Titel: In these words

Genre: Boys‘ Love, Thriller, Psychological, Violence, Drama, Adult, Smut

Zeichnungen / Story: TogaQ / Kichiku Neko

Bände: 3 / fortlaufend

Verlag: TOKYOPOP (Band 1 und Band 2), ab Band 3 altraverse (inkl. Neuauflage der ersten beiden Bände)

Erscheinungsjahr des 1. Bandes: 2013

Erotische Szenen: ❤❤❤

altraverse hat allen Fans hier eine Leseprobe zur Verfügung gestellt.

Ich denke, an dieser Stelle muss ich mir (und euch) einmal etwas eingestehen: Ich bin ein arbeitender Mensch mit einer Vollzeitstelle, einem Privatleben und sozialen Kontakten, der hin und wieder auch mal Schlaf benötigt *zwinker*. Es fällt mir in manchen Wochen wirklich sehr schwer, ausreichend Zeit und Kraft für einen neuen Beitrag auf dieser Seite zu finden, weshalb ich mein ehrgeiziges Ziel, eine Rezension pro Woche zu schreiben, auf Dauer leider doch nicht realisieren kann. Ihr müsst keine Angst haben, ich werde nicht mit dem Schreiben aufhören, aber ich fürchte, in Zukunft müssen wir uns (glaubt mir, mir fällt das genau so schwer, denn ich liebe die Arbeit an meinem Blog) mit ein bis zwei Beiträgen im Monat arrangieren. Es sei denn, es findet sich vielleicht eine / einer von euch, die / der Lust dazu hat, mich beim Schreiben zu supporten…? Wenn da draußen jemand vor seinem PC sitzt und sich in diesem Moment spontan denkt, dass er Lust hätte, hin und wieder einen Beitrag für diese Seite zu schreiben, dann würde ich mich unfassbar über Unterstützung freuen! Ich bin auch nicht anspruchsvoll. Ihr könntet die Manga-Auswahl und die Länge sowie den Stil eurer Beiträge selbst bestimmen. Es gibt für diesen Blog eine E-Mail-Adresse im Impressum, über die ihr mich gerne kontaktieren könnt. Es muss auch niemand Angst davor haben mich anzuschreiben, ich bin, denke ich, ein wirklich sehr nettes Mädchen mit einem vielleicht klitzekleinen, aber sehr liebenswerten Knall!

Gut, so viel zu meinem heutigen Aufruf. Jetzt Schluss mit dem Gejammer und her mit dem Leckerbissen, den ich für euch vorbereitet habe. Ich denke, viele von euch werden bereits beim Anblick des Titelbildes begeistert zu sabbern begonnen haben, denn In These Words, von dem vor einigen Tagen der dritte Band erschienen ist, ist aktuell der BL-Manga-Hit schlechthin. Von dem, was ich bisher so im Internet mitbekommen habe, fahren viele auf den Manga noch mehr ab als auf Ten Count. Ich zähle mich selbst übrigens eindeutig dazu! Das ist ziemlich ungewöhnlich, da es sich bei dem Werk des Künstlerduos TogaQ und Kichiku Neko (trotz ihrer Künstlernamen) um keinen japanischen Manga handelt. Die beiden Mangaka publizieren, so weit ich recht informiert bin, ihre Werke auf Englisch und Chinesisch haben ihre Basis in den USA. Ich bin auf die Reihe aufmerksam geworden, weil ich die Cover-Artworks der ersten beiden Bände sehr außergewöhnlich fand und sie von dem abwichen, was man in der Regel von den japanischen Werken gewöhnt ist. Der Zeichenstil ist sehr erwachsen und realistisch und die kolorierten Bilder erinnern mehr an Gemälde als an Zeichnungen. Nichts deutet im Titel zudem darauf hin, dass es es sich bei In These Words um einen BL-Manga handelt, und wäre nicht der Hinweis auf Amazon gewesen, hätte ich die Reihe vielleicht nicht gekauft. Die Inhaltsangabe, die eine sehr spannende und ebenfalls ungewöhnliche Geschichte versprach, machte mich jedoch vollends neugierig und schließlich landeten die beiden Titel in meinem Bücherregal.

