welt entführen und diese neu interpretieren. Vor historischen Hintergründen entfaltet die Reihe ihre Geschichte um einen jungen Mann, der (bisher) nicht in der Lage ist, sich von den sozialen und geistigen Fesseln zu lösen, die ihm seine Zweigeschlechtlichkeit auferlegt. Insgesamt ein sehr packender und stimmungsvoller Fantasymanga, den ich euch wirklich ans Herz legen möchte, wenn ihr zuweilen auch einmal abseits der klassischen BL-Pfade unterwegs seid und ins Shōjo-Genre hineinschnuppern wollt.

altraverse

„Der stille Mond“ von Peco Morishima & Anemu Anemura / Band 2 (Abschlussband)

Den letzten Band der Reihe könnt ihr bei altraverse bestellen, was ich übrigens immer sehr empfehlen kann – man bekommt oft Postkarten und andere Niedlichkeiten dem Paket beigelegt.

Klappentext

Nachdem Takagi ihn betrogen hat, will Miki ihn verlassen, doch so leicht gibt Takagi nicht auf. Auch wenn er ihm noch nicht vergeben kann, beschließt Miki, ihm eine zweite Chance zu geben. Doch die Distanz zwischen ihnen ist deutlich spürbar. Und dann taucht auch noch ein Mann auf, der Mikis dunkle Vergangenheit kennt…

Mein Leseeindruck

Achtung, das wird jetzt vielleicht eine kleine Wutrede, aber groaaarrrrr, der erste Band der Reihe hat mich Nerven gekostet! Der stille Mond überzeugt mit einem hübschen, weichen Artwork und androgyn bis feminin wirkenden, dabei eher kindlichen Figuren, aber von der detaillierten Optik und den schönen Zeichnungen abgesehen, habe ich alle Charaktere des Manga abgrundtief verabscheut, allen voran den Seme. Damit ich für irgendeine der Figuren noch Sympathie entwickele, müsste sich die Mangaka im zweiten Band ganz schön ins Zeug legen und mit der Geschichte eine emotionale 180-Grad-Wende vollziehen. Ich kann euch auch sage, warum mich der Manga so aufgebracht hat: Erst einmal ist die Reihe eines der typischen Werke, in denen der Freund des Uke einfach – entschuldigt die Wortwahl, aber in diesem Fall trifft sie ehrlich den Kern der Sache – ein A******** ist. Ihr solltet nicht erwägen, die Reihe in euer Regal zu stellen, wenn ihr Abhängigkeitsbeziehungen, die von Seiten des Uke aus zwar von ehrlicher Liebe geprägt sind, vom Seme aber schamlos ausgenutzt werden, um seine Gelüste auszuleben, nicht gerne in euren bevorzugten Manga vorfindet.

Ich finde die Story um zwei Zwillingsbrüder, in der der eine stets im Schatten des ‚kleinen‘ Bruders steht und sehr unter der sträflichen Missachtung leidet, mit der ihn Freunde und Familie behandeln, durchaus berührend und teilweise sogar erschütternd und in tollen Bildern eingefangen, aber von diesem guten Ansatz abgesehen, entbehren die Geschichte und vor allem die Figuren jeglicher Realität und Verhältnismäßigkeit. Der alles überstrahlende Zwillingsbruder und der Freund des Uke wirken wie Übermenschen (Mikis Freund spricht 20 Sprachen fließend und sein Bruder schein eine Art Multitalent zu sein), die ihr Umfeld belügen und betrügen, inklusive der Menschen, die ihnen nahe stehen (sollten). Vielleicht fälle ich an dieser Stelle ein so vernichtendes Urteil, weil ich Manga, deren Handlung so offensichtlich konstruiert wirkt, i.d.R. als sehr anstrengend empfinde. Natürlich ist es im Leben nicht immer einfach und nicht alle Konflikte lassen sich durch ein Gespräch zwischen den betroffenen Parteien lösen, aber es ist mir wirklich ein Rätsel, wie man einen ohnehin bereits stark depressiven Menschen in vollem Bewusstsein so verletzen kann.

