TitelMaiden Rose / Hyakujitsu no Bara

Genre: Boys‘ Love, Drama, Action, Fantasy, Military

Zeichnungen / Story: Fusanosuke Inariya

Bände: 2 / fortlaufend

Verlag: Digital Manga Publishing

Erscheinungsjahr des 1. Bands: 2010

Sprache: Englisch

Erotische Szenen: ❤❤

So sieht der Band aus, den ich besitze. Die Verlagswebsite findet ihr hier, aber bestellen kann man den Manga nur über Drittanbieter, z.B. Amazon.

Heute nehme ich ein weiteres Herzensprojekt in Angriff. Aber bevor ich beginne: Es tut mir schrecklich leid, dass ihr so lange warten musstet und der Beitrag dieser Woche erst ‚auf den letzten Drücker‘ kommt. Ich hatte viel zu tun und finde daher erst jetzt die Zeit dazu, endlich etwas zu schreiben. Das ganze Wochenende bin ich an dem Versuch gescheitert, mir etwas Freizeit freizuschaufeln, aber nun ist es mir zum Glück noch gelungen. Zu Entschädigung gebe ich mir besonders viel Mühe und stelle euch deshalb meinen absoluten BL-Favoriten vor – Maiden Rose beziehungsweise Hyakujitsu no Bara. Der Umstand, dass diese wundervolle Reihe mein Lieblingsmanga ist, zeigt jedoch leider auch, dass ich einen furchtbaren Hang zu diesen Manga-Sorgenkindern habe, von denen man nie weiß, ob die Geschichte tatsächlich jemals abgeschlossen wird. Ich will euch deshalb einen guten Rat geben, bevor ihr den Manga erwerbt: Überlegt euch dieses Vorhaben sorgfältig! Ich kann euch versprechen, dass ihr der Reihe und der Autorin mit Haut und Haaren verfallen werdet und es leider ungewiss und mittlerweile wohl auch unwahrscheinlich ist, dass die Geschichte von Klaus und Taki jemals ein Ende finden wird. Wenn ihr euch also Herzschmerz und hysterische Verzweifelungstaten nach der Lektüre ersparen wollt, dann KAUFT DIESEN MANGA AUF KEINEN FALL! Wobei ihr wirklich etwas verpasst, wenn ihr den Manga nicht lest – oh oh, Paradoxon in Sicht *hehehe*. Ich für meinen Teil war schlau / dumm genug, die beiden erschienenen Bände käuflich zu erwerben. Am Ende noch ein Hinweis am Rande: Maiden Rose ist aus dem Japanischen bisher nur ins Englische übersetzt worden, weshalb ihr den Manga auf Englisch kaufen und lesen müsst (außer natürlich, ihr könnt Japanisch *zwinker*).

Inhalt:

Zu Maiden Rose eine Inhaltsangabe zu erstellen, gestaltet sich komplizierter als bei anderen Reihen, den die Handlungsstränge des Manga springen zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und folgen dabei nicht unbedingt einer stringenten Reihenfolge. Außerdem existieren verschiedene Übersetzungen, die die politischen Gegebenheiten jeweils unterschiedlich auslegen, weshalb ich es bisher immer noch nicht geschafft habe, mir wirklich darüber klar zu werden, welche Nation in Maiden Rose gegen welches Land Krieg führt und warum. Ich werde aber mein Bestes geben, um euch die Kernpunkte des Manga in der Inhaltsangabe verständlich zu machen und die wesentlichen Grundlagen darzustellen, die ich mir aus den Übersetzungen hergeleitet habe.