Inhalt:

Ich werde versuchen, die Inhaltsangabe möglichst unverbindlich und knapp zu halten, da der Manga in den einzelnen Bänden jeweils zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her springt und ich eigentlich keine aussagekräftige Zusammenfassung des Inhalts schreiben kann, ohne diejenigen unter euch zu spoilern, die den Manga noch nicht gelesen haben. Da der Manga im zweiten Band eine wirklich überraschende Wende nimmt, werde ich mich an dieser Stelle darauf beschränken, die groben Eckpfeiler der Handlung zu umreißen: Seit vielen Jahren treibt ein Serienmörder sein Unwesen in Tokyo, der es auf junge Männer abgesehen hat und den das Police Department der Hauptstadt einfach nicht zu fassen bekommt. Der Täter beobachtet seine Opfer über eine lange Zeitspanne, entführt sie und tötet diese nach längerer Gefangenschaft und Folter auf grausame Weise. Ein Police Officer wird schließlich darum gebeten, den japanischen Psychologen Katsuya Asano ins Boot zu holen, der bereits in der Vergangenheit als Profiler für das New Yorker Police Department gearbeitet hat. Der junge und attraktive Asano lässt sich auf die Zusammenarbeit mit der Mordkommission ein und arbeitet gemeinsam mit seinem Kollegen an einer Taktik, mit deren Hilfe der Täter endlich überführt werden soll.

Dieser Strang bildet quasi die Grundlage des Manga, von der ausgehend die Fäden der Handlung gesponnen werden. Allerdings wird er erst im zweiten Band offen gelegt. Im ersten Band gelingt es der Polizei augenscheinlich, den Serienmörder Kenji Shinohara festzunehmen. Seine Bedingung für ein Geständnis ist eindeutig: Nur gegenüber Asano will er dieses ablegen! Der Psychologe wird gemeinsam mit dem Täter in einem alten Haus einquartiert, in dem die Verhöre fern der Öffentlichkeit geführt werden sollen. Die ständige räumliche Nähe zum gut aussehenden Shinohara und die Gespräche mit diesem, in denen der labile Täter dem Psychologen seine sexuellen Fantasien offen legt, setzen Asano psychisch jedoch offensichtlich extrem zu. Er wird zunehmen von starken Kopfschmerzen und brutalen Albträumen geplagt, in denen er vergewaltigt und gefoltert wird. Zudem wecken das abgelegene Haus und vor allem Shinohara ein seltsames Gefühl von Vertrautheit in Asano. Ist hier wirklich alles so, wie es scheint? Und was bedeuten seine schrecklichen Träume? Als es Shinohara schließlich gelingt Asanos Kollegen zu beseitigen und den Psychologen in seine Gewalt zu bringen, beginnt eine scheinbar ausweglose Odyssee sexuellen Missbrauchs, in der sich das Blatt im zweiten Band plötzlich wendet.

Artwork / Gestaltung:

Obwohl In These Words ein klassischer Manga sein möchte und inhaltlich auch ist, ist die Reihe vom Stil her doch ganz anders als die japanischen BL-Werke, die einem üblicher Weise in die Hände fallen, und das alleine finde ich verdammt erfrischend. Wenn man mich danach fragen würde, mit welchen Worten ich die Reihe beschriebe, ständen mir nur drei Stück zur Verfügung, dann fiele mir darauf hin ein: ästhetisch, maskulin, erwachsen. Besonders in Bezug auf den Zeichenstil setzten Guilt|Pleasure die Messlatte für Werke dieses Genres enorm hoch, denn das Artwork zeichnet sich vor allem durch einen künstlerisch sehr hohen Anspruch aus. Wir erleben hier, durch welche Merkmale sich ausländische Manga von ihren japanischen Brüdern und Schwestern abgrenzen, und das Beginnt bereits bei den Covern. Vom Grundprinzip richten sich die meisten BL-Manga an ein tendenziell jüngeres Publikum und da die Japaner generell eine Vorliebe für niedliche und fluffige Dinge haben, finden wir in den Titelbildern oft Pastellfarben und weiche Töne, hier und da eine Prise Glitzer und Seifenblasen und primär jüngere Figuren zwischen 14 und 25 Jahren, die häufig feminine Tendenzen in Aussehen und Verhalten aufweisen und rein äußerlich nicht unbedingt als gestandene Kerle eingeordnet werden können *zwinker*.

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber diese finden sich eher in Manga, die an ein etwas älteres Publikum adressiert sind. Selbst den Figuren einer Shoko Hidaka, die zum Beispiel über einen sehr ausgereiften Zeichenstil verfügt und erwachsene Geschichten mit authentischen Charakteren erzählt (beispielsweise Hidden Flower / Hana wa saku ka), sieht man immer noch ihren Comic-Charakter an, das heißt, sie sind auf eine gewisse Weise abstrakt und zweidimensional. Natürlich sind auch die Protagonisten in In These Words entfremdet und nicht wirklich real, aber aufgrund des anspruchsvollen Artworks, welches grundlegend mehr Gemälde als Zeichnung sein möchte, wirken sie optisch wesentlich realistischer und dreidimensionaler als die Figuren in japanischen Manga. Mich würde in diesem Zusammenhang wirklich interessieren, wie lange die Künstlerin an einem einzelnen Panel zeichnet, um solche atemberaubenden Bilder zu schaffen. Dass die bisher erschienenen drei Bände eindeutig für die älteren Leser unter uns gedacht sind, spiegelt sich ebenfalls in den Covern wieder, welche in dunklen Farben und gehalten sind und düstere Motive zeigen. Da ich ein großer Shinohara-Fan bin, gefällt mir das Titelbild des zweiten Bands am besten. Mir gefallen außerdem die Symbolobjekte, die jeder der drei Hauptfiguren zugeordnet werden. Asano, der Psychologe, ist mit einem blutigen Totenschädel abgebildet, dem er sich auf beinahe zärtliche Art nähert. Hierin drückt sich seine Faszination für die Abgründe der menschlichen Seele ebenso aus wie sein Beruf. Shinohara, der nicht der Mann ist, der er zu sein scheint, wird mit einer Maske gezeigt, die er sich vor das Gesicht hält, und der noch namenlose Mann auf dem Cover des dritten Bands hält eine Tarot-Karte in den Händen und wird von Krähenflügeln gerahmt. Während die Krähe sinnbildlich für Tod und Verderben steht, assoziiert man mit Tarot-Karten nicht nur eine seherische Gabe, sondern auch die Kenntnis und damit die Herrschaft über Leben und Tod.

Als ich damals den ersten Band aufgeschlagen habe, bin ich in Anbetracht der Zeichnungen fast vom Sofa gekippt. Ich habe in einem Manga wirklich noch nie ein so realistisches und anspruchsvolles Artwork gesehen, das dabei so gekonnt mit Perspektiven spielt und dessen Reife sich mit der Zeit sogar noch steigert. Sehr ungewöhnlich sind die Zeichenmaterialien, die die Mangaka einsetzt. An einigen Stellen kann man gut erkennen, dass die Figuren mit einer festen schwarzen Tusche und verschieden starken Pinseln gezeichnet sein müssen, deren Verarbeitung mich hin und wieder an verwischte Mascara erinnert hat (komischer Vergleich, ich weiß, aber was solls). Ich bin kein Kunstexperte, aber ich stelle mir die Wahl dieser Utensilien schwierig vor, da man im Zeichenprozess kaum noch eine Möglichkeit der Korrektur hat. Diesem Umstand ist es sicherlich geschuldet, dass die Zeichnungen weniger wie Skizzen und mehr wie kleine schwarz-weiße Ölgemälde wirken. Durch den Einsatz von Tusche entstehen kräftige und dynamische Bilder und Outlines, die die markanten Gesichtszüge und Körperformen der Figuren unterstreichen, ohne dabei an Weichheit und Fluss einzubüßen. Guilt|Pleasure ist schuld daran, dass ich beim Lesen einen kleinen Haarfetisch entwickelt habe, denn die Frisuren der Figuren wirken so weich und seidig, dass ich am liebsten Shinohara dauernd durchs Haar gefahren hätte, wenn er nur ein realer Mann wäre *zwinker*.

Sobald die Redaktion sparsamer mit der Kolorierung der Zeichnungen umgegangen ist, tritt der Charakter der eingesetzten Materialien erst richtig ans Licht und es zeigt sich, dass die Zeichnungen ursprünglich relativ unschattiert gewesen sein müssen. Dem Manga kommt es insgesamt zu Gute, dass die Kolorierung im wesentlichen in Schwarz und nur sehr wenigen Grautönen vorgenommen wurde, denn hierdurch wirken die Bilder ruhiger und der Genuss des Betrachtens wird nicht durch eine farbliche Überladung gemindert. Dafür wurde viel Wert auf die Modellierung der Figuren und der Umgebung durch den Einsatz extrem realistischer Licht-und-Schatten-Verhältnisse gelegt. Dadurch stechen die Gewaltszenen aus dem Geschehen heraus, denn die beinahe vollkommen dunkle und düstere Umgebung, in der Asano und die Opfer des Mörders festgehalten werden, wird mittels dieser Technik stimmungsvoll in Szene gesetzt und verstärkt das Gefühl der Beklemmung, das man beim Lesen bekommt. Wer auch immer die Kolorierung der Zeichnungen vorgenommen hat – dieser Mensch versteht sein Handwerk! Es entsteht hierdurch ein wirkungsvoller optischer Kontrast zwischen den Szenen, die Asanos Gefangenschaft darstellen und denen, die ihn bei seiner Arbeit oder im privaten und häuslichen Rahmen zeigen. Was die Reihe insgesamt so besonders macht, ist, dass sie sich vollkommen auf das Kammerspiel zwischen Asano und Shinohara konzentriert. Dementsprechend gibt es kaum Hintergründe, sondern etwa 90 % des jeweiligen Bands werden von den Zeichnungen der Figuren eingenommen, die aus jeder erdenklichen Perspektive in wundervollen großformatigen Bildern eingefangen werden. An manchen Stellen habe ich bestimmt zehn Minuten damit verbracht, mir einfach nur Shinoharas Gesicht anzuschauen. Klingt pervers, oder *räusper*? Das hört sich jetzt verkehrt und fürchterlich verdreht an, aber noch nie habe ich es so sehr genossen, Gewaltszenen zu betrachten *schwitz*. Selbst in diesen raubt einem das Artwork schlicht den Atem. Wir haben Perspektiven von unten, von oben, von der Seite und weitere ungewöhnliche Darstellungen, die man so eigentlich nur aus Film und Fernsehen kennt. Dadurch wird man nie müde, die Bilder zu betrachten und ich schätze, diese Reihe bräuchte für mich noch nicht einmal Text, damit ich sie mir ansehen würde, selbst wenn sie 100 Bände umfassen würde.

Der Situation entsprechend, wird in den Manga mal mehr und mal weniger Text eingefügt. In den Misshandlungszenen wird naturgemäß wenig bis gar nicht gesprochen, während die Verhördialoge zwischen Shinohara und Asano durchaus textlastig und alles andere als profan sind. Insgesamt hält sich das Verhältnis die Wage, wobei ich behaupten möchte, dass die Szenen mit Text überwiegen. Der Leser wird souverän durch die Dialoge geleitet, die sich durch visuelle Marker immer einwandfrei der entsprechenden Figur zuordnen lassen. Ich möchte an dieser Stelle aber abschließend schon einmal darauf hinweisen und damit dem nächsten Absatz vorgreifen, dass In These Words kein Manga für schwache Nerven und zart besaitete Gemüter ist. Es geht heftig und sehr brutal zur Sache und auch an Blut wird nicht gespart. Zwar räumen der zweite und dritte Band auch einige Seiten für leidenschaftlichen Sex und kleine romantische Gesten ein, aber es überwiegen definitiv Szenen, die Gewalt abbilden. Diesem Umstand passt sich auch die Sprache des Manga an, die hin und wieder vulgär sein kann und viel Schmerz und tiefe Verzweifelung ausdrückt, dies aber durchaus sehr gekonnt und intensiv gestaltet.

Erotische Szenen:

Bevor ich meinen Beitrag überhaupt angefangen hatte, habe ich mich schon auf diesen Abschnitt des Textes gefreut *hust*. Die beiden Hauptfiguren Asano und Shinohara sind einfach so attraktiv, man weiß gar nicht, wohin man bei ihnen zuerst schauen soll. In das markante Gesicht mit dem Schlafzimmerblick? Oder doch lieber zuerst auf den tollen muskulösen Körper (der meiner Meinung nach weniger Anzug und noch mehr Oben-ohne-Szenen verdienen würde, wenngleich die Mangaka hier sowieso schon nicht mit Reizen geizt)? Natürlich sind Asano und Shinohara extrem idealisierte Männerfiguren, aber was solls, man wird ja träumen dürfen – einer der Existenzgründe für Kunst in jeglicher Form. Auf jeden Fall sind die beiden Figuren äußerlich einfach vollkommen. Dem kann ich eigentlich auch nichts mehr hinzufügen. Asano und Shinohara sind lumpenreine Models, aber nicht die von der dünneren und hageren Sorte, sondern die verkappten Unterwäschemodels á la David Beckham oder Chris Hemsworth, die für Calvin Klein über den Laufsteg geschickt werden. Dabei bedienen die beiden völlig unterschiedliche Typen. Asano erweckt mit seiner gestelllosen Brille und den sorgfältig nach hinten gekämmten Haaren das Bild eines klassischen Intellektuellen, während Shinohara mit seinem wilden roten Haarschopf und der legeren Kleidung in der Freizeit eher den Typ des sportlichen und etwas draufgängerischen oder gar gefährlichen Mannes repräsentiert. Ein richtiges Bad Ass. Es sollte also für jede und jeden von uns den passenden Traummann geben *zwinker*. Ich bin eindeutig Team Shinohara, wenngleich ich ihn nicht nur aufgrund seines Typs, sondern auch wegen seiner Persönlichkeit mag. Hm, das klingt jetzt nach einem Klischee, oder? Im Sinne von „Für mich zählen auch die inneren Werte!“ Aber es ist wirklich so. Shinohara sieht nicht nur verdammt gut aus, er ist auch ein – urg, Spoiler, diesen Satz muss ich mir verkneifen *seufz*! Aber spätestens im zweiten Band wird euch unser Serienmörder eiskalt überraschen, ihr werdet sehen *nick*.