Mit Miki habe ich wirklich mitgelitten, aber manchmal hätte ich ihn auch gerne geschüttelt, damit sich die Murmeln in seinem Gehirn neu sortieren und er seinen Wert als Mensch erkennt. Dementsprechend wenig haben mich dann die erotischen Szenen angesprochen, von denen es zwar einige gibt, die für mich persönlich in Anbetracht der Tatsache, dass Mikis Freund (übrigens einige Jahre älter und auch noch sein Vertretungslehrer) ihn emotional manipuliert und ausnutzt, jedoch einen sehr bitteren Beigeschmack hatten. Der stille Mond ist definitiv eine Reihe, die nur euren Geschmack treffen könnte, wenn ihr emotional extrem dramatische oder beinahe tragisch konstruierte Manga mögt und euch nicht an relativ unsympathischen Figuren stoßt, sondern vor allem die Thematik der Hassliebe zwischen Geschwistern spannend findet – in Japan übrigens durchaus ein klassischer Erzählstrang im BL-Genre!

Egmont Manga

„Outside Flower“ von Hiro Murasaki / One Shot

Den One Shot, der prickelnde Erotik verspricht, könnt ihr über Egmont hier bestellen.

Klappentext

Masamoto ist 29 und hatte noch nie einen Freund. Aus diesem Grund will er eine Cruising-Area aufsuchen, um seiner Jungfräulichkeit ein schnelles Ende zu setzen. Doch dann trifft er auf den Studenten Sakuya und ändert seine Meinung. Könnte er derjenige sein, mit dem Masamoto endlich sein Glück findet?

Mein Leseeindruck

Wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die beim Cover sofort an Ten Count denken musste. Und ein wenig gemeinsam haben die beiden Manga tatsächlich, denn auch in Outside Flower ist es ein jüngerer Mann, der der Zufallsbekanntschaft zum privaten Liebesglück verhelfen muss. Masamoto leidet zwar nicht an Mysophobie, ist aber ein ziemliches Film-Otaku. Damit muss man(n) erst einmal warm werden! Der Zeichenstil ist fein und ein wenig verspielt – auch in dieser Hinsicht erinnert der One Shot an Ten Count – aber die Figuren wirken in zeichentechnischer Hinsicht weniger ausgereift, was man vor allem in den Porträtzeichnungen feststellt. Teilweise erscheint die Mimik ein klein wenig unausbalanciert und wurden die Figuren mit sehr femininen Zügen ausgestattet.

Wer Gefallen an dem Schema junger erfahrener Liebhaber und jungfräulicher reifer Mann findet, bei dem dürfte der One Shot offene Türen einrennen, denn die Story strotzt nur so vor niedlichen Momenten. Aber Achtung, liebe BL-Jünger, das alles wird nicht so schmutzig, wie es wirkt, denn es gibt keinen Sex, meine Herrschaften! Der Manga erzählt in schönen Zeichnungen einfach eine süße Geschichte darüber, wie die eigene ‚Seltsamkeit‘ eben das sein kann, was uns in den Augen des richtigen Menschen zu etwas ganz Besonderem macht. Ein rosaroter Wohlfühlmanga, der das ziemlich dramatische Novemberprogramm angenehm auflockert.

„Steal your Kiss“ von Papiko Yamada / One Shot

Die volljährigen Leser unter uns können den Manga als 18+-Lizenz über den Webshop von Egmont beziehen.

Klappentext

Naoto Narasaki entstammt einer Diebesfamilie und auch er selbst ist nicht gerade das, was man als einen gesetzestreuen Bürger bezeichnen würde. Als er bei einem Hochzeitsschwindel auffliegt, landet er in der Obhut von Polizist Kaoru. Doch anstelle einer Gefängniszelle findet sich Naoto plötzlich in der Wohnung von Kaoru wieder, wo dieser ihm eröffnet, dass er nur wegen ihm zum Polizisten geworden sei… Ein verführerisches Katz-und-Maus-Spiel beginnt!

Meine Einschätzung

Von Papiko Yamada kenne ich bereits einige andere Manga und kann an dieser Stelle nur sagen, dass ihre Werke mittlerweile nicht mehr meinen Geschmack treffen. Die Manga bieten solide BL-Unterhaltung mit netten Ideen, sehr viel Erotik (der hier vorgestellte One Shot ist 18+, nur noch einmal am Rande), wirklich attraktiven Figuren und einem sehr ausgereiften und filigranen Artwork, aber obwohl das jetzt eigentlich nach einer ’sicheren Bank‘ klingt (was die Mangaka für Einsteiger auch ist – hier kann man ohne all zu große Bedenken beherzt zulangen), lassen mich die Geschichten meistens kalt.

Die Werke bieten viele gängige BL-Motive und die üblichen Stereotypen, angefangen beim Uke-Sema-Schema. Die Handlung vermengt häufig eine Prise emotionale Dramatik mit zwischenmenschlichen Krisen, aber mir fehlt dabei der letzte Funken Ernsthaftigkeit – oder, wenn schon, dann wirklich auf die Spitze getriebener Humor, wie z.B. bei Owal oder in Come to where the Bitch Boys are. Wenn ihr aber einfach mal wieder einen soliden BL-Manga ohne all zu großes Innovationspotenzial mit einer unterhaltsamen Story und viel Sex lesen wollt, dann ist dieser hier sicher eine gute Wahl.

TOKYOPOP

„Blue Lust“ von Hinako / Band 1

Auf diese Reihe warte ich schon lange sehnsüchtig! Sie ist in Japan in drei Bänden abgeschlossen und kann bereits über den Webshop von TOKYOPOP bezogen werden.

Klappentext

Durch Zufall kann Hayato seinen neuen Mitschüler Soma von einem Selbstmordversuch abhalten. In der Folge entwickelt er eine Art Beschützerinstinkt gegenüber dem kontaktscheuen Jungen und hilft ihm dabei, sich sozial zu integrieren. In der Mittelschule hatte Hayato einen schwulen Freund geoutet, der somit zum Mobbingopfer wurde, was ihm noch nachhängt. Doch als Soma mehr von ihm will, sieht sich Hayato mit einer ähnlichen Situation wie damals konfrontiert…

Die sehr sensible und sehr ruhige, dabei aber trotzdem hoch emotionale Art und Weise, auf die in Blue Lust Hayatos und Soumas Geschichte erzählt wird, hat mir sehr gefallen, als ich den Manga das erste Mal gelesen habe. Mobbing ist auch an japanischen Schulen sehr viel weiter verbreitet, als man denken mag, und so schildert die Reihe sehr einfühlsam aus Hayatos Sicht, was mit dem eigenen Leben geschieht, wenn man erst nach einem tragischen Fehler erkennt, dass man Gesagtes nicht ungeschehen machen und welchen Schaden man mit seinem Verhalten einem anderen Menschen zufügen kann. Neben der schweren Bürde, die seine Homosexualität für Souma bedeutet, geht der Manga behutsam auf Themen wie Toleranz, Empathie, Freundschaft und Reue ein und zeigt aus einer sehr menschlichen Perspektive heraus auf, wie zwei Jungen, die beide auf ihre ganz eigene Art seelisch zerbrochen sind, langsam an ihrer Zuneigung und Liebe zueinander heilen und persönlich wachsen.

Auch Blue Lust ist nicht ganz frei von einigen BL-Klischees, aber wer sich gerne an einer ernsten Geschichte versuchen möchte, deren feines Artwork durch keinerlei überflüssigen Schnickschnack vom ebenso schnörkellosen Erzählstil ablenkt, dessen Herz dürfte die Reihe von Hinako schnell erobern. Blue Lust ist zwar definitiv eine Geschichte, die sich an ein jugendliches Zielpublikum richtet, aber auch uns erwachsene Leser dürfte sie zum Nachdenken darüber anregen, dass unbedachte Worte manchmal schlimmer schmerzen und schwerer wiegen können als Taten und dass eine freundliche Geste zur richtigen Zeit das Leben eines anderen Menschen zum Positiven wenden kann.


2 Kommentare

Aluca · 12. November 2019 um 13:00

Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber ich habe „Steal your Kiss“ irgendwie nicht ganz verstanden – und das will was heißen bei einem BL-Manga xD Vor allem den Anfang fand ich sehr verwirrend: die Motive der Protagonisten waren mir ein Rätsel; der Seme will dem Uke an die Wäsche, verliert dann aber die Lust; der Uke fragt, ob er nicht überzeugend genug gespielt hat; auf einer Seite ging es dann plötzlich um SM, was nie wieder aufgegriffen wurde… Hääh? War echt komisch, der Manga, hat mir nicht gefallen!

    Amaya · 19. November 2019 um 17:37

    Hallo Aluca,

    dein Kommentar hat mich gerade zum Schmunzeln gebracht 😂. Vielleicht muss man an dieser Stelle auch einfach einmal fair sein und sagen, wie es ist: Wenn ein Manga auf Teufel komm raus über keinen logischen Handlungsstrang verfügt, gibt es auch nicht viel, was man verstehen könnte – aber ich finde es tapfer, dass du versucht hast, einen zu finden 😉.

    Liebe Grüße
    Amaya

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