Los gehts: Maiden Rose spielt in einer fiktiven Welt, die allerdings – was militärische Ausstattung, den zentralen Konflikt und den Kleidungsstil der Figuren anbelangt – spezifische Parallelen zur Phase des zweiten Weltkriegs aufweist, wenngleich die Handlung im (fiktiven) Jahr 1928 einsetzt. Taki Reizen, ein junger Mann Anfang 20, ist Lord Kommandant (ja, ich weiß, den selben Titel trägt Jon Schnee, aber mir erschließt sich keine adäquatere Übersetzung) der 15. Division Maiden Rose, welche für die Unabhängigkeit von Takis Land im großen Krieg zwischen Eurote und den Western Nations kämpft. Ihn unterstützt sein Knight Klaus von Wolfstadt, der sein Land – die Western Nations – verraten hat und nun an der Seite der kaiserlichen Familie steht. Klaus schützt seinen Master nicht nur gegen jedwede Bedrohung, sondern führt im Geheimen auch Operationen für diesen aus. Ich denke, man kann ihn als Ein-Mann-Garde und Leibwächter von Lord Reizen bezeichnen. Klaus stammt selbst aus einer Adelsfamilie und besuchte als junger Mann gemeinsam mit seinem Vater und seiner Schwester Takis Land, wohin sein Vater freundschaftliche Verbindungen pflegte. In Dheedene, Takis Geburtsland, trifft Klaus kurz vor dessen Krönungszeremonie zum ersten Mal auf den zukünftigen Kommandanten, der zu diesem Zeitpunkt noch ein kleiner Junge ist, jedoch bereits von faszinierender Schönheit. Als Klaus den jungen Lord Reizen hinauf zu einem Baum mit überwältigender Blütenpracht hebt und ihm so dabei hilft, diese Blumen zu pflücken, fragt Taki ihn, ob Klaus sein Knight werden möchte. Die Wege der beiden trennen sich jedoch zunächst wieder. Einige Jahre später verlässt Taki sein Land Dheedene und verpflichtet sich als Austauschkadett in den Western Nations an der Militärakademie Luckenwalde. Dort soll er den Umgang mit Panzern lernen und seine weitere militärische Ausbildung absolvieren. Klaus wird – zunächst als Spion für die Western Nations – gebeten, sich dem jungen Lord freundschaftlich zu nähern und dessen Vertrauen zu gewinnen, um mehr über die militärischen und politischen Vorhaben von Eurote zu erfahren, mit dem Takis Land verbündet ist. Nach und nach wandelt sich Klaus anfänglicher Widerwille gegen diesen Auftrag in eine starke Faszination und schließlich Liebe für Taki, und als dieser nach Kriegsausbruch die Western Nations verlassen muss, die seinem Land und Eurote nun als Feind gegenüberstehen, erfüllt Klaus die Bitte des jungen Lords, die dieser vor vielen Jahren unter dem japanischen Blauregenbaum an ihn gerichtet hatte: Klaus kehrt seinem Land den Rücke, gibt alle Privilegien und seine Staatszugehörigkeit auf und verlässt sogar seine Schwester, um in Dheedene als Knight an Takis Seite zu bleiben. Obwohl die beiden Männer bereits in Luckenwalde das erste Mal sexuell miteinander verkehrt haben und auch Taki Klaus zu lieben scheint, begeht der neue Lord Kommandant einen fatalen Fehler: Er verschweigt seinem künftigen Knight, dass diese Art der Beziehung in Dheedene nicht nur keinen Fortbestand haben darf, sondern sogar mit dem Tod bestraft würde. Taki ist als Neffe des Kaisers und Angehöriger des Shinka-Clans die „Blume des Herrschers“ und nicht nur im metaphorischen Sinne die jungfräuliche Rose (Maiden Rose), sondern dies auch in konkret physischer Hinsicht: Mitglieder des Shinka-Clans müssen ihr ganzes Leben lang rein und unberührt bleiben. Sie müssen enthaltsam leben und sowohl Hochzeit als auch Alkohol, Fleisch und Sex sind ihnen untersagt. Von den Soldaten wird Taki als auf die Erde gesandte Gottheit betrachtet, die niemals beschmutzt werden darf, wenn ihre Integrität erhalten bleiben soll. Käme Takis tatsächliche Beziehung zu Klaus ans Licht, würden nicht nur er und sein Knight das Leben verlieren, sondern die militärische Instanz in Maiden Rose zerbräche unwiderruflich. Klaus, der von dieser uralten Tradition und der Kultur seiner neuen Heimat zunächst keinen blassen Schimmer hat, fühlt sich von Taki, dem er sein Leben verschrieben hat, brutal zurückgewiesen und drängt sich diesem mit physischer Gewalt auf. Wird die Liebe der beiden Männer nicht nur dem Krieg, sondern auch jahrtausenden alten Traditionen trotzen können?

Artwork / Gestaltung:

Fusanosuke Inariya ist meine persönliche Gottheit unter den Mangaka. Ich habe bisher keinen Manga gelesen, bei dem mich Artwork und Story so überwältigt haben, dass ich die Bände von der ersten Seite an nicht mehr aus der Hand legen konnte. Das will etwas heißen, denn in der Regel lese ich eher ungern englische Manga und nur dann, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt. Ich fürchte, hier haben drei Jahre Deutsch LK und fünfeinhalb Jahre Germanistikstudium eindeutig ihre Spuren hinterlassen und mein Englisch ist während dieser Zeitspanne ziemlich eingerostet. Ich habe in einer Online-Vorschau zufällig in den Manga reingelesen, weil ich das Cover fantastisch fand, und wusste trotz meiner Englisch-Antipathie auf der Stelle: Egal wie viel Schweiß und Mühe es dich kosten wird, den musst du haben und lesen! Aufgrund des Settings verlangen die beiden Bände vom Leser leider auch etwas Militär-Vokabular, wo ich mich wirklich durchbeißen musste, aber nach einigen Abenden mit Wörterbuch und Wikipedia auf der Couch war es vollbracht und ich hatte den Manga nicht bloß gelesen, sondern auch verstanden. Das klingt wahrscheinlich nach sehr viel Arbeit und sehr wenig Spaß, aber ich kann euch trotzdem beruhigen: Wenn so ein Englisch-Legastheniker wie ich Maiden Rose lesen kann, dann schafft ihr das sicher auch! Außerdem entlohnen die Geschichte und die tollen Zeichnungen wirklich für jede Minute Mühe, die man in die Lektüre steckt.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die richtigen Worte finden werde, um den Zeichenstil der Mangaka annähernd angemessen zu beschreiben, aber versuchen will ich es trotzdem. Fusanosuke Inariyas Zeichenstil ist sehr eigenwillig und besonders Klaus ist wohl der maskulinste aller maskulinen Seme, aber nichtsdestotrotz sind gerade die Figuren von berauschender Schönheit. Der Zeichenstil ist sehr detailliert und graphisch und weit von jeder Skizzenhaftigkeit entfernt, die man aus vielen anderen Manga kennt. Durch die vielen Action- und Kriegsszenen sind zugleich unheimlich viel Dynamik und Bewegung in den Bildern. Trotz dieser für einen Manga schwierigen Ausgangssituation werden die Zeichnungen durch übersichtliche und gekonnt gesetzte Panele niemals unübersichtlich oder wirken gar überladen. Ein Kunststück, das hier in Vollendung vollbracht wurde. Die detaillierten Hintergründe wechseln sich in einem ausgewogenen Verhältnis mit ausdrucksstarken Porträtzeichnungen ab. Besondere Liebe zum Detail offenbart sich dem Leser, wenn man die Uniformen und Waffen näher betrachtet, die im Manga fast ausschließlich als Kleidungs- und Ausrüstungsgegenstände getragen werden. Ich bin so wenig ein Experte für historische Militärbekleidung, wie man sich ihn nur vorstellen kann, aber selbst mir war nach einer kurzen Suche bei Google klar, dass die Uniformen in Maiden Rose in vielen faszinierenden Details den Uniformen der Deutschen im zweiten Weltkrieg entsprechen. Wer Interesse und Spaß an solchen Recherchen hat, wird hier sicherlich seine Freude dran finden. Die Stimmung der Zeichnungen wird in Teilen mit sehr kreativen Hintergrundschattierungen unterstützt, wie ich sie so noch nicht gesehen habe. Es gibt zum Beispiel eine Szene während eines Einsatzes, in der für Taki ungewiss ist, was mit Klaus geschehen ist. Die Mangaka setzt in dieser Situation alleine Takis Figur und sein Funkgerät in ein Panel, dass ansonsten vollkommen mit statischem Hintergrundrauschen gefüllt ist (wie man es von alten Röhrenfernsehern kennt). Damit wird nicht nur ausgedrückt, dass Takis Funkgerät kein Signal mehr empfängt, sondern auch, dass in Takis Kopf eine eben solche rauschende Leere herrscht. Diese schraffierten Hintergründe, die in vielen Szenen eingesetzt werden, in denen ein spezifisches Gefühl das Handeln der Figuren bestimmt oder eine bestimmte Atmosphäre beim Leser erzeugt werden soll, finden sich an vielen Stellen des Manga und lassen die Dynamik einiger Zeichnungen noch stärker in den Vordergrund treten.

Sehr gelungen ist zusätzlich der Einsatz von Panelen, die nur Takis oder Klaus Augen- beziehungsweise Mundpartie oder andere Details des Körpers abbilden. Manchmal sind es einzelne Panele, manchmal ganze Reihen von Detailstudien, die die Aufmerksamkeit des Lesers extrem auf eine emotionale Stimmung der Figur fokussieren, zum Beispiel Klaus Entsetzen, als er den Grund für Takis abweisendes Verhalten herausfindet, oder Takis verbissene Selbstbeherrschung, mit der er versucht seine Gefühle vor Klaus und seinem Umfeld zu verbergen. Am besten gefallen mir die Ausschnitte, die Takis und Klaus Augen abbilden. Der Mangaka gelingen Zeichnungen von so intensiven Blicken, dass es mich manchmal am ganzen Körper geschaudert hat. Überhaupt ist es herausragend, mit welch reduzierter und leichter und doch klarer und präziser Strichführung die Autorin die einzelnen Figuren gestaltet. Ich würde behaupten, dass Fusanosuke Inariya über den mit am ausgereiftesten Zeichenstil in der japanischen Mangaszene verfügt. Jede Perspektive und jede Proportion sind bis zur Vollendung gelungen und durchdacht und ich habe nicht eine einzige Stelle des Artworks gefunden, an der mich etwas irritiert hat (aaaaaußer vielleicht der Umstand, dass Klaus, entsprechend seiner Körperstatur, untenrum eeextrem gut und eventuell etwas überdimensioniert gebaut ist… Na, ihr wisst schon, was ich meine *hrhrhr*). Dabei würde ich behaupten, dass ich relativ anspruchsvoll bin, was den Zeichenstil in Manga anbelangt. In Form von Taki und Klaus werden in Maiden Rose zwei ethnische Gruppen geschaffen, die ganz klar den Kontrast zwischen den beiden Nationen Eastern Country (hierzu zählen auch Eurote und Dheedene) und Western Nation symbolisieren: Auf der einen Seite – nennen wir ihn jetzt mal so – der Klaus-Typus, der groß, blond und teilweise extrem muskulös ist und über den charakteristisch bereiten Mund und die kantigen Gesichtszüge verfügt, die Klaus so unverkennbar machen. Auf der anderen Seite Figuren vom Schlag Taki Reizens, die dunkles Haar, Obsidian-Augen und feine Gesichtszüge haben und körperlich sehr zart, klein und zierlich gebaut sind (Uke- und Seme-Klischees lassen grüßen *hehehe*). Je gefährlicher ein Charakter aus dem eigenen Land für die beiden Protagonisten wird, desto näher kommt er optisch an Taki oder Klaus heran, die beide von einer jeweils ganz eigenen und herausragenden Schönheit sind. Takis edle Herkunft und Klaus zuweilen vorhandene Grobschlächtigkeit finden ihre Entsprechung ebenfalls in Körperbau und Kleidungsstil. Während Taki von einer Aura von Anmut und Vollkommenheit umweht wird (zierlicher und femininer Körperbau und sein wehendes Uniformcape), zeichnet sich Klaus durch Kraft und körperliche sowie mentale Stärke aus (sein breiter Mund, die extrem ausgeprägte Muskulatur und seine grobe und oft nachlässig getragene oder zerrissene Kleidung). Optisch sind die beiden Charaktere daher wie Tag und Nacht. Der dunkle und feminine Taki steht dem blonden und maskulinen Klaus konträr gegenüber und alleine hierdurch wird die Unmöglichkeit ihrer Beziehung symbolisiert. Sehr niedlich sind in diesem Kontext die Sidestories, die die Autorin veröffentlicht hat und die man im Netz finden kann. Klaus wird hier als Wolf und Taki als Katze dargestellt, was den Charakter der beiden Figuren tatsächlich treffend visualisiert (mehr hierzu im Abschnitt „Figuren).

Eindrücklich am Artwork finde ich insgesamt, dass eine kleine Geste in einer Zeichnung Rückblenden oder Übergänge einleiten kann und man diesen Manga nicht nur aufmerksam lesen, sondern ebenso aufmerksam betrachten muss, wenn man die Gefühle und Vorgänge verstehen will. Manches übersieht man in anderen Fällen sehr leicht und versteht dann nicht, dass zum Beispiel ein kurzes Erinnerungsbild von Klaus eingefügt wurde oder warum er in dieser Situation auf einmal so aggressiv reagiert. Wenn ihr den Mange lest, werdet ihr verstehen, was ich meine. Teilweise sind die Zeichnungen so intensiv mit den Texten verwoben, dass es mich geistig etwas erschöpft hat, diese beiden Darstellungsmedien miteinander zu verknüpfen. Es gibt einige wenige Einzel- oder Doppelseiten, die in ihrer Symbiose Züge eines poetischen Gedichts tragen. Maiden Rose ist auf dieser Ebene eine sehr anspruchsvolle Text-Bild-Kombination, die man erst einmal fassen und verstehen muss. Dies bereitet nicht zuletzt Schwierigkeiten, weil es Anspielungen auf alte japanische Traditionen und militärisches Wissen gibt, die nicht unbedingt zum alltäglichen Wissensfundus gehören und es hat sich ergeben, dass ich einige Begriffe beim Lesen nachlesen musste, um ihre tatsächliche Bedeutung und Symbolkraft verstehen zu können. Das heißt, neben den Actionszenen gibt es auch genügend ruhige und poetische Zeichnungen, die ich lange betrachtet habe, ohne mich an ihnen satt sehen zu können. Besonders für Taki ergriff mich mit der Zeit eine eben solche Faszination, wie sie vielleicht Klaus fühlen muss. Der junge Lord Kommandant strahlt in jeder Zeichnung eine solche Anmut und reine Schönheit aus, dass man tatsächlich das Gefühl bekommt, eine Gottheit vor sich zu haben. Einen gewissen Anteil daran trägt die Art und Weise, wie die Mangaka Licht und Schatten einsetzt. Überwiegend sind die Gesichter und Körper der Figuren in dieser Hinsicht sehr detailliert gestaltet und liegen oft in grauen Schatten, während in poetischen oder Momenten der Erkenntnis die Szenerie in helles Licht getaucht wird und die Gesichter rein weiß erscheinen und sich somit nur noch wenig vom Hintergrund abheben. Hier wird zudem die Anzahl der Panele extrem reduziert, sodass kein Zweifel mehr daran besteht, dass hier gerade etwas Bedeutendes geschieht. Ich denke, an dieser Stelle werde ich einfach die Zeichnungen für sich sprechen lassen.

Handlung / Erotik:

Ebenso komplex wie die politische Situation in Maiden Rose gestaltet sich auch das Verhältnis von Klaus und Taki. Ich werde in diesem und dem folgenden Abschnitt versuchen, beides für euch verständlich zu erklären. Da jedoch zwei englische Übersetzungen existieren, die inhaltlich zum Teil stark voneinander abweichen, kann ich euch keine Garantie geben, dass meine Erläuterungen immer korrekt sind. Ich habe versucht, die beiden Versionen zusammenzufügen und daraus schlüssige Ansätze zu extrahieren, die die Verflechtungen der drei im Krieg kämpfenden Länder auflösen. Ob mir dies gelungen ist, müsst ihr nach der Lektüre des Manga selbst beurteilen. Fangen wir daher mit den ‚trockenen Sachen‘ an und arbeiten uns zu den… feuchten vor (Gott, so etwas darf man auch nur in einer BL-Rezension schreiben *grins*). Im Manga werden drei politische beziehungsweise militärische Parteien eingeführt, die jeweils ihre eigenen Interessen verfolgen: Eurote, die Western Nations und Dheedene (die östlichen Länder werden von Klaus auch als Eastern Countries bezeichnet). Takis Heimatland scheint Dheedene zu sein, das vor langer Zeit – wie viele weitere kleine Eastern Countries, die dem übermächtigen Eurote gegenüberstanden – eine Allianz mit Eurote eingegangen ist und an dessen Seite in der Vergangenheit gegen die Western Nations kämpfte. Zwischen den westlichen Ländern und Eurote herrschte nach diesem Krieg lange Zeit Frieden, der in Form des 100 year treaty / des 100-jährigen Vertrags besiegelt wurde. Im Manga hat Eurote diesen Vertrag gebrochen und die Western Nations angegriffen. Erneut sieht sich im Jahr 1928 der Imperial Era Takis Familie dazu gezwungen, Eurote im Krieg beizustehen. Dieser Umstand bringt Problematiken mit sich, den das Verhältnis zwischen Dheedene und Eurote ist aufgrund eines zweiten Konflikts sehr angespannt, der sich zeitlich nicht präzise definieren lässt: Während des ersten Kriegs gegen die Western Nations, der im Manga als Great War bezeichnet wird, unternahm Eurote den Versuch, über das Meer eine Route gen Richtung der Western Nations zu eröffnen. Dieser Konflikt inkludierte das sogenannte Heilige Land von Takis Ahnen, welches im Manga nun als No Man’s Land betitelt wird und von Eurote übernommen wurde. No Man’s Land meint ein staatsrechtlich herrenloses und von niemandem besiedeltes Gebiet, dass zwischen den Fronten eines Krieges liegt beziehungsweise Gegenstand einer kriegerischen Auseinandersetzung ist. Mit diesem Landstück, dem Ruheort des Urahns der Reizen-Familie, das die Familie an Eurote verlor, ging ein wesentliches kulturelles Gut der Reizens und Dheedenes zu Grunde. Der einstmals blühende Familiensitz mit seinen Ländereien liegt im Manga gegenwärtig brach und gilt in den Eastern Countries als „unreines Land“: Ein Mensch, der No Man’s Land betritt, ist beschmutzt, kann nie wieder in das alltägliche Leben zurückkehren und muss ewig in einer Art jenseitigen Welt wandeln. Dieser Glaube entspringt dem Umstand, dass im No Man’s Land während des Krieges gegen die Western Nations 97 Prozent der Soldaten gefallen sind, die in dieser militärischen Auseinandersetzung ihr Leben ließen. So führen Dheedene und Taki nicht nur einen Krieg gegen die Western Nations, sondern kämpfen in zweiter Instanz auch um die Rückeroberung ihrer Kultur und Traditionen und damit um ihre Unabhängigkeit. Takis Traum ist es, den nun verbotenen Landstrich eines Tages zurückzuerlangen und wieder im Land seiner Ahnen zu leben. Eurote wiederum will diesen strategisch wertvollen Landstrich nicht aufgeben, weshalb sich der zweite Band von Maiden Rose unter anderem auf eine politische Intrige fokussiert, die Eurote gegen Dheedene spinnt: Die politischen und militärischen Machthaber entsenden einen Zug mit hochrangigen Persönlichkeiten an Bord auf einer verbotenen Route mitten durch No Man’s Land. Takis gewaltige Führungspersönlichkeit, die sich immer stärker zu entfalten scheint, ist Eurote ein Dorn im Auge und das Land fürchtet ein unabhängiges und erstarktes Dheedene, weshalb sie darauf hoffen, dass Taki diesen Zug angreifen und Eurote damit einen triftigen Grund liefern wird, Dheedene legitim zu annektieren. Takis Hoffnungen ruhen in dieser Situation einmal mehr auf Klaus Fähigkeiten. Wird der Knight der Reizens es schaffen, das drohende Unheil abzuwenden? Spätestens zu diesem Zeitpunkt solltet ihr euch darüber im Klaren sein, dass Maiden Rose neben BL-Elementen auch einen sehr detaillierten politischen beziehungsweise militärischen Plot inkludiert, in den man sich aufgrund seiner Komplexität erst einmal hineinfinden muss.

Ich finde es faszinierend, dass es der Mangaka gelingt, in dieses Geflecht aus Intrigen, Machtkämpfen und einer brutalen Kriegsrealität noch eine tiefe Liebesbeziehung mit ausreichend expliziten Szenen einzuflechten, ohne dass diese aus der Handlung fallen oder der Leser das Gefühl eines statisch konstruierten und völlig überflüssigen Nebenplots bekommt. Denn Takis Wesen und sein emotionaler Konflikt reflektieren ein wenig die gesamte Handlung des Manga: Durch seine Geburt dazu bestimmt, sein Leben in Enthaltsamkeit zu verbringen, spiegelt sich der Krieg in Maiden Rose ebenso in Takis Herz. Für sein Volk ein von den Göttern geschützter und gesandter Anführer, ein heiliger Mann, ist seine Seele doch bereits von seiner verbotenen Liebe zu Klaus beschmutzt. Der junge Lord wagt sich, ebenso wie es Klaus im zweiten Band tut, in verbotenes Land vor, welches er – einmal erreicht – nie wieder verlassen und in sein alltägliches Leben zurückkehren kann, ohne auf sich die Spuren seiner Unreinheit zu tragen. Hierbei muss man natürlich beachten, dass es sich in dieser Hinsicht um Takis Blick auf seine Beziehung zu Klaus handelt, aber das Schicksal der „kaiserlichen Blume“ scheint eng mit dem von No Man’s Land verknüpft zu sein. Es begibt sich daher, dass in Maiden Rose ein zweiter Krieg ausgetragen wird, und der findet nicht draußen auf dem Schlachtfeld, sondern in Takis Gemächern und zwischen den Bettlaken statt. Wie ich bereits angedeutet habe, hat Klaus sich zum Knight von Taki erheben lassen, ohne dass das junge Oberhaupt der Reizen-Familie den ehemaligen Akademiefreund über die volle Tragweite dieser Entscheidung instruiert hätte. Klaus, der kaum Ahnung von Takis tatsächlichem Status und seiner Kultur zu haben scheint, zeigt sich zu Recht tief verletzt, nachdem Taki ihn in Dheedene so harsch abzuweisen beginnt, obwohl die beiden jungen Männer noch in Luckenwalde das erste Mal miteinander geschlafen haben. Klaus wählt in dieser Situation das einzige Mittel, das ihm bleibt, um Taki körperlich nahe zu sein, wenngleich sich dieser emotional immer weiter von Klaus zu entfernen scheint: Mit purer Gewalt und unter Mobilisation seiner gesamten enormen physischen Kraft zwingt er den Lord Kommandanten zum Geschlechtsverkehr. Dementsprechend brutal gestalten sich viele Sexszenen, die eigentlich reine Vergewaltigungen sind. Das ist der Hauptgrund dafür, dass ich Klaus als Charakter zu Beginn ziemlich abstoßend fand, denn die Hintergründe seines Handelns erschließen sich dem Leser erst nach und nach durch die Rückblenden, die in den Manga eingefügt werden. Langsam kristallisiert sich so auch heraus, dass es Klaus nicht bloß um den Akt an sich geht und darum, seine Bedürfnisse zu befriedigen, sondern vor allem um Macht und den Wunsch, Takis harte Schale zu durchbrechen – ihn emotional zu brechen. Klaus erhofft sich eine Regung ehrlicher Gefühle, wie Taki sie ihm in Dheedene zu keiner Zeit offen zeigt. Wir erinnern uns: Klaus weiß nichts davon, dass offene Liebesbekenntnisse Takis und seinen Tod bedeuten würden oder eine Diffamation, die schlimmer wäre als der Tod. Der Manga thematisiert auf erstaunlich sensible Weise, wie kulturelle Unterschiede einer Liebe zusetzen können, und dies völlig unabhängig vom Geschlecht der Figuren. Ich denke nicht, dass Klaus die rosarote Vorstellung hatte, dass er und Taki als turtelndes Liebespaar durch Dheedene spazieren, doch wie wenig Intimität und Zärtlichkeit Takis Kultur und sein Status in der Realität wirklich zulassen, darauf war der künftige Knight sicherlich nicht vorbereitet. Hinzu kommt die Sprachbarriere. Klaus beherrscht nach halbjährigem Aufenthalt zwar Takis Muttersprache, doch viele Sätze von enormer Bedeutung, die in Luckenwalde oder in der ersten Phase des Aufenthalts in Dheedene gefallen sind, erschließen sich dem Knight erst rückblickend. Klaus kann Takis Abweisungen in keinster Weise nachvollziehen und diese Ungewissheit und der Frust, die sich in ihm anstauen, erzeugen Wut und Hilflosigkeit, die sich in Form sexueller Übergriffe Bahn brechen. Besonders die Bettszenen im ersten Band sind sehr hart und gnadenlos, wenngleich der Leser zumindest zu einem späteren Zeitpunkt einen Einblick in die Zärtlichkeiten erhält, die Taki und Klaus in Luckenwalde in ihrem Zimmer austauschen konnten. Sowohl die harten als auch zarten Szenen haben mich emotional sehr mitgerissen, beide auf ihre eigene Art und Weise. Als Klaus sich erbarmungslos an Taki vergeht und ihn dabei schließlich sogar schwer verletzt, habe ich Takis Schmerz und seine seelischen Qualen beinahe selbst fühlen können. Der junge Lord scheint sich durchaus der Tatsache bewusst zu sein, welch ungeheure emotionale Qualen er Klaus mit seinem abweisenden Verhalten bereitet, doch er weiß ebenso, dass er mit dieser Harschheit nicht nur sich selbst schützt, sondern auch seinen Knight. In einigen unfassbar intensiven Zeichnungen dringen kleine Strahlen durch Takis seelischen Panzer nach außen, die offenbaren, wie sehr er sich selbst für sein Verhalten hasst.

Figuren:

Der Manga ruht auf zwei Fundamenten: Einmal der Entwicklung der Beziehung zwischen Taki und Klaus und zum Anderen auf den Kriegsereignissen. Letztere habe ich bis zu diesem Punkt, denke ich, zur Genüge erläutert. Deshalb möchte ich mich im Folgenden noch einmal auf die Figuren und deren Charakter und Beziehung konzentrieren. Wie bereits angedeutet, entsprechen Taki und Klaus optisch dem typischen Uke-Seme-Schema. Wobei Klaus hier als Seme noch einmal ganz andere Maßstäbe setzt und in Punkto Körperstatur sogar Ryuichi Asami übertrift. Aber diesen Umstand könnt ihr ja ganz eindeutig den Zeichnungen entnehmen. Das Charakterdesign folgt diesen visuellen Stereotypen, die in Maiden Rose zudem auch eine ethnische Funktion erfüllen, jedoch nicht. Klaus und Taki sind – beide auf ihre eigene Art und Weise – charakterlich sehr starke Männer, und besonders Klaus scheint in Taki den Partner gefunden zu haben, der ihm vom Schicksal vorherbestimmt war. Zugegeben, solche Formulierungen klingen immer platt und plump, aber ich weiß nicht, wie ich den roten Faden sonst beschreiben soll, der sich durch Klaus gesamtes Leben zu ziehen scheint, bis hin zu dem Punkt, an dem er Taki nach Dheedene folgt. Durch den vollständigen Manga zieht sich das Motiv der Rose, die zu jeder Zeit Takis Existenz symbolisieren soll. Klaus entstammt einer adeligen Familie, die sich unter anderem der Rosenzucht verschrieben zu haben scheint. Klaus Schwester stellt aus den schönsten Rosen Tee und Marmelade her und der Großvater der beiden Kinder erzählt ihnen zu Beginn des zweiten Bands eine rätselhafte Geschichte: Die Hälfte ihres Wesens sei vom Duft der Rose bestimmt und Klaus sei es vielleicht als erstem Familienmitglied der von Wolfstadts vorherbestimmt, die eine und einzig wahre Rose zu finden. Solle dies geschehen, müsse er sie festhalten und konservieren, bevor sie welke. Das Blumenmotiv ist eben deshalb jenes, welches Klaus erste Begegnung mit Taki einrahmt: Er trifft den jungen Lord kurz vor seiner Krönung unter dem japanischen Blauregenbaum. Dieses augenscheinlich zufällige Treffen entpuppt sich in Luckenwalde als schicksalhaftes, wo Klaus und Taki sich erneut begegnen und zumindest Klaus zu Beginn nicht weiß, dass Taki Reizen der Junge ist, dessen Krönungszeremonie er 1918 sah. Nach ihrem ersten Kuss stellt Klaus Taki jedoch die rhetorische Frage, ob sie sich wirklich zufällig in Luckenwalde getroffen haben oder ob dies geschehen sei, weil es Takis Wunsch war.

Taki ist eine sehr unnahbare und unfassbar stolze Figur, die aus diesem Grund schnell verletzt werden kann und von der der bodenständige und eher simpel gestrickte Klaus zunächst nicht weiß, wie er sie behandeln soll. Nach außen wirkt der junge Lord Reizen arrogant und hat in Luckenwalde deshalb keinen leichten Stand. Doch im Laufe der Zeit, in der sich die beiden ein gemeinsames Zimmer in der Luckenwalder Akademie teilen, entwickelt sich eine zarte Liebe zwischen den beiden Kadetten und Klaus erkennt in Takis Stolz eine tiefe Liebe zu seinem Land und seinem Volk. Takis Kampfgeist, seine Eigensinnigkeit und seine Entschlossenheit sind es, die Klaus schließlich in dessen Bann ziehen. Teilweise ist es wirklich rührend anzusehen, wie der schmächtige und zierliche Taki alle Hürden alleine aufgrund seiner Willenskraft zu überwinden scheint. Es gibt eine wahnsinnig amüsante und niedliche Szene, in der Taki etwa zehn Kameraden, die ihn gekränkt haben, mit einem Wischmopp ‚erlegt‘, während Klaus staunend daneben steht. Da dieser zentrale Charakterzug auch Klaus auszeichnet, findet sich in diesem eine Übereinstimmung, die die beiden Männer fest zusammenschweißt. Wie viel die beiden wirklich füreinander empfinden, offenbart sich aber erst in einer Szene, in der Klaus erfährt, dass Taki aufgrund des Kriegsausbruchs in sein Land zurückkehren muss, denn fortan steht er Klaus als Feind gegenüber. Völlig aufgelöst trifft Klaus den jungen Lord im strömenden Regen unter einem Baum an, der jenem Baum ähnelt, der das erste Treffen der beiden rahmte. Er bittet Taki darum, mit ihm zu kommen und zu leben, doch Taki entscheidet sich gegen Klaus und für sein Volk, dem er im Krieg beistehen und das er beschützen möchte, selbst dann, wenn er selbst den Tod dabei finden sollte. Ich denke, dies ist der Moment, in dem Klaus beschließt, Taki zu folgen und sein Knight zu werden. Taki, der seine Gefühle wiederum gut zu verbergen weiß, ist wahrscheinlich mit dieser vagen Intention nach Luckenwalde gekommen, doch dies ist nur eine Vermutung von Seiten meiner. In der selben Nacht, nachdem er mit Taki geschlafen hat, sucht Klaus seine Schwester auf und sagt ihr Lebewohl. Diese Szene hat mich umgehauen, den hier erkennt man zum ersten Mal die tatsächliche Tiefe von Klaus Gefühlen. Er offenbart seiner Schwester, dass es einen jungen Mann gibt, dem er so ergeben und verfallen ist, dass er sein ganzes Leben hinter sich lassen und völlig ihm gehören will. An diesen Abschied knüpft sich die Eingangsszene des ersten Bandes, in der Taki mit Schrecken erkennt, wie weit Klaus bereit ist zu gehen, um an seiner Seite bleiben zu können. Taki begeht hier den Fehler und nimmt die Darbietung seines Kameraden an, ohne ihm zu sagen, dass Knight der Reizen-Familie zu sein gerade für Klaus mehr bedeutet als sein Land, seine Privilegien und sein ganzes bisheriges Sein zurückzulassen und fortan der Besitz seines Masters zu werden. Es meint in Klaus Fall auch, dass er sich Taki nun nicht mehr in der Art und Weise nähern darf, die in Luckenwalde noch so sorglos möglich war. Mein Herz ist fast zerbrochen, als Klaus während der Zeremonie Takis Gewand mit den Worten küsst „Jetzt können wir für immer zusammen sein“, während um ihn herum entsetzte Gesichter zeigen, dass Klaus mit dieser Handlung einen schweren Verstoß gegen die Etikette begangen hat.

Fortan verkehrt sich die Beziehung der beiden Figuren ins Negative, denn beide sind scheinbar zu stolz, um mit dem anderen ein offenes Gespräch zu suchen. Worte sind sowieso nicht Klaus Stärke und so sucht dieser als Mittel die körperliche Gewalt, während Taki Klaus seelischen Schmerz erträgt und innerlich beinahe daran zerbrechen muss, dass er den so geliebten Mann aus egoistischen Gründen in diese Situation gebracht hat, denn Klaus zurücklassen, das konnte Taki ganz offensichtlich nicht. Während Klaus fortwährend an Takis Liebe zweifelt und voller Schmerz mit ansehen muss, wie Taki um gefallene Soldaten trauert, ihm selbst aber keinerlei Regung mehr entgegen zu bringen scheint, verstricken die beiden Soldaten sich in einem Teufelskreis, der schließlich durchbrochen wird, nachdem der Arzt, der Taki nach der schweren und von Klaus während des Sex zugefügten Verletzung behandelt, Klaus Takis wahren Stand offenbart. Klaus kann eine entscheidende Äußerung Takis aus der Vergangenheit nun mit seinem Verhalten in der Gegenwart in Verbindung bringen und erkennt endlich Takis Zerissenheit: Auf der einen Seite liebt er Klaus aufrichtig, auf der anderen Seite darf er diese Liebe jedoch aus zwei Gründen nicht zulassen – einmal, um Klaus zu schützen, aber zum anderen ist der Glaube an eben jene Unreinheit, die Teil seiner Kultur ist, auch in Taki verwurzelt, sodass er wahrscheinlich beides gleichzeitig tut – Klaus lieben und sich selbst dafür hassen. Klaus Schmerz und seinen Selbsthass kann man in dieser Szene förmlich spüren. Trotz der Tatsache, dass Taki seine Liebe nicht offen zur Schau stellen darf und Klaus ihn bereits so oft körperlich und seelisch verletzt hat, drückt sich Takis Zuneigung doch in einer unumstößlichen Loyalität gegenüber seinem Knight aus. Gewisse Grenzen, die er eigentlich nicht missachten darf, überschreitet Taki ohne Nachdenken, sobald Klaus Gesundheit oder Leben auf dem Spiel stehen. Dazu gehört zum Beispiel, dass er Klaus selbst pflegt und berührt, wenn dieser verletzt ist. Ganz langsam beginnt Klaus die Traditionen ins Takis Land zu verstehen und die beiden Figuren schaffen es, ihre innige Beziehung auf der emotionalen Ebene wieder zu vertiefen. Denn am Ende wird ganz deutlich, dass Taki – im übertragenen Sinn – nicht nur die eine wahre Rose ist, von der Klaus Großvater sprach, sondern Klaus in Takis Existenz eine Heimat findet. Mit dem Duft von Rosen aufgewachsen, sodass diese einen Teil seines Wesens prägen, scheint Taki für Klaus beständig von eben diesem Duft umweht zu sein, der ihn an sein Elternhaus und die Schwester erinnert. Die Rose symbolisiert in Maiden Rose sowohl Klaus Liebe zu dem jungen Lord Reizen als auch den Umstand, dass Taki der Mensch ist, der Klaus vom Schicksal als Dreh- und Angelpunkt seines weiteren Lebens vorherbestimmt war. Taki Reizen ist die eine Rose von überwältigender Schönheit, deren Schutz und Pflege Klaus fortan seine gesamte Existenz verpflichtet. Dieses Symbolbild fand ich so wunderschön, dass ich am Ende dieses Mangas tatsächlich weinen musste.

Fazit:

Maiden Rose ist ein Manga, den ich ohne Bedenken auch jedem Nicht-BL-Leser empfehlen würde, der gerne anspruchsvolle Reihen mit komplexer politischer und emotionaler Tiefe liest und nicht vor fiktiven historischen oder militärischen Themenkomplexen zurückschreckt. Bei den erotischen Szenen (insofern man Vergewaltigungen erotisch nennen mag) handelt es sich nicht um typische weichgespülte BL-Sexszenen, sondern sie referieren sowohl auf den äußeren als auch auf den emotionalen inneren Konflikt, in den sich die beiden Protagonisten verstrickt haben. Darüber hinaus bietet der Mange eine große Bandbreite an Zeichnungen und Texten. Mit dem Artwork wird eine ausgewogene Mischung aus actionreichen und dynamischen sowie poetischen und melancholischen Zeichnungen kreiert, die in der Szene ihresgleichen suchen. Dabei werden die Text- auf engste Weise mit den Bildelementen verwoben, sodass verschiedene komplexe Ebenen realisiert werden, die zu durchdringen und zu interpretieren eine Freude ist, zumal viele Aspekte auf historische Begebenheiten oder japanische Traditionen verweisen. Das einzige wirkliche Manko dieses Manga – er wird wahrscheinlich nie abgeschlossen werden. Im Internet kursieren verschiedene Angaben zu den Gründen, von Krankheit bis hin zu Schreib- beziehungsweise Zeichenblockaden der Mangaka, aber eine offizielle Stellungnahme habe ich nicht gefunden. Der Hauptgrund dafür, dass der Manga nicht beendet werden konnte, ist wohl, dass das Magazin, das Maiden Rose als Fortsetzung publiziert hat (Aqua Comic), eingestellt wurde. Ich kann euch aber insofern beruhigen, als dass der zweite Band durchaus einen in sich abgeschlossenen Handlungsstrang anbietet, wenngleich man natürlich erkennen kann, dass Takis und Klaus gemeinsame Reise an diesem Punkt noch lange nicht beendet ist. Ich habe bittere Tränen geweint, als ich gelesen habe, dass es allem Anschein nach mit der Reihe nie weitergehen wird. Man sollte zudem ein einigermaßen gutes Englisch beherrschen, denn es gibt bisher keine deutschsprachige Veröffentlichung und der Militärjargon erweist sich in Phasen doch als etwas sperrig. Diese ganzen Mühen und Entbehrungen ist der Manga aber Wert und ich verspreche euch, wenn ihr ihn gelesen habt, wird euer Leben nicht mehr so sein wie zuvor *zwinker*.

Jaa mata ne, eure Amaya!


2 Kommentare

Andy · 20. Dezember 2018 um 21:50

Wow toller Artikel, so habe ich das noch garnicht gesehen! Viele Grüße aus Berlin!

    Amaya · 24. Dezember 2018 um 12:39

    Hallo Andy,

    vielen Dank für das Kompliment! Ich freue mich immer, wenn jemand neue Interpretationen in meinen Beiträgen entdeckt.

    Merīkurisumasu
    Amaya

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