Bei Panini Manga, dem deutschen Verleger von BANANA FISH, sind die Bände eins bis sieben der Reihe mittlerweile ausverkauft. Man findet gebrauchte Hefte aber bequem auf Amazon oder ebay. Ab Band acht wird der Manga vom amerikanischen Publisher VIZ Media
herausgegeben. Mittlerweile kann man die amerikanischen Bände auch als digitale Version erwerben, z.B. über Kindle.

Bevor ihr anfangt zu lesen, schon einmal eine kleine Vorwarnung: Ich fürchte, mein heutiger Post wird etwas wüst. Nicht wegen des tragischen Inhalts, sondern weil ich mit ihm (mal wieder…) meine gesamten Pläne über den Haufen geschmissen habe und irgendwie versuchen werde, für euch noch die Kurve zu bekommen. Zumindest sitze ich seit einer Weile an meinem Schreibtisch und starre Löcher in meinen Wandkalender (der das zum Glück gewohnt ist und dieser Methode seit Monaten geduldig standhält), in der Hoffnung, die gesuchte Kurve möge sich zwischen meinen hingekritzelten Terminen finden lassen. Da sich mein Starren allerdings schon eine Weile hinzieht und eine elegante Lösung nicht in Sichtweite rückt, versuche ich es nun letztendlich doch auf die direkte Tour: Auf die im letzten Beitrag versprochene erheiternde Mangareview, auf die viele von euch nach den ganzen Dramen der letzten Monate vielleicht schon sehnsüchtig warten, müsst ihr leider noch einmal ein paar Wochen länger warten. Genauer gesagt, bis Ende August. Aber – bevor jetzt irgendjemand zu fluchen beginnt – es gibt einen guten Grund dafür (mit dem im Rücken es mir sicher gelingt, meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen): Mich haben per Mail mittlerweile zwei Anfragen erreicht, deren Inhalt ungefähr der folgende war (nicht zitiert, sondern nur gewortlautet): „Könntest du vielleicht, wenn es nicht zu viele Umstände macht, eine Zusammenfassung von „Garden of Light“ schreiben?“

Den zwei sehr netten Mädels ist daher mein heutiger Beitrag gewidmet, denn wie ihr sicher bereits anhand dieser Review erkannt habt, haben die Beiden bei mir damit einen absolut sensiblen Nerv getroffen. Ich bin seit der Ausstrahlung des Anime ein riiiiiiiiiiiiiiiiesengroßer BANANA FISH-Fan und war – gelinde ausgedrückt – ganz schön begeistert darüber, dass mir eine Ausrede geliefert wurde, warum ich mich auf meinem Blog ganz legitim noch einmal mit diesem mitreißenden Manga beschäftigen darf. Wenn mein Terminkalender weniger hineingekritzelte Termine enthalten würde, hätte ich sicherlich auch bereits längst eine Review zu der Mangareihe geschrieben, aber bei 19 Bänden weiß ich jetzt schon, dass das in den nächsten Monaten ein ziemlich utopisches Vorhaben bleiben wird. Es sei denn, ich schaffe es, die Termine in meinem Kalender tatsächlich wegzustarren, nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität. Aber das, fürchte ich, wird eine meiner wilderen Fantasien bleiben. Bevor mein Text gleich erneut ganz im Zeichen von Eiji und Ash stehen wird – sicher habt ihr die (fototechnische) Überarbeitung des Blogs schon gesehen, oder? Tja, ich muss gestehen, auch ich finde es jetzt alles etwas langweiliger und weniger bunt und ich will mich an dieser Stelle auch dafür entschuldigen, dass ich bei den Beitragsbildern auf das vollkommen ausgelutschte und absolut japanstereotype Kirschblütenmotiv zurückgegriffen habe, das man auf ca. 95% aller Japan- und Mangablogs findet, aber was blieb mit anderes übrig, um meinen Po aus der Reichweite des Urheberrechts zu hieven. Wenn ich könnte, würde ich mir für die Beitragsbilder zwei heiße Cosplayer schnappen und BL-Szenen nachstellen, aber na ja, da sind wir wieder zurück bei meinen wilden Fantasien… Deshalb mussten als erste Notlösung die Blüten aus dem heimischen Garten herhalten, die ich im Frühjahr geknippst hatte, sowie meine Schwester für das Titelbild des Blogs. Danke, Schwesterherz! Besagte Schwester ist mittlerweile nämlich in mein Treiben eingeweiht, wenngleich ich auch nicht genau weiß, was sie ab jetzt über mich denken wird…

Nun aber zum Thema. Ich weiß nicht genau, wie der Wissensstand des durchschnittlichen Animeschauers und / oder Mangalesers zum BANANA FISH-Universum ist, aber da der Epilog des 19. Bandes des Manga wahrscheinlich (meiner Vermutung nach) ziemlich unbeachtet an vielen vorbeigezogen ist, weil man ihn nur in den amerikanischen Heften findet, halte ich ein paar einführende Worte an dieser Stelle für sinnvoll. „Garden of Light“ ist ein Epilog zu BANANA FISH, der dem Abschluss der Geschichte im 19. Band nachgestellt ist und die Ergeignisse um Ash und Eiji nach einem Zeitsprung von sieben Jahren erneut aufgreift. Die deutschsprachige Veröffentlichung der Mangareihe wurde in Deutschland nach dem siebten Band leider eingestellt, weshalb man, wenn man den Manga zu Ende lesen möchte, ab Band acht auf die englischsprachigen Publikationen zurückgreifen muss. Tut man dies, hält man mit Band 19 automatisch auch die Bonusstory „Garden of Light“ in den Händen.

ACHTUNG:

Ab hier kommt es zu sehr detaillierten BANANA FISH-Spoilern und ich möchte euch darauf hinweisen, dass ihr nicht weiterlesen solltet, wenn ihr noch vorhabt BANANA FISH zu lesen / schauen und nicht vorher das Ende erfahren möchtet!

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Da es vielen unter euch sicherlich ähnlich erging wie mir und sie Ashs Tod in der Hauptgeschichte des Anime / Manga ziemlich erschütternd fanden und irgendwie mit einem Gefühl der Leere vor dem Fernseher zurückgeblieben sind, bietet „Garden of Light“ den Lesern des Manga einen Ansatz, der viele Jahre nach dem Mord an Ash einen Blick in Eijis Leben wirft. Dieser Blick, das muss ich gleich zu Beginn betonen, ist ein ziemlich aufwühlender, denn erst in dieser Retroperspektive wird wirklich deutlich, dass auch Eiji für Ash sehr viel mehr empfunden hat als für einen ’normalen‘ Freund. Vielleicht mögen mir manche unter euch widersprechen, aber ich war immer der Meinung, dass Ashs bedingungslose Liebe, die oft in schockierenden und dramatischen, aber eben auch sehr lauten und Aufmerksamkeit generierenden Momenten endete, Eijis Gefühle oft in den Schatten gestellt hat. Eiji mit seinem stillen und fürsorglichen Charakter, dessen Zuneigung zu Ash sich oft in kleinen und augenscheinlich weniger radikalen Taten des Trosts und Beistands ausdrückte, ging neben dem exzentrischen Ash, der sich immer auf der Überholspur zu befinden schien, teilweise ein wenig unter. Umso schöner empfinde ich es, dass Eiji von der Mangaka eine Extrastory eingeräumt wurde, in der sich die wirkliche Tiefe seiner Liebe für den Leser ersichtlich entfalten kann. In den folgenden Abschnitten habe ich versucht, eine möglichst detaillierte Inhaltsangabe von „Garden of Light“ mit einigen Interpretationsansätzen zu verbinden.

Ausgangssituation

„Garden of Light“ spielt im August 1994, sieben Jahre nach Laos Mord an Ash. Akira Shunichi, Ibes Nichte, besucht Eiji, der seit Ashs Tod in Greenwich Village lebt, in New York. Laut dem jungen Mädchen, aus dessen Perspektive u.a. die Geschichte erzählt wird, hat Eiji vor zwei Jahren seine Green Card erhalten und seinen Wohnsitz vollständig nach New York verlegt. Akira kennt Eiji aus seiner frühen Zeit als Ibes Assistent in Japan und wurde von diesem nach Amerika eingeladen. Am Flughafen trifft Akira unvorbereitet auf den 23-jährigen Sing, der sie an Eijis Stelle dort abholt. Sing, der gegenwärtig am C.U.N.Y-College studiert, ein eigenes Kleinunternehmen führt (es wird alleine aus der Geschichte heraus nicht ganz ersichtlich, ob diese Geschäfte legal sind und wer Sings Geschäftspartner ist, aber viele Einträge im Internet verweisen darauf, dass Sing mit Yut-Lung die chinesische Mafia weiterführt) und sich auf die Aufnahme für einen Master in Jura an der Harvard-Universität vorbereitet, ist mittlerweile sehr gut mit Eiji befreundet und geht nicht nur in dessen Haus ein und aus, sondern hat dort sogar ein eigenes Zimmer, obwohl er selbst eine Wohnung besitzt. Ashs Tod und die Schuld, die auf Eiji und Sing lastet, hat sie über die Jahre zusammengeschweißt. Eiji ist im Epilog zu BANANA FISH nun selbst ein bekannter Fotograf und bereitet im Handlungsbogen von „Garden of Light“ eine große Ausstellung in einer bekannten New Yorker Galerie vor.

Grundlegende Problematik

Akira bekommt zunächst den Eindruck, dass Eiji sich – abgesehen von seinen langen Haaren und der Brille – kaum verändert hat. Diese erste Impression wird für den Leser jedoch schnell wiederlegt, denn als Akira auf Eijis Frage hin, was sie sich in New York an Sehenswürdigkeiten anschauen möchte, die New York Public Library anführt, wirft Sing Eiji, der zu Akiras Wunsch schweigt, einen vorsichtigen Seitenblick zu und schlägt dem Mädchen daraufhin vor, sie an Eijis Stelle dort hin zu begleiten. Nachdem Akira ins Bett gegangen ist, stellt Sing Eiji die rhetorische Frage „Du bist jetzt noch nicht drüber hinweg, oder?“. Eiji antwortet daraufhin mit einem ebenso rhetorischen „Bist du jetzt drüber hinweg, Sing? Bist du es?“. „Garden of Light“ macht bereits nach wenigen Seiten deutlich, dass Ashs Tod tiefe Spuren hinterlassen hat, die auch nach vielen Jahren noch nicht verblasst sind, vor allem natürlich in Eijis Herzen, aber auch in Sings.

Ashs Gegenwart

Weder Eiji noch Sing können mit ihren Erinnerungen an Ash und seinen Tod abschließen. Bei Sing äußert sich dies darin, dass er Ashs alten Computer, der ebenfalls in Eijis Haus steht, nicht nur dafür benutzt, sich durch Ashs alte und brillante Abhandlungen zu unterschiedlichsten wissenschaftlichen Themen zu arbeiten, sondern diesen förmlich personifiziert. Ausschnitte seiner Monologe richtet Sing direkt an den PC, der Ashs Platz in einer imaginären Unterhaltung einnimmt. Der Computer symbolisiert Ashs übermächtigen Intellekt und seinen Geist, der in Eijis Haus und den Herzen der beiden Männer nach wie vor anwesend ist und von dem sie sich nicht lösen können. Akira stellt bei ihrer Ankunft nicht ohne Grund fest, dass Eijis Haus jenem aus dem Romantikdrama „Ghost“ mit Demi Moore gleicht. Natürlich bezieht sie sich hierbei ausschließlich auf die Einrichtung, aber diese sehr treffend gezogene Parallele lässt keinen Zweifel mehr daran, dass vor allem mit Eiji ein liebender Mensch in diesem Haus lebt, der einen sehr engen Freund auf schreckliche Weise verloren und dessen Tod noch nicht verarbeitet und akzeptiert hat. Wie Demi Moore wird Eiji von Trauer beherrscht, die aus der Vergangenheit entspringt, allerdings mit dem Unterschied, dass der ihn ‚verfolgende Geist‘ kein realer ist und alle Versuche, Ash in Form von Gegenständen und Erinnerungen wiederzubeleben, ohne Hoffnung auf eine wirkliche Rückkehr sind. Stattdessen leben die beiden jungen Männer in New York und in Eijis Haus in einer Art Vergangenheit, in der Ash durch ihre Erinnerungen und eine beinahe kanonisierende Form von Verehrung auf Sings Seite noch gegenwärtig sein kann. Während Sing sehr stark die Gegenwart von allen Dingen und Orten sucht, die einst Ash gehörten und ihn ausmachten, geht Eiji einen genau entgegengesetzten Weg und vermeidet jedwedes Objekt, das ihn daran erinnern könnte, dass Ash nicht mehr am Leben ist. Sing und Eiji versuchen in „Garden of Light“ den Tod und Verlust von Ash auf sehr individuelle Weise zu verarbeiten und lassen in dieser pathologischen Form des Erinnerns keine ehrliche Trauer zu, die die Wunden in ihren Herzen heilen würde.

Sings Trauma

Sings Verehrung und Idolosierung von Ash war bereits zu dessen Lebzeiten spürbar, doch in „Garden of Light“ wird deutlich, dass diese auch nach Ashs Tod nicht nachgelassen bzw. sich im Gegenteil noch einmal gesteigert hat. Während eines Telefonats mit (vermutlich) Yut-Lung weist dieser Sing darauf hin, dass er mittlerweile selbst einige Charakteristika von Ash übernommen habe, zum Beispiel dessen Tonfall und Artikulation. Sing ist nach wie vor fasziniert von Ash und beschäftigt sich selbst nach seinem Tod intensiv damit, wie dieser gelebt, gearbeitet, gesprochen und gedacht hat. Vor allem die Beschäftigung mit Ashs altem PC, die Yut-Lung als „Reise in Ashs Verstand“ bezeichnet, macht deutlich, dass Sing von einer Art Besessenheit getrieben wird, denn um beispielsweise unbewusst die Sprachgewohnheiten eines anderen Menschen zu übernehmen, ist eine sehr intensive Nähe zu diesem nötig. Da Ash nicht mehr lebt, greift Sing auf das einzige Mittel zurück, was ihm bleibt: Ashs Computer. An diesem muss er viele, viele Stunden verbracht haben und wurde dabei im Rahmen seiner Lektüre mit Ashs Sprache vertraut. Eventuell spricht auch Sings Studium dafür, dass dieser sich darüber hinaus in intellektueller Hinsicht seinem Vorbild anzunähern versucht.

Ich bin mir beim Lesen nicht ganz klar darüber geworden, was Sing mit seinen Recherchen und seiner Nacheiferung zu erreichen hofft, aber vielleicht versucht er das größte Rätsel zu lösen, das der Epilog seinen Lesern stellt: Warum wählte Ash – denn dass es sich dabei um seine freie Entscheidung gehandelt hat, macht „Garden of Light“ (ohne Angabe der Quelle für dieses Wissen) sehr deutlich – den Tod, indem er in der Bibliothek über viele Stunden das Blut aus seiner Stichwunde fließen lies? Vielleicht wäre es das Wissen um diesen Grund, der Sing Erleichterung verschaffen würde, denn seine Auseinandersetzung mit Ashs Leben resultiert nicht alleine aus Sings Bewunderung für diesen, sondern ebenso aus der Schuld, die er seit Jahren mit sich trägt. Die Tatsache, dass es sich bei dem Menschen, der den in Sings Augen glühendsten Stern ausgelöscht hat, ausgerechnet um den eigenen Bruder Lao handelte, hat Sing auch nach vielen Jahren nicht verarbeitet. Sicherlich bereitet ihm die Vorstellung, dass er den Mord vielleicht hätte verhindern können, unermessliche Qualen. Die Frage, die Sing von der Erlösung trennt, ist jene danach, ob sein Bruder wirklich derjenige war, der Ashs Leben beendet hat oder ob es in letzter Instanz Ash selbst gewesen ist, der in den einsamen Stunden in der Bibliothek beschloss, seinem Leben aus unerfindlichen Gründen ein Ende zu setzen. „Was hast du nur gedacht, Ash, in den vielen qualvollen Stunden, alleine in der Bibliothek, in denen das Blut aus dir floss?“, fragt Sing sich selbst. Dieser Fakt, dass Ash seinen Tod bewusst gewählt haben könnte, wird alleine aus dem Anime heraus nicht eindeutig ersichtlich. In diesem wirkt es so, als ob Ash nach der Lektüre von Eijis Brief relativ schnell in der Bibliothek verstorben wäre. „Garden of Light“ deutet letztendlich an, dass Ashs Tod nicht alleine durch den Mordversuch, sondern eine Art Suizid zustande gekommen sein könnte. Allerdings – die Frage nach dem Warum beantwortet der Epilog nicht.

Eijis Trauma

Eijis Trauer reißt dem Leser in „Garden of Light“ den Boden unter den Füßen weg. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie Eiji es selbst sieben Jahre (!) nach Ashs Tod noch nicht einmal wagt, alte Bilder von seinem Freund zu betrachten. Jede Frage und jede Andeutung von Freunden, die das Thema Ash berühren, quittiert Eiji mit Schweigen oder einer sehr einsilbigen Antwort, deren Inhalt ganz offensichtlich nicht der Wahrheit entspricht. Als Max und Jessicas Sohn Michael Eiji während der Vorbereitung seiner Ausstellung zum Beispiel fragt, ob er keine Fotos von Ash darin haben wird, verneint Eiji dies mit der Aussage „Nein… ich konnte keine guten finden“. Dabei belegt das Fotoalbum, das Akira zu einem späteren Zeitpunkt des Epilogs in die Hände fällt, das Gegenteil. Es gibt sehr viele Bilder von Ash, die Eiji allerdings allesamt aus dem Album entfernt und in einer alten Box hat verschwinden lassen. Akira stößt beim Durchsehen des Albums daher vor allem auf leere Stellen, die lediglich mit der für sie mysteriösen Initiale „A“ und einer Ortsangabe markiert sind. Sing scheint die einzige Person in Eijis Umkreis zu sein, die sensibel genug auf sein Verhalten reagiert und erkennt, dass Eiji seine Trauer selbst nach den ganzen vergangenen Jahren noch nicht verarbeitet hat, sondern sich gegen den Schmerz, den Ashs Tod ihm zugefügt hat, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften wehrt.

Eijis Problem ist, dass er Ashs Tod nicht als endgültig akzeptiert hat, sondern ein Teil seines Herzens immer noch auf ein Wiedersehen zu hoffen scheint. Wie tief diese Hoffnung reicht, zeigt sich bei einem Ausflug mit Sing und Akira zum Cape Cod, Ashs Geburtsort. Einen jungen Mann, der der Gruppe auf der Strandpromenade begegnet, hält Eiji für einen kurzen Moment für den toten Freund und reißt ihn herum, um sein Gesicht sehen zu können. Diese Situation zeigt ganz deutlich, dass Eiji sich unermesslich stark nach Ash zu sehnen scheint und ihn auf einer Ebene vermisst, die meine Fähigkeit, diesen enormen Schmerz begreifen zu können, bei weitem übersteigt. Seine Sehnsucht, die Eiji auf eine so intensive Art und Weise einnimmt, verdrängt den rationalen Verstehens- und Verarbeitungsprozess und lässt ihn in der geschilderten Situation schlicht vergessen, dass Ash tot ist. Nicht zuletzt ist es besonders Sing, den Eijis Verdrängungstaktiken in tiefe Sorge versetzen. Der junge Mann erkennt als einziger von Eijis Freunden, dass dieser in einer Welt zu leben scheint, in der Ash noch an seiner Seite ist. Doch diesen Zustand nimmt Sing zum Glück nicht kampflos hin. Im Gespräch mit dem imaginären Ash, dem Computer, fragt Sing „Bist du zufrieden? Eiji ist dein, für immer“ und zu einem späteren Zeitpunkt bittet er „Lass Eiji jetzt gehen. Wenn du ihn nicht gehen lässt, wird er nie wieder glücklich sein. Ich brauche ihn glücklich, denn bis er es nicht ist, kann ich es nicht sein. Hör mir zu, Ash. Ich bekomme ihn von dir zurück, egal was passiert“. Auf den restlichen Kontext komme ich später noch zurück, aber dieser Satz, „Eiji ist dein, für immer“, hat mich beim Lesen zu Boden gerungen und mein Herz in zerbrochenen Einzelteilen zurückgelassen, denn er zeigt aus einer neutralen Außenperspektive heraus – der von Sing – auf, dass Eijis Liebe zu Ash sehr viel tiefer reicht, als es der Anime im Stande war zu zeigen. Die seelische Verbindung, die zwischen Ash und Eiji bestand, und die Gefühle, die Eiji für Ash hegt, haben den Tod überwunden und lassen den jungen Mann mit einer Liebe und Verbundenheit zurück, die sich wahrscheinlich für den Rest seines Lebens nicht mehr ändern wird.

Ich glaube, diese tiefe emotionale Prägung, die Eiji im Rahmen seiner Beziehung zu Ash erfahren hat, ist es, auf die sich Sing bezieht, wenn er sagt, dass Eiji Ash gehöre. Ich glaube, jemanden weiter so tief zu lieben, selbst Jahre über dessen Tod hinaus, ist das letzte und eindeutigste Zeichen dafür, dass niemand jemals Ashs Platz in Eijis Herzen wird einnehmen können und dass die beiden Jungen einander tatsächlich auf eine romantische Art und Weise geliebt haben. Das einzig Fatale an dieser Erkenntnis ist, dass Eiji im Epilog noch nicht in der Lage ist zu begreifen, dass diese Liebe noch etwas anderes als reinen Schmerz mit sich bringt, nämlich viele glückliche Erinnerungen an Ash und eine neue Perspektive auf das eigene Leben. Eiji befindet sich in einem Zustand, der für ihn permanent geworden ist und den viele Menschen eigentlich nur in den ersten Wochen oder Monaten nach einer Beerdigung erfahren: Reine Trauer, in der der Schmerz alle positiven Gedanken an den verstorbenen Menschen überlagert. Um diesen Schmerz überhaupt ertragen zu können, versucht Eiji Objekte, Orte und Situationen zu vermeiden, die ihn daran erinnern, dass Ash niemals zu ihm zurückkehren wird, denn mit dem Freund hat Eiji nicht nur einen geliebten Menschen, sondern einen Teil seines eigenen Herzens verloren. Und so definiert Sing in „Garden of Light“ für sich eine Aufgabe: Er möchte, dass Eiji wieder glücklich wird.

Akiras Rolle

Akira übernimmt in „Garden of Light“ in weiten Teilen die Funktion der Erzählerin und führt den Leser detektivgleich durch die Handlung des Epilogs. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit diesem nach und nach das Mysterium aufzudecken, das sich um Ashs Namen gebildet hat, und die Beziehung zu verstehen, die Eiji und Ash geführt haben. Leider erfahren wir in diesem Prozess nur sehr wenig über die Umstände, in deren Rahmen Eiji von Ashs Tod erfahren hat (worüber ich, ehrlich gesagt, andererseits ziemlich froh bin, denn dies ist die eine Situation, die ich mir eigentlich gar nicht ausmalen möchte). „Garden of Light“ beziehungsweise Akira verraten jedoch so viel: Bereits kurze Zeit nach seiner Rückkehr nach Japan, in der wahrscheinlich die schlimmsten Verletzungen verheilt sind, die sich Eiji zugezogen hat, kehrt dieser gemeinsam mit Ibe erneut nach New York zurück. Ich schätze, dass in der Zwischenzeit lediglich einige wenige Wochen vergangen sind. Entweder kehrte Eiji zurück, weil er bereits von Ashs Tod erfahren hatte oder weil er Ash wiedersehen wollte. Diese Frage lässt der Epilog unbeantwortet. Akira erinnert sich, dass ihr Onkel kurz darauf alleine nach Japan zurückkehrte. Eiji muss also bereits wenige Wochen nach den Ereignissen des Haupthandlungsstrangs von BANANA FISH entschieden haben, dass er für immer in New York bleiben wird. Im Kontext eines Interviews, dass Eiji für seine Ausstellung mit einem Fernsehsender führt, klingt an, dass New York seine Wahlheimat wurde, weil Eiji die Stadt durch Ash lieben gelernt hat und für seine Fotographieprojekte in ihr alles findet, wonach er sucht, „das Gute genau so wie das Schreckliche“. New York ist der einzige Berührungspunkt mit Ashs Leben, den Eiji nicht meidet, und das hat einen bestimmten Grund: Die Stadt erinnert ihn weniger an den verstorbenen Freund als dass sie ihn sich diesem vielmehr nahe fühlen lässt. In den Straßen von New York, dem Ort, den Ash so geliebt hat, fällt es Eiji am leichtesten, Ashs Geist lebendig zu erhalten. Während eines Interviews führt die Moderatorin beispielsweise aus, dass sich in Eijis Bildern eine „undefinierbare Wärme, Freundlichkeit“ ausdrückt und ich denke, wir wissen alle, woher diese Wärme, mit der Eiji die Menschen und New York betrachtet, rührt.

Aber zurück zu Akira. Als diese die Leerstellen in Eijis Fotoalbum mit der Initiale „A“ findet und Michael das erste Mal in ihrer Gegenwart Ashs Namen nennt, beginnt Akira sich zu fragen: „Wer war diese Ash-Person?“. Interessant ist, dass Akira Ash zunächst für eine Frau hält (was sicher nur natürlich ist, wenn man berücksichtigt, wie Sing über Ash spricht), denn auf ihre Frage hin, ob Eiji Ash geliebt habe und ob dieser schön gewesen sei, antwortet Sing beide Male mit einem Ja, ohne auf sprachlicher Ebene das Geschlecht durchblicken zu lassen. Daraufhin versucht das Mädchen Ash zu zeichnen und malt eine junge Frau mit langen blonden Haaren. Vielleicht schwärmt Akira sogar ein klein wenig für Eiji, denn ihre Reaktion lässt darauf schließen, dass sie fortan etwas eifersüchtig auf Ash und dessen Platz in Eijis Herzen zu sein scheint. Doch auch für das junge Mädchen ist nach diesem Gespräch mit Sing klar, dass Eijis Herz „immer noch an dieser Person hängt“, wenngleich Akira vielleicht noch nicht alt genug ist, um Eijis Gefühle in ihrer Gänze erfassen und verstehen zu können. Umso überraschter oder vielleicht sogar schockierter reagiert sie, als Michael später ohne Vorsatz durchblicken lässt, dass Ash ein Mann gewesen ist. Als Akira Sing mit diesem neuen Wissen konfrontiert, tut Sing etwas, dass die Beziehung zwischen Ash und Eiji noch einmal in ein intimeres Licht rücken lässt – er bittet Akira darum, mit ihm den Raum zu verlassen und führt sie zu dem verfallenen Wohnhaus seiner Familie. Akira fragt ihn dort, ob Ash Eijis Liebhaber war und Sing antwortet daraufhin schlicht „Er war mehr als das. Was nicht meint, dass ihre Beziehung eine sexuelle war, das war sie nicht. Aber sie haben einander geliebt… vielleicht auf die Art, auf die es Liebende tun. Sie waren… miteinander verbunden, Seele an Seele“. Diese Aussage von Sing betont aus einer Retroperspektive heraus noch einmal ganz pointiert, dass Eiji und Ash mehr als beste Freunde gewesen sind. Die beiden hat eine Seelenverwandtschaft verbunden, die so stark war, dass sie sogar das gewöhnliche Band zwischen Liebenden überstieg.

Hier landet „Garden of Light“ beim grundlegenden Gedanken, der den Kernaspekt des Genres Shōnen Ai bildet: Dargestellt wird eine Liebesbeziehung zwischen zwei Jungen, die sich alleine durch ihr geistiges Intensitätslevel definiert, nicht durch eine körperliche Komponente. In dieser Hinsicht ist BANANA FISH sicherlich als Paradebeispiel für diese Art von Werken zu betrachten. Meine Gedanken zu der Beziehung, die Ash und Eiji geführt haben, habe ich, falls euch das Thema näher interessieren sollte, bereits in diesem Beitrag aufgeschrieben. Bis dorthin waren meine Interpretationsansätze allerdings mehr Vermutung als Wissen, denn ich habe mich ausschließlich auf die Hauptstory von BANANA FISH bezogen. Mit „Garden of Light“ räumt Akimi Yoshida jedoch durch Sings Aussage auch die letzten Zweifel darüber aus, ob Eiji und Ash einander geliebt haben. Das haben sie. Dass Ash dies getan hat, haben bereits der Anime und Manga eindrücklich gezeigt, doch der Epilog betont noch einmal, dass auch Eiji Ash nicht nur als kleinen Bruder betrachtet hat, sondern auch seine Gefühle eine romantische Ebene berühren. Wie stark diese Liebe war und immer noch ist, zeigen die nächsten berührenden Sätze, die Sing an Akira richtet: „Eiji hat sich verändert… danach. Auf jede erdenkliche Art. Seine Persönlichkeit, die Art, wie er lebt… Ashs Tod hat ihn vollkommen verändert. Er hat Eijis gesamtes Leben beeinflusst.“

Die Veränderung

Eiji, der das Gespräch zwischen Akira und Sing mitbekommen hat und dazu stößt, bittet Akira daraufhin, schon einmal nach Hause zu gehen. Eiji richtet seine Worte danach direkt an Sing und versucht diesem verständlich zu machen, dass er lediglich erwachsen geworden sei und sich gut schlage. Eijis leerer und an die Decke gerichteter Blick, den man in seinem Gesicht lesen kann, als Sing ihn umarmt, zeigt jedoch deutlich, dass Eiji nicht „okay“ ist. Sings emotionaler Ausbruch vor der Umarmung, in dem er Eiji anschreit und verzweifelt fragt, warum er Ashs Tod nicht akzeptieren könne, beschreibt, auch wenn Eiji sich dies nicht eingestehen kann, ziemlich gut die gegenwärtige Lage in „Garden of Light“. Die Abschlussszene des Epilogs gibt allerdings Mut zur Hoffnung und zeigt, dass Sing vielleicht nicht in allen Punkten im Recht ist. Eijis Wesenskern, sein gutes Herz, ist von den traumatischen Erlebnissen unberührt geblieben und vielleicht ist es seine Eigenschaft, allen Menschen um sich herum Glück bringen und helfen zu wollen, die ihn trotz des Verlustes von Ash weiterhin am Leben festhalten lässt. In dieser Hinsicht hat der junge Mann sich nicht verändert, wie Sing es gegenüber Akira behauptetet hat. Eiji offenbart Sing nämlich in einem weiteren Gespräch, warum er das junge Mädchen nach New York geholt hat. Akiras Eltern lassen sich scheiden und Akira, die sich in dem Wissen, dass ihr Vater lieber einen Sohn gehabt hätte, als ungewollte Tochter sieht, gibt sich die Schuld an der Trennung in einem Maße, das ihr gesundheitliche Probleme bereitet. Aus dem Versuch heraus, dem Vater gegenüber so jungenhaft wie möglich zu wirken, kleidet Akira sich sehr burschikos und trägt ihre Haare kurz.

Die extreme Sensibilität und Empfänglichkeit für die Gefühle seines Gegenüber, erkennt Sing, müssen der Grund gewesen sein, warum Ash Eiji so geliebt hat. Er war der einzige, der Ashs tatsächliche Qualen erkennen konnte, die er hinter der Maske des draufgängerischen Straßenjungen verbarg. Am Ende gesteht Eiji Sing gegenüber ein, dass er seit Jahren weiß, dass sein Brief der Auslöser für Ashs Unaufmerksamkeit und letztendlich seine Stichverletzung war. Was Eiji sich letztendlich vorwirft, ist simpel: Warum hat er Ash seine Gefühle nicht persönlich mitgeteilt, statt ihm diesen Brief zu senden? „Ich machte damit weiter, mir zu erzählen, dass ich gehen und es ihm hätte selbst sagen sollen, selbst, wenn ich auf meinen Knien und Händen hätte krabbeln müssen. Es brachte mich um“, beschreibt Eiji die eigenen Schuldgefühle, nicht nur sich selbst, sondern auch Sing gegenüber, den er all die Jahre mit seinen Qualen alleine gelassen hat, obwohl der Freund ständig an seiner Seite war. Denn letztendlich nimmt das Wissen, dass sein Bruder nicht die alleinige Schuld an Ashs Tod trägt, Sing eine enorme Last von den Schultern und für die beiden Figuren wird es fortan einfacher, ihre Schuldgefühle gemeinsam zu tragen und zu teilen. Sing ist fortan nicht mehr mit dem schrecklichen Geheimnis um den Brief belastet, das er all die Jahre vor Eiji verborgen gehalten hat.

Das Ende, das „Garden of Light“ sucht, ist ein versöhnliches. „Ich werde Ash nie vergessen. Ich würde ihn nie vergessen wollen. Aber das meint nicht, dass ich nicht glücklich bin oder das ich nie mehr glücklich sein werde. Ash hat jeden Moment zu 100% gelebt. Wir beiden wissen das besser als jeder andere. Ich bin einfach dankbar und stolz, dass ich zuletzt wenigstens eine kleine Weile in der Gesellschaft dieser brillanten und wunderhaften Lebenskraft verbringen konnte“, lauten Eijis berührende Worte, mit denen er Sing gegenüber seine Zeit an Ashs Seite beschreibt. Vielleicht ist gerade dies Eijis große Gabe: dass er in jedem Menschen das Gute sieht. Und vielleicht ist es Akiras Gegenwart, die Eiji letztendlich einen entscheidenden Schritt in Richtung Selbstrehabilitation tun lässt. Die Gegenwart des jungen Mädchens macht Eiji erneut bewusst, dass man einen Menschen nicht ersetzen kann und das jeder Mensch liebenswert ist, wie er ist, besonders auch im Fall von Akira, die so gerne ein Junge sein möchte, letztendlich aber eine zauberhafte und sehr liebenswerte junge Frau ist. Auf den letzten Seiten scheint Eiji zu begreifen, dass die Lücke, die Ash in seinem Herzen hinterlassen hat, niemals geschlossen und von keiner anderen Person gefüllt werden kann und dass es deshalb keinen Unterschied für ihn machen wird, ob er Bilder von Ash betrachtet oder nicht und ob er die Bibliothek besucht oder nicht, denn an der schmerzhaften Tatsache, dass Ash für immer aus seinem Leben verschwunden ist und an der aus dieser Erkenntnis resultierenden Qual wird seine Vermeidungshaltung nichts ändern. In einem letzten Schritt holt Eiji Ashs Bilder hervor, von denen er eines in seine Ausstellung aufnimmt, und endlich, endlich, endlich fließen bei Eiji und Sing die so lange unterdrückten und mit aller Kraft zurückgehaltenen Tränen. Diese Tränen sind der Beginn eines langen Weges der Verarbeitung, der fortan vor den beiden Figuren liegen wird, aber „Garden of Light“ lässt den Leser mit der Hoffnung zurück, dass Eiji und Sing sich zukünftig nicht mehr gegen ihre Erinnerungen stemmen werden, denn wie es (vermutlich) Yut-Lung treffend formuliert hat (soviel Ehre muss man ihm an dieser Stelle zugestehen): „Kämpf nicht gegen deine Erinnerungen, denn du wirst niemals gewinnen.“

Das Rätsel, das „Garden of Light“ zu lösen versucht

Die Intention von Akimi Yoshida war es mit dem Epilog wahrscheinlich, die unklare Beziehung zwischen Ash und Eiji ein wenig aufzulösen und seinen Tod in einen weniger tragischen Kontext zu rücken. Denn was „Garden of Light“ ganz deutlich macht, ist, dass Eiji und Ash einander geliebt haben, nicht nur als Freunde, sondern „mehr als Liebende“, wie Sing es Akira gegenüber ausdrückt. Und so ist das große Rätsel, das Sing beschäftigt, warum Ash bewusst den Tod wählte, nachdem Eiji ihm seine Gefühle in dem berühmten Brief gestanden hat. Im Epilog befindet sich Eijis Abschiedsbrief, der das Flugticket nach Japan enthielt, in Sings Besitz und dieser erkennt deutlich, dass das mit Blut und Tränen verschmierte Papier „praktisch ein Liebesbrief“ von Eiji an Ash ist. Auch folgert Sing richtig, dass es der Inhalt des Briefes war, der Ash unaufmerksam werden und quasi in Laos Messer laufen ließ. Sing scheint derjenige gewesen zu sein, der Ash direkt nach seinem Tod im Leichenschauhaus zu Gesicht bekam und was ihn mehr noch als Ashs Tod erschüttert zu haben scheint, ist die Tatsache, dass der tote Freund ein Lächeln auf den Lippen trug, „als habe er einen wirklich schönen Traum“. Die Frage, an der Sing sich abarbeitet und aufreibt, ist also jene danach, in welchem Zusammenhang Eijis Brief mit Ashs Entscheidung stand, sterben zu wollen.

Der Umstand, dass Ash ganz bewusst starb, wird im Epilog von jeder Angriffsfläche befreit, da Sing sehr deutlich feststellt: „Was hast du [Ash] an dem Tag gedacht? Während das Blut langsam aus deinem Körper floss und dein Blutdruck und die Körpertemperatur sanken, während dieser langen, langen Stunden, bis der Tod endlich kam? Du musst sehr gelitten haben, weil das Messer deine lebenswichtigen Organe verfehlte“. Neben der Schuld, dass Sings Bruder für den Tod von Ash verantwortlich sein könnte, bedrückt Sing auch das Wissen darum, welchen Schmerz diese Tat Eiji zugefügt hat. Hierauf referiert der bereits von mir zitierte Satz „Ich brauche ihn [Eiji] glücklich, denn bis er es nicht ist, kann ich es nicht sein“. Ich denke, wir brauchen an dieser Stelle nicht weiter darüber zu sprechen, dass Sing unter anderem hofft, Erleichterung seiner Schuld durch Eijis Glück zu finden, denn auch dies würde – neben dem Wissen, dass Ash sterben wollte – Laos Tat weniger grausam erscheinen lassen. Doch auf die alles entscheidende Frage, nämlich jene danach, warum Ash den Tod bewusst wählte, gelingt es Sing letztendlich nicht eine eindeutige Antwort zu finden. Diese ungeklärte Frage ist es, die ihn in „Garden of Light“ so besessen davon erscheinen lässt, Ashs Gedanken zu verstehen und nachzuvollziehen.

Mein persönliches Fazit

„Garden of Light“ entlastet meiner Meinung nach Ashs Tod, indem der Epilog aufzeigt, dass Ash nicht tragisch aus dem Leben gerissen wurde, sondern diese Entscheidung bewusst getroffen hat, nachdem ihm durch Lao die Verletzung zugefügt wurde. Das Warum bleibt allerdings auch mir ein Rätsel. Ich kann mir den Grund für seinen Entschluss nur aus den Worten herleiten, die Ash einst an Blanca richtete (nur aus meiner Erinnerung und dem Wortlaut nach zitiert): „Ich bin jetzt glücklich. Es gibt diesen einen Menschen, der zu mir steht und keinerlei Gegenleistung dafür erwartet“. Vielleicht hielt Ash mit Eijis Brief den letzten Beweis dafür in den Händen und beschloss in dem Bewusstsein zu sterben, dass sein Leben für ihn kein größeres Glück mehr bereithalten könnte als diese bedingungslose Liebe. Möglicherweise hat ihm seine erste Reaktion auf Eijis Brief, nämlich das Verlangen, den Freund doch noch am Flughafen zu treffen oder ihn sogar nach Japan zu begleiten, ebenso gezeigt, dass er niemals wird aufhören können, Eijis Nähe zu suchen, solange er am Leben ist. Dass das Band, das die beiden Jungen verbindet, dafür zu stark ist. Und dass es letztendlich dieses Sehnen sein wird, welches Eijis Leben beständiger Gefahr aussetzt, denn Eiji ist die einzige Existenz in der Welt, die Ash angreifbar macht. Dies haben der Anime und Manga in vielen Szenen auf sehr grausame Art und Weise demonstriert. Dass Ash keinerlei Angst vor dem Tod hat, ist ebenso häufig angeklungen.

Laos Messerattacke hat ein verzögerndes Moment in Ashs Gedanken geschaffen und verhindert, dass dieser seiner affektiven Reaktion auf Eijis Brief nachgeben konnte. In der Bibliothek, die für Ash schon immer einen Rückzugsort und Ort der Ruhe und des Nachdenkens dargestellt hat, war Ash in der Lage, sein Verhalten zu reflektieren. Vielleicht wurde ihm dort in letzter Deutlichkeit bewusst, dass seine Beziehung zu Eiji einen unendlichen Kreislauf erzeugen wird: Solange Ash lebt, wird er Eijis Nähe suchen und so lange Ash sich in Eijis Nähe aufhält, wird dieser ihn beschützen wollen, wie er es in seinem Brief geschrieben hat. Letztendlich sah Ash seinen Tod eventuell als einzige Möglichkeit, um Eiji dauerhaft ein Leben fern der Gefahren zu ermöglichen, die die Liebe zu Ash mit sich gebracht hätte. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, war es für Ash daher die einzig logische Schlussfolgerung, zu sterben. Und diese Selbsterkenntnis würde auch die bitteren Tränen erklären, die Ash während seiner letzten Momente bei Bewusstein in der Bibliothek über die Wangen fließen. Denn neben Dankbarkeit dafür, dass er Eiji begegnen durfte, zeugen diese Tränen sicher ebenso von Reue und Schmerz darüber, dass diese schicksalhafte Liebe in dieser Welt keinen Bestand haben kann.

Wie angekündigt, war dieser Beitrag etwas wirr (zumindest empfinde ich ihn so). Ich habe versucht, beim Schreiben meine Gedanken zu ordnen und bin mir nicht sicher, ob dies gelungen ist. Die Geschichte um Ash und Eiji macht es mir immer schwer, eine neutrale oder gar rationale Perspektive beizubehalten und, na ja… Egal, ich hoffe einfach mal, dass ihr Freude beim Lesen hattet und eure Fragen bezüglich „Garden of Light“ beantwortet wurden, denn schlussendlich sollte dieser Post vor allem eine Inhaltsangabe sein. Als ich den Epilog zum ersten Mal gelesen habe, hat er mich auf der einen Seite zwar schwer erschüttert, weil die Tiefe von Eijis Trauer und sein Schmerz über den Verlust von Ash einem selbst am Ende noch das Herz in der Brust zerpflücken, aber auf der anderen Seite fand ich es auch schön, dass Akimi Yoshida Eiji diesen Platz zugestanden hat, um auch seinen intensiven Gefühlen für Ash noch einmal Raum zu schaffen. Denn was neben den Rätseln um die Umstände von Ashs Tod vor allem deutlich aus der Geschichte heraussticht, ist die Tatsache, dass Eiji und Ash einander auf einer Ebene geliebt haben, die man durchaus als eine romantische definieren kann. In diesem Punkt lassen der Anime und die Hauptgeschichte des Manga den Rezipienten ziemlich im unklaren und so regt „Garden of Light“ in Hinblick auf die homosexuelle Komponente von BANANA FISH noch einmal neue Interpretationsansätze an, auf die ich ebenfalls bereits hier zu sprechen gekommen bin.

Ein schönes und hoffentlich nicht zu heißes Wochenende wünscht euch nun eine etwas erschöpfte Amaya, die diesen viiiiiiel zu langen Beitrag mitten in der Nacht geschrieben hat, der einzigen Zeit, zu der ich mein Gehirn bei 40 Grad Außentemperatur zum Arbeiten überreden konnte, und die daher keinerlei Garantie für Tippfehler oder seltsame Satzkonstruktionsmonster übernimmt.

Jaa mata ne, eure Amaya


4 Kommentare

Seneca · 7. August 2019 um 21:05

Danke für diesen wunderschönen Beitrag…Banana Fish hat in mir tiefe Spuren hinterlassen und dein Beitrag und die dazu passenden Worte mich weinen lassen…

    Amaya · 7. August 2019 um 23:41

    Hallo Seneca,

    obwohl sie dich so traurig gemacht hat, freut es mich, dass die Review dir gefallen hat. Ich bin da ansonsten ganz bei dir – Ash und Eiji und die Geschichte um unsere beiden Jungen werden immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

    Liebe Grüße
    Amaya

Sam · 21. Oktober 2019 um 21:53

Hey, Ich habe mir gerade so halbwegs dein Blog durch gelesen. An manchen stellen wurde es mir doch zu viel. Also Seelisch, dieser Anime … noch nie hat ein Anime mich so berührt und fertig gemacht. Ich habe Tage lang geweint als ich den Anime als auch Garden of Light hinter mir hatte. Der Schmerz war un erträglich das ich auf einer App namens Amino, auf dem Banana Fish Server einen langen Blog geschrieben hatte. Es ist einfach über mich gekommen und ich hatte Yuri’s Song Yuri on Ice an. Die Gefühle sind einfach geflossen und ich fing an ein Abschiedsbrief aus Ash’s Sicht zu schreiben. Einige haben ihn gelesen und einige habe ich damit zum weinen gebracht und wieder in diesen Schmerz und dieses Verlust gestürzt. Aber zu gleich waren auch einige dankbar, und meinten sie könnten sich vorstellen, das Ash genau das gesagt hätte.

Ich bin zwar nicht über das Ende hin weg gekommen, aber es wurde erträglicher. Aber jetzt wo ich ein Video auf Youtube geschaut hatte, wo „Bewiesen“ wird das Ash noch „Lebt“ wurde ich ziemlich skeptisch. Hast du diesen vielleicht auch geschaut? Da wurd eine Theorie erzählt das Ash nicht tot ist. Da werden Szenen aus den Intros und Outros gezeigt die erst nach dem Messerstich von Lao passiert sein müssen. (Sorry für meine schreckliche Gramatik und Rechtschreibung, bin eine Niete darin.) Jedenfalls sieht man wie Ash angestochen durch den Schnee läuft und am ende von der letzten Folge, sah man ja wie es anfing zu schneien. Dann wurde der „Tot“ Status von Ash auf der Offiziellen Banana Fish seite auch noch in den „Lebt“ Status zurück geswitcht während Shorter und die anderen noch immer Tot sind.

Sag mir bitte du hast ihn gesehen… ich würde zu gern deine Meinung zu lesen.

Falls nicht hätte ich hier diesen Link für dich. Sorry falls ich dich damit so belästige, aber du hast so gut über Banana Fish geschrieben das ich mich wirklich frage was du zu diesem Video sagst.
https://www.youtube.com/watch?v=O4K7zu1YRxo&t=8s

Lg Sam.

    Amaya · 26. Oktober 2019 um 15:06

    Hallo Sam,

    erst einmal vielen Dank für deinen netten Kommentar, ich freue mich, dass die „BANANA FISH“-Fangemeinde auch hier zu wachsen scheint – es ist ein toller Anime / Manga, der noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient!

    Ich kann mich in deinen Worten gut wiederfinden – nach dem Ende das Anime war ich einige Tage lang nicht ansprechbar. Obwohl mich Ashs Tod mit ebenso viel Schmerz erfüllt hat und ich auch das Video kenne, das du verlinkt hast, gehöre ich trotzdem nicht zu den Lesern / Zuschauern, die daran glauben, dass Ash lebt. Die Gründe dafür werde ich einmal umreißen:

    1. Bei einer Literaturverfilmung / Animeadaption eines Manga ist es dem Regisseur natürlich freigestellt, das verfilmte Werk auf eine neue Art und Weise zu interpretieren. Aber wenn man so weit gehen und das Ende ändern würde, den in meinen Augen wichtigsten Teil eines Buches / Manga, dann wäre das – ohne den ausdrücklichen Wunsch des Autors – ein enormer Eingriff in die Interpretation des jeweiligen Werkes, der sich aus meiner Sicht in keiner Weise rechtfertigen ließe und das Buch / den Manga in eine vollkommen andere Geschichte verwandeln würde. Die gesamte Handlung eines Werkes läuft auf ein ganz spezifisches Ende hin – wie kann man dieses verändern, ohne alles vorher Geschriebene der Sinnlosigkeit preiszugeben?

    2. Tatsächlich lässt sich die Szene im zweiten Opening, in der Ash sich scheinbar verwundet durch den Schnee schleppt, nicht logisch mit seiner Todesszene im Anime verknüpfen. Ich bin allerdings der Meinung, dass die beiden Openings des Anime vielmehr Elemente der Handlung andeuten und symbolisch einbetten, ohne in einem direkten Handlungsbezug zum Inhalt des Anime zu stehen. Die Szene im zweiten Opening, in der Ash sich durch den Schnee schleppt, könnte ebenso seinen Tod andeuten, ohne diesen Hinweis dabei zu offensichtlich zu gestalten. Zudem sollte man den Kontext, in dem diese kleine Szene steht, nicht außer Acht lassen. Da ist einmal der Songtext, der in etwa lautet: „Bleib fern von mir und diesem schrecklichen Albtraum. Waren die Opfer vergebens? Wir kämpfen nur für Freiheit.“ Dass Bilder von Shorter, Ashs Bruder und Eiji eingeblendet werden, kann bedeuten, dass der dem Tod nahe Ash den Schaden reflektiert, den er den Menschen zugefügt hat, die ihm am meisten bedeuten und sich fragt, ob sein Kampf um Freiheit diese Opfer wert war. Dass in der Szene Dunkelheit herrscht, obwohl Ash in der Bibliothek im Tageslicht starb, kann in Bezug zum Albtraummotiv des Songtextes stehen. Ich denke, dass die Szene im Schnee im Opening lediglich eine symbolische Überhöhung der Perspektive ist, die Ash auf sein Leben hat – eben ein Albtraum, in dem er einsam und verletzt umherwandelt. Die weißen Federn, die im Opening um Eiji fallen, müssen nicht für Tod und Trauer stehen, sondern können ebenso Freiheit und Frieden symbolisieren, denn genau das ist es, was Eiji für Ash bedeutet.

    3. Der fallende Schnee sowohl im Opening als auch in der Todesszene steht wahrscheinlich eher in Bezug zu Hemingways Erzählung „Schnee auf dem Kilimandscharo“. Wenn wir uns zurückerinnern: Ash nimmt im Anime Bezug auf den Leoparden, der so weit hinaufstieg, bis er erfror und von Schnee zugedeckt wurde. Der einsetzende Schneefall zum Ende des Anime kann ebenso als Symbol dafür verstanden werden, dass Ashs Tod zu diesem Zeitpunkt unausweichlich wird – er hat in seinem Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung einen so hohen Berg erklommen, dass eine Rückkehr in ein ’normales‘ Leben nicht mehr möglich ist. Vielleicht ist der Umstand, dass Ash seinen Tod am Ende selbst wählt, die letzte – aber für einen Menschen auch bedeutendste und endgültigste – freie Wahl, die er treffen kann. Dass Ash tun kann, was vielen Menschen verwehrt bleibt, nämlich über den eigenen Tod bestimmen zu können, ist für mich ein Trost, denn diese Entscheidung ist letztendlich auch ein Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung, nach der Ash so lange gestrebt hat. Denn was wir bei aller Trauer nicht vergessen dürfen: Ash hat in seinem Leben nicht nur gekämpft, sondern auch psychisch sehr gelitten. Vielleicht war seine Kraft am Ende erschöpft und das Leiden zu groß. Ich finde es der Figur gegenüber respektvoll, wenn die Mangaka sie nicht in ein Leben presst, das – bei näherer Betrachtung – lediglich weitere Qualen für Ash bedeuten würde.

    4. Das Ashs Status auf der offiziellen Homepage in ein farbiges Bild gewandelt wurde, hat für mich keine große Bedeutung. Das Ende des Anime wurde sehr offen gehalten – vielleicht in erneutem Rückbezug auf Hemingway, denn der Körper des im Schnee erfrorenen Leoparden wird dort oben ewig erhalten bleiben, ohne zu verwesen – weshalb ich es als eine logische Konsequenz empfinde, Ash nicht als so endgültig verstorben zu kennzeichnen, wie es bei Lao oder Shorter getan wurde. Auch in Hinblick auf das ganze Merchandise, das nachträglich erscheint, macht dieses Vorgehen mehr Sinn. Und wer weiß, vielleicht bekommen wir ja doch irgendwann noch ein Prequel zu sehen. Aber das Ash wirklich lebt, daran glaube ich persönlich nicht. Ich finde tatsächlich mehr Trost in dem Gedanken, dass Ash dieses Leben nicht fortführen muss, denn bei all dem heftigen Schmerz, den die grausame Trennung von Eiji auch bei mir erzeugt hat – wie hoch hätten die Chancen gestanden, dass Ash wirklich glücklich geworden wäre, bei all den Traumata, die er durchleben musste?

    Aber das alles ist natürlich nur meine ganz persönliche und subjektive Interpretation der Ereignisse und ich lehne keineswegs Sichtweisen auf den Anime ab, die Ash als lebendig und glücklich betrachten wollen. Auch darauf gibt es schließlich Hinweise. Das ist in meinen Augen das wunderbare an Büchern und Filmen jeglicher Art: Egal, welche Spuren sie in unseren Herzen hinterlassen, jeder kann eigene Perspektiven auf ihren Inhalt entwickeln, die den Schmerz und die Freude, die solche Werke erzeugen, erträglicher machen. Und das trifft ganz besonders auf das wundervolle „BANANA FISH“-Universum zu.

    Auf jeden Fall danke ich dir für deinen Kommentar! Vielleicht hast du ja Lust, deinen Abschiedsbrief zu verlinken? Ich würde ihn gerne lesen!

    Liebe Grüße
    Amaya

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