Wie bereits gesagt: In These Words ist als Manga auch deshalb so reizvoll, weil wir endlich einmal keine androgynen Jungen- oder Männerfiguren vorfinden, sondern echt Kerle, denen man bei allerhand erotischen Techtelmechteln zusehen darf. Vom Grundprinzip dürfte der Manga wohl das weibliche Pendant einer viel gehegten Männerphantasie abbilden, welche in Filmen wie American Pie oftmals lautet: Einmal zwei heißen Lesben beim Sex zusehen! Nun, die Reihe bietet uns weiblichen Leserinnen genau dies, nur eben in der homosexuellen Variante. Und ich gestehe an dieser Stelle auch gerne ganz offen, dass mich das an einigen Stellen ziemlich angemacht hat, zumal deshalb, weil es nicht die klassische Rolleneinteilung in Uke und Seme gibt. Asano ist definitiv Bottom, aber nur deshalb, weil es wahrscheinlich einfach seine sexuelle Präferenz ist und nicht aus dem Grund heraus, dass er von seinem Partner in diese Position gedrängt wird. Denn ihr könnt mir glauben, wenn ich sage, dass unser Psychologe bei der Partnerwahl ganz genau weiß was er will und im Bett gerne den Ton angibt. Leider muss der Leser erst einmal eine ziemliche Lange Gewaltodyssee überstehen, bevor In These Words die ersten zärtlichen und leidenschaftlichen Töne anschlägt. Der erste Band stellt die Verhöre Shinoharas und Asanos brutale Träume in den Mittelpunkt, die körperliche Misshandlungen und Vergewaltigung zum Inhalt haben. Durch die extrem attraktiven Männerfiguren und die anzüglichen Monologe von Shinohara wird jedoch selbst hier noch eine gewisse Erotik gewahrt, wenngleich diese Art der Darstellung sicherlich nicht jedermann Sache ist und den einen oder anderen unter euch abstoßen mag. Natürlich fließt Blut, aber nur in Maßen und ihr müsst euch (vorläufig) noch keine Sorgen machen, dass irgendwelche Körperteile oder Gliedmaßen abgetrennt werden. Vielmehr bekommt der Leser einen Einblick in die Psyche von Asano und Shinohara und lernt die Denkmuster des mehrfachen Mörders kennen.

Bereits von Beginn an hat mich die Mimik der Figuren fasziniert. Durch die sehr realistischen Zeichnungen wirkt sie sehr real und lebensecht und hat mich an einigen Stellen wirklich berührt und mitgerissen, was ich auf diese Art bisher noch nicht erlebt habe. Authentische Emotionen und Gefühle in den Gesichtern der Figuren wiederzuspiegeln, ist für mich eine der großen Künste beim Zeichnen von Manga und Guilt|Pleasure gelingt dies tatsächlich in Vollendung. Ebenso zielgerichtet und treffend wie die Mimik präsentiert sich die Gestik der Figuren. Man merkt der Reihe sehr deutlich an, dass hier eine Künstlerin Hand angelegt hat, die nicht nur wundervoll zeichnen kann, sondern ebenfalls ein großes Gespür und eine feine Beobachtungsgabe für menschliche nonverbale Kommunikation mitbringt. Bereits bei der ersten Begegnung zwischen Asano und Shinohara genügt ein Blick in dessen Gesicht und die unglaublich intensiven Augen, um erkennen zu können, dass Asano es hier mit einem gewalttätigen Psychopathen zu tun bekommen wird. Das feine Spiel mit Gesten und Blicken macht die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren sehr reizvoll und man spürt förmlich die Spannung, die in der Luft liegt. Ich habe ein wenig mit Asano mitgelitten, den das Gefühl der Vertrautheit mit Shinohara gegen Ende des ersten Bands mehr und mehr aus der Bahn zu werfen beginnt und der mit zunehmendem Entsetzen auf die obszönen Fantasien des Täters und seine Träume reagiert.

Der zweite Band lockert die grausamen Bilder des ersten Manga durch längere Rückblenden und die erste wirkliche Liebesszene zwischen Asano und seinem Partner auf. Mädels, ich kann euch versichern, dass euch hier einiges geboten wird! Der sonst so unterkühlte und reservierte Asano verwandelt sich fern der Arbeit in einen sehr verführerischen, devoten, direkten und leidenschaftlichen Sexualpartner, der seinem Kollegen im Bett die Richtung weist und sich ganz ungeniert das nimmt, was er haben will. Würde man Asano auf den ersten Blick für einen sexuell etwas verklemmten und unsicheren Charakter halten, so zeigt sich spätestens in den erotischen Szenen, dass der Psychologe ganz im Gegenteil eine sehr selbstbewusste Einstellung zu sich und seiner Sexualität hat und bei seinem Kollegen primär eine leidenschaftliche und hemmungslose Affäre sucht (aus der sich jedoch nach und nach mehr entwickelt, was im dritten Band deutlich wird). Obwohl die Sexszenen viel zeigen und nicht zensiert sind, habe ich sie nie als anzüglich oder pornographisch empfunden. Vom Grundton her sind sie sogar sehr zärtlich, mitreißend und hemmungslos leidenschaftlich, was vor allem daran liegt, dass die Mangaka viele kleine Berührungen und Gesten zwischen Asano und seinem Partner einfängt, die normalerweise Paare oder Partner in kitschigen Hollywood-Romanzen austauschen. Als Asano seinem Kollegen plötzlich unvermittelt durch das Haar fährt und die beiden einen langen und tiefen Blick austauschen, der beiderseitiges Einverständnis ausdrückt und die Luft vor sexueller Spannung beinahe knistern lässt – man, hatte ich da Herzrasen *sabber*. Nicht zu sprechen von dem Moment, in dem die beiden unter der Dusche übereinander herfallen. Ganz ehrlich, mir zittern beim Schreiben jetzt noch die Finger!

Der dritte Band startet mit einer ebenso intensiven Szene, wendet sich dann jedoch – nach meinem Geschmack etwas zu schnell – wieder den Gewaltszenen zu, die zeigen, dass es sich bei Asanos vermeintlichen Träumen um reale Erinnerungen handelt. Wenn euch der erste Band in dieser Hinsicht schon nicht zugesagt hat, dann kann ich euch vom dritten Band eigentlich nur abraten. Die physischen und psychischen Verletzungen, die er Täter Asano und einem zweiten Opfer zufügt, sind wirklich nicht auf ein schwaches Nervenkostüm ausgelegt. Es fließen große Mengen Blut und im letzten Drittel, als Asano mit seinen Kräften am Ende und dem Tod nahe ist, da habe ich aufgrund der hier ebenfalls sehr realistischen Darstellung ein ziemlich starkes Gefühl der Beklemmung verspürt. Wer sich im Fernsehen keine Horrorfilme ansehen kann, dem würde ich definitiv auch von In These Words abraten. Mir fällt spontan ehrlich gesagt auch kein Manga ein, der sich in Bezug auf das Brutalitätslevel mit der Reihe um Asano und Shinohara vergleichen ließe. Am ehesten kämen hier vielleicht noch Maiden Rose oder Deadlock heran, aber selbst diese beiden Manga stehen im direkten Vergleich um Einiges zurück. Ja, In These Words ist ein BL-Manga, aber ich würde ihn primär dem Genre Violence zuordnen.

Figuren / Handlung:

Obwohl die psychologische Grundlage, auf der der Charakter des Serienmörders basiert, sehr komplex ist und sich mir ein tieferer Zugang zu diesem Themenbereich aufgrund mangelnder Fachkenntnis verschließt, kann man der Ausgestaltung der Figur jedoch trotzdem sehr gut folgen und sie wirkt authentisch und plausibel. Der Manga überfordert seine Leser nicht mit psychologischem Fachjargon, sondern konzentriert sich in den bisher erschienenen drei Bänden darauf, den Charakter des Serienmörders zu entwickeln. Es mag Asano darum gehen, die Motive des Täters zu verstehen, doch im Wesentlichen wird er von diesem in ein Katz-und-Maus-Spiel verwickelt, in dem die beiden die verborgenen Tiefen der Psyche des jeweiligen Gegenübers ausloten wollen. Asano versucht dies verbal, Shinohara mit Gewalt. Im dritten Band offenbart sich dem Leser langsam, dass der Täter an einem Trauma leiden muss, welches ihm vielleicht bereits in seiner Kindheit zugefügt wurde. Während er den Tod seiner Opfer auf der einen Seite herbeisehnt, fürchtet er sich insbesondere bei Asano vor diesem, da der Psychologe ihn stark an jemanden zu erinnern scheint, den er sehr geliebt hat. Im dritten Band werden einige vage Hinweise darauf eingestreut, dass das Verhalten des Mörders mit seinem Elternhaus zusammenhängen muss, aber einen schlüssigen und vollständigen Erklärungsansatz bekommt der Leser (noch) nicht angeboten. Ich bin wirklich gespannt darauf, wie die psychologischen Entwicklungen im Abschlussband der Reihe (der zum Glück noch nicht in Aussicht ist) aufgelöst werden. Ich denke, es wird uns allen klar sein, dass wir die endgültige Lösung erst im letzten Band erfahren, wenngleich sich in den kommenden Bänden eventuell die Hinweise verdichten werden oder wir sogar Ausschnitte aus dem Leben und der Jugend des Täters zu sehen bekommen. Fest steht jedoch, dass der Mörder ein seelisch tief verletzter Mensch ist, dessen Handlungen wir vielleicht nicht nachvollziehen können, aber in denen wir doch Hass und Verzweifelung und den unfassbar schmerzenden Wunsch nach Liebe spüren. Die Vergangenheit des Täters bleibt allerdings bis hier unergründet und so fällt das Nachvollziehen seiner Taten schwer.

Neben Shinhara kann der Leser Asano recht gut einschätzen. Wie bereits angeführt, ist der Psychologe eine sehr kühle und reservierte und nicht unbedingt sympathische Figur, die anderen Menschen zunächst misstrauisch bis ablehnend begegnet. Es zeigt sich jedoch auch, dass Asano diese Schutzmaske fallen lässt, wenn er einem Menschen vertraut und diesen an sich heran lässt. Dann offenbart er eine andere Seite seiner Persönlichkeit, die durch Willensstärke, Direktheit und eine überraschende Sexiness besticht. Wie eine Femme Fatale versteht Asano es, seine Partner zu verführen (Stichwort Bademantel und nackte Beine unterm Boyfriend-Hemd!) Ebenfalls wird offensichtlich, dass der Psychologe keineswegs so Gefühlskalt ist, wie er erscheinen mag. Das Schicksal der Opfer nimmt ihn in den kurzen Momenten, in denen er seine professionelle Distanz verliert Schmerz und Reue zulässt, doch sehr mit und in diesen Situationen ist es sein Partner und Kollege, der ihm Halt gibt. Die beiden sind im dritten Band wirklich unfassbar süß zusammen anzusehen *schmacht*. Überhaupt möchte ich Asanos Partner an dieser Stelle einmal hervorheben: Er wirkt nach außen wie ein etwas arroganter Schönling mit derbem Humor, der eine gewisse Scheiß-egal-Haltung an den Tag legt und nach seinen eigenen Regeln zu leben scheint. Im Umgang mit Asano und mit Voranschreiten ihrer Beziehung zeigt sich allerdings, dass er der umsorgende und umwerbende Part ist und im Grunde sogar ein richtig netter und sympathischer Kerl, denn man schnell ins Herz schließt. Seine Arbeit nimmt er sehr ernst und ist Asano eine feste Stütze, auf die dieser jederzeit bauen kann. Durch seine Direktheit und aufrichtige Art hat er es mit Asano nicht immer leicht. Der Psychologe hält seinen Polizeikollegen zu Beginn ganz schön auf Distanz und dieser hat seine sichtlichen Mühen damit, Asano zu erobern.

Ich finde es ein wenig schade, dass man bisher so wenig – oder eigentlich gar nichts – über die Vergangenheit der Figuren erfährt. Wer sich im Universum von Guilt|Pleasure ein wenig auskennt, der weiß, dass zum Beispiel Asano eine Beziehung mit einem ehemaligen Polizeikollegen in New York, David Krause, geführt hat. Natürlich gibt es Prequels, die inhaltlich diese Zeitspannen behandeln (der Verlag altraverse veröffentlicht in einigen Wochen beispielsweise die Light Novel Maybe Someday (die Hauptfigur ist Shinohara) und das Prequel New York Minute (hier geht es um Asano und David)), aber ich hätte mich gefreut, wenn wenigstens einige kleine Andeutungen in In These Words Eingang gefunden hätten. Die Figuren sind auch ohne weit zurück greifende Rückblenden in sich schlüssig und man benötigt diese Informationen für die gegenwärtige Handlung nicht (vielleicht würden sie sogar Platz und Gradlinigkeit stehlen), wenngleich man einige Details über die familiären Verhältnisse von Asanos Kollegen erfährt, aber ich bin einfach ein Herzschmerz- und BL-Fan und mich hätte vor allem die Beziehung zwischen Asano und David interessiert (ok, wenn ich ganz fair sein will, muss ich zugeben: Mich hätte die sexuelle Seite dieser Beziehung interessiert *räusper*…). Dass es ein Prequel zu den beiden Figuren geben wird, hat mich aber in dieser Hinsicht befriedigt… Kann man das in einer BL-Rezension so schreiben *hust*?! Letztendlich sind Asano und Shinohara als Figuren schlüssig und stimmig ausgestaltet und die kleinen augenscheinlichen Widersprüche in ihrem Charakter zu ergründen, macht beim Lesen wirklich Freude.

Was man vielleicht noch wissen sollte: Die Handlung des Manga umfasst bisher insgesamt eine Zeitspanne von etwa zwei Jahren, die nicht chronologisch wiedergegeben werden. Der erste Band behandelt die Verhöre von Shinhara und Asanos Träume sowie dessen zweite Entführung (Asano wird insgesamt zwei Mal vom vermeintlichen Mörder entführt), während der zweite Band in zwei Themenschwerpunkte untergliedert wird. Zunächst wird in düsteren Bildern gezeigt, wie Asano von Shinohara gefoltert und festgehalten wird, während sich die zweite Hälfte des Manga mit der Zeitspanne beschäftigt, in der Asano für das Police Department in Tokyo angeworben wird und sich nach und nach in den Fall einarbeitet. Der dritte Band, der Anfang Juli erschienen ist, konzentriert sich schließlich auf den Abschluss der Ermittlungen und die Taktik, die Asano der Mordkommission in Tokyo vorschlägt, um den Täter zu fassen. Die Reihe schließt vorläufig mit der Schilderung der Ereignisse ab, die sich während Asanos erster Entführung zugetragen haben. Das mag jetzt alles etwas verwirrend klingen, aber da ich euch ja nicht den Wendepunkt verraten und die Spannung ruinieren will, musste ich einen entscheidenden Part in Band zwei auslassen, der die ganzen augenscheinlichen Verwirrungen auflöst. So weit können wir aber festhalten, dass die zweite Hälfte des zweiten Bandes und der dritte Band eigentlich Rückblenden sind, während der erste und ein Teil des zweiten Bandes die gegenwärtigen Geschehnisse abbilden. War das so weit verständlich *stöhn*?

Fazit:

In These Words von Guilt|Pleasure ist ein BL-Manga der Extreme. Er ist atemberaubend gezeichnet, extrem erotisch und phasenweise extrem blutig und strotzt vor Gewalt. Dabei verfügt er nicht nur strukturell, sondern auch inhaltlich über eine für einen Manga sehr komplexe Handlung. Durch das erwachsene und mit hohem künstlerischen Anspruch gestaltete Artwork richtet die Reihe sich ganz eindeutig an ein Publikum ab 18 Jahren aufwärts, das Gefallen an homoerotischen Geschichten im Polizeimilieu findet und Wert auf Elemente eines Thrillers oder Horrorfilms legt. Die erotischen Szenen sind sehr explizit und unzensiert, dabei aber von hohem ästhetischen Wert. Hierdurch findet die Gewaltdarstellung eine gewisse Entlastung, wenngleich ich jedoch jedem von euch davon abraten möchte den Manga zu kaufen, wenn ihr vom Gemüt her etwas zarter besaitet seid. Wer sich die Lektüre zutraut, kann den Anblick der zwei attraktivsten Männer im BL-Universum genießen und sich an einer Story erfreuen, die neben Spannung und Erotik psychologische Tiefe und ein extrem ausgefeiltes Charakterdesign bietet. Der Manga wirkt insgesamt wie eine sehr düstere sexuelle Fantasie, die die Frage danach stellt, was körperliche und seelische Extremsituationen mit der Psyche eines Menschen machen. Es geht hier nicht um die Thematisierung von Homosexualität, sondern um die Auslotung menschlicher Abgründe, moralischer Grenzen und ethischer Verantwortung.

Noch ein kleiner Tipp von mir am Rande: Wer von den beiden Mangaka und ihren Werken einfach nicht genug bekommen kann, der sollte unbedingt ihre Website besuchen! http://www.guiltpleasure.com/

Über das Duo TogaQ und Kichiku Neko an sich findet man nicht all zu viele Informationen, aber man hat hier die Möglichkeit weitere Werke der beiden Mangaka direkt zu erwerben, entweder als richtigen Band oder auch als eBook. Die Preise (zwischen 8 und 15 Dollar) sind zwar in Dollar, aber man kann bequem per PayPal bezahlen. Wie ihr mich kennt, werdet ihr es euch wahrscheinlich bereits gedacht haben: Ich habe dort schon zwei Mal einen Einkauf getätigt und die beiden David x Asano-Prequels One of these Nights und First Do No Harm erworben. David kommt bei mir nicht ganz gegen Shinohara an, aber die beiden Männer sind trotzdem ein sehr reizendes und heißes Paar und natürlich mangelt es den beiden Kurzgeschichten nicht an erotischen Szenen. Überrascht hat mich hier der Humor. In These Words ist extrem düster gehalten und dementsprechend erfrischend habe ich die anzüglichen Wortspiele und den trockenen Humor empfunden, den besonders David an den Tag legt. Natürlich gibt es auf der Website auch noch weitere tolle Kurzgeschichten mit anderen Figuren zu entdecken. Die Werke werden im Übrigen bilingual angeboten: Man findet in den Sprechblasen oben den englischen und direkt darunter den chinesischen Text.

Jaa mata ne, eure Amaya!


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