TitelFinder / Viewfinder / