Titel: Highschool Love / Hey, Class President! / Seitokaichou ni Chukoku

Genre: Boys‘ Love, Comedy, Drama, Romance, School Life

Zeichnungen / Story: Kaori Monchi

Bände: 7 / fortlaufend

Verlag: Egmont Manga

Erscheinungsjahr des 1. Bands: 2007

Erotische Szenen: ❤❤❤

Hier findet ihr weitere Infos auf der Website von Egmont Manga.

Bevor ihr anfangt, diesen Beitrag zu lesen, schon einmal vorweg: Das wird eine Liebeserklärung an Monchi-san, Chiga, Kokusai und überhaupt diese Manga-Reihe. Ich liebe sie und ich liebe alles an ihr! Daher herrscht in diesem Beitrag höchste Subjektivität und ich verlasse ausnahmsweise einmal meinen Posten als mega neutrale Rezensentin (als ob – wer kann bei so viel Sex und wallenden Blutmassen schon neutral bleiben…). Wer Highschool Love bereits kennt / gelesen hat und keinen richtigen Gefallen an dem Manga fand, der kann sich diesen Beitrag getrost schenken (oder geht das Risiko ein und lässt sich von meiner Begeisterung mitreißen).

Inhalt:

Chiga und Kokusai gehen auf die selbe Highschool. Kokusai ist dort Schülersprecher, Chiga Vizeschülersprecher. Außerdem trainieren die beiden im selben Judo-Club. Auf dem Weg zur Schule beobachtet Chiga eines Morgens, wie Kokusai in der Bahn sexuell belästigt wird und sich offensichtlich nicht gegen den perversen Fummler zur Wehr setzen kann. Beherzt greift Chiga ein und findet in einem anschließenden Gespräch mit Kokusai heraus, dass dieser sich häufiger mit solchen Situationen konfrontiert sieht. Chiga kann zunächst („zunächst“ sagt schon alles) nicht nachvollziehen, was der männliche Teil der Menschheit am vollkommen gewöhnlich und durchschnittlich wirkenden Kokusai findet. Besagter Trigger ist jedoch schnell identifiziert – Kokusai ist einfach zum Anbeißen naiv und niedlich! Und bevor sich Chiga versieht, hat er sich bereits Hals über Kopf in den schnuckeligen Schülersprecher verliebt. Während einer Verabredung kommt es zum ersten Kuss zwischen den beiden, doch damit fangen die Liebeswirren erst so richtig an, denn aus Angst vor einer Zurückweisung schaffen es die beiden Protagonisten über viele Bände hinweg nicht, sich gegenseitig ihre Liebe zu gestehen. Trotzdem müssen sie von Beginn an viele Schwierigkeiten und Intrigen überwinden, denn Kokusai ist so süß, dass sich schlicht die gesamte Schülerschaft in ihn verliebt zu haben scheint, inklusive eines Mitglieds aus dem Lehrkörper. Das geht so weit, dass ein Stalker in Kokusais Haus eindringt und diesen im Schlaf beinahe vergewaltigt. Chiga hat also alle Hände voll damit zu tun, die aufdringliche Männerwelt vom naiven Kokusai fern zu halten und kämpft dabei nicht nur mit rasender Eifersucht, sondern auch seinem eigenen Temperament, das häufig Anlass für Streitereien zwischen den beiden Verliebten bietet.

Artwork / Gestaltung:

Kaori Monchis Zeichenstil ist markant und sticht aus der Masse heraus. Ich persönlich finde ihn wunderschön, aber gerade aufgrund seiner starken Individualität kann es sein, dass er nicht jeden Leser anspricht. Die Figuren und ihre Gefühle stehen ganz klar im Zentrum des Manga, weshalb es wenige bzw. nur die notwendigsten Hintergrundzeichnungen gibt. Oft sind die Hintergründe angedeutet oder werden durch Bleistiftschattierungen ersetzt. Die Autorin arbeitet generell mit einer gradlinigen und intensiven Strichführung, weshalb selbst die großformatigen Zeichnungen skizzenhaft und wie grobe Entwürfe wirken. Da auf Details weitestgehend verzichtet wird und die Figuren sich primär anhand ihrer Frisuren oder einzelner Charakteristika unterscheiden lassen, gewinnen aber besonders die Gesichter eine sehr reine und pure Schönheit, die es Kaori Monchi ermöglicht, den Fokus ganz auf den Ausdruck von Emotionen zu legen (wozu die Reihe wirklich reichlich Gelegenheit bietet). Manche Seiten wirken aufgrund dessen wie Ausschnitte aus einem Skizzenbuch, was manchmal zu Lasten der Übersichtlichkeit geht und auf den Leser einen etwas chaotischen Eindruck macht. Insgesamt verfügt der Manga aber trotzdem über klar voneinander abgegrenzte Panele. Ins Auge sticht zudem das Text-Bild-Verhältnis. In manchen Szenen finden sich in den Sprech- und Denkblasen größere Textmengen, während in anderen Situationen über viele Seiten so gut wie kein Text auftaucht und überwiegend mit Lautmalerei gearbeitet wird (Onomatopoesie). Die Klangnachahmung ist in Manga generell ein beliebtes Mittel, doch Kaori Monchi setzt diese sehr markant in Szenen, zum Beispiel in fetten schwarzen Lettern, die ein ganzes Panel einnehmen können (vielleicht, damit der Fantasie des Rezipienten kein ‚Sound‘ entgeht). Wobei, zugegeben – beim Sex sind wahrscheinlich auch keine längeren Konversationen erwünscht und es überwiegt die Geräuschkulisse. Ähm, darauf wollen wir jetzt aber nicht näher eingehen, euer Kopfkino erledigt das sicherlich für mich. Außerdem komme ich ansonsten gleich selbst vom Thema ab… Ein witziges und sehr charmantes Detail sind die im Verhältnis recht großen Hände und Füße der Figuren. Chiga nutzt diese besonders ausgiebig (die Hände, versteht sich), um Kokusai zu jeder sich bietenden Gelegenheit zu ‚betatschen‘. In die Cover aller sieben Bände bin ich übrigens regelrecht verschossen, denn die Zeichnungen der Autorin sind in Farbe noch tausendmal schöner als in schwarz-weiß. Die Manga der deutschen Fassung enthalten leider keine Farbseiten, weswegen man sich als Fan der Reihe mit den Covern begnügen muss. Mir gefallen die dezent verpackte Erotik und Zärtlichkeit, die die Titelmotive ausstrahlen und die weichen und pastelligen Farben.

Handlung / Erotik:

Kommen wir jetzt mal zum Kern der Sache, auf den jeder Boys‘ Love-Fan hinfiebert und  – neben den Zeichnungen – am meisten Wert legt: Die Handlung und die Anzahl der Sex-Szenen. Highschool Love ist ein BL-Klassiker und wer in punkto Erotik hier nicht auf seine Kosten kommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Der fünfte und der siebte Band bestehen beispielsweise beinahe ausschließlich aus purem Sex. Neben Hinako Takanaga (Verliebter Tyrann) kenne ich keine Mangaka, die in ihrem Werk die erotischen Szenen in einem solchen Umfang zelebriert. Ich bin allgemein keine besondere Freundin von BL-Manga, in denen die Handlung ohne Sinn, Verstand und Realitätsbezug von einer Bettszene zur nächsten stolpert, aber Kaori Monchi schaffte es, trotz der teilweise ausufernden Erotikszenen, einen Plot zu zaubern, der psychologisch plausibel ist und es geschafft hat, mich zu fesseln. Wobei man freilich einräumen muss, dass unter einem Plot in Highschool Love keine den Weltsinn erörternden Handlungsstränge zu begreifen sind, sondern kleinere Nebenhandlungen und eine situationsgebundene Komik, die einem jedoch irgendwie ans Herz gehen. Der Leser erfährt zum Beispiel Details über traumatische Erlebnisse aus der Biographie von Chigas und Kokusais Klassen- und Trainingskameraden. Im Mittelpunkt steht jedoch unangefochten die Entwicklung der Liebesbeziehung zwischen Kokusai und Chiga, denn so richtig zueinander finden die beiden tatsächlich erst in Band vier (hoffentlich habe ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten). Was mich an diesem Manga wirklich mitgerissen hat, ist die Intensität der Emotionen, die mehr und mehr zwischen Chiga und Kokusai entstehen, je näher sich die beiden kommen. Ich glaube, das liegt zum Großteil an der großartigen Auswahl der Panele, die oftmals kleine Gesten der Figuren einfangen, wie eine flüchtige Berührung oder Blicke, die die beiden sich zuwerfen. Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der Chiga und Kokusai sich keuchend gegenüberstehen und vor lauter Lust und Glück gar nicht wissen, wohin mit sich und ihren Gefühlen. Die Mangaka fängt die leidenschaftlichen Küsse, die Erregung während des Geschlechtsverkehrs und die tiefe Liebe der beiden Protagonisten wundervoll in ihren Zeichnungen ein. Die Sexszenen sind daher nie völlig aus der Luft gegriffen, sondern transportieren die Gefühle von Chiga und Kokusai auf erotische Weise und vermitteln sie auf diese Art dem Leser. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Mangaka immer eine gewisse Ästhetik erhält. Die Geschlechtsteile sind beispielsweise nie zu sehen, was den Liebesszenen so etwas wie Transzendenz einhaucht. Mit den vor allem in den Sexszenen nicht vorhandenen Hintergründen ensteht mittels dieser Technik der Eindruck, dass Kokusai und Chiga sich völlig in ihrer eigenen Welt befinden. Ich für meinen Teil bin jedes Mal vollkommen dahin geschmolzen, wenn die beiden sich in den Armen lagen. Soooooo romantisch!

Figuren:

Da ich es für meinen Geschmack gar nicht zu oft sagen kann, an dieser Stelle noch einmal: Ich liebe Highschool Love! Die Figuren habe alle ihren eigenen Charm und Charakter, aber besonders die Weise, auf die Kokusai dargestellt wird, hat mich verzaubert. Er wirkt auf den Leser genau so niedlich, naiv und freundlich, wie er den Bahn-Tatschern erscheinen muss. Dazu kommt seine unbeholfene Art im Umgang mit den unbekannten Gefühlen, die da plötzlich in ihm aufwallen, nachdem er Chiga näher gekommen ist. Kokusai ist eigentlich älter als der Vizeschülersprecher, verhält sich aber wie ein echter Grünschnabel und lässt sich andauernd von Chiga verführen, wobei für den Rezipienten die Tatsache offensichtlich ist, dass Kokusai es eigentlich drauf anlegt und die körperliche Nähe zu Chiga bewusst sucht und daher nicht ganz so unschuldig ist, wie er auf den ersten Blick wirken mag. Eigentlich ist er ein klassicher Uke, aber dabei so liebevoll, individuell und humorvoll gestaltet, dass er nicht klischeehaft wirkt. Überhaupt gefällt mir die teilweise sehr amüsante Dynamik, die sich zwischen Chiga und Kokusai entwickelt. Der Manga verfügt über eine äußerst charmante Situationskomik, die mich bei der Lektüre oft zum Schmunzeln gebracht hat. Es gibt beispielsweise eine Szene, in der die beiden Charaktere am Waschbecken stehen und sich die Zähne putzen. Nachdem Chiga Kokusai mit einer sexuellen Anspielung etwas gepiesackt hat, verschluckt dieser vor Schreck seine Zahnpasta. Auch Chiga entspricht tendenziell dem klassischen Seme, er ist älter, sexuell erfahrener als Kokusai und ein richtiger Draufgänger, der seinem Klassenkameraden bei jeder sich bietenden Gelegenheit an die Wäsche geht und auch gerne im Affekt und ohne Nachdenken handelt. Gleichzeitig ist er im Inneren aber auch unsicher und hat Angst davor, dass Kokusai seine Gefühle nicht erwidern könnte. Durch diese Brüche wirken die beiden Figuren sehr authentisch und es hat wirklich Freude gemacht, ihre Entwicklung mitzuverfolgen. Chiga erlangt im Verlauf der bisher erschienen sieben Bände beispielsweise immer mehr Selbstbeherrschung (und damit meine ich nicht nur sexuelle Selbstbeherrschung) und Kokusai verliert einen Teil seiner unbedachten Naivität, die ihn früher oft in gefährliche Situationen hat schlittern lassen. Es war wirklich wundervoll zu betrachten, wie die beiden Figuren durch ihre Beziehung zueinander wachsen. In einer Nebenhandlung wird ab dem fünften Band übrigens auch ein zweites Paar eingeführt, worüber ich hier aber nicht zu viel verraten will.

Fazit:

Wer BL-Fan ist, dem kann ich Highschool Love nur ans Herz legen. Der Manga ist ein moderner Klassiker, der mit Charm, Komik, liebenswerten Figuren, tollen Zeichnungen, jeder Menge Gefühl und Romantik und ganz viel Erotik und Sex begeistert. Und um dem ganzen Paket die Krone aufzusetzen: Der Leser bekommt tatsächlich zusätzlich eine durchaus psychologisch fundierte Handlung geboten, wenngleich in diesem Manga dabei natürlich nicht die Welt verändert wird. Einziges Manko – der Manga hat, wenn wir den ersten Band zu Grunde legen, seine zehn Jahre auf dem Buckel und ist nicht mehr überall erhältlich. Besonders der erste Band kostet daher bereits mehr als die üblichen sechs bis acht Euro. Aber ganz ehrlich: Wer wird bei solchen Szenen nicht weich?

Jaa mata ne, eure Amaya!


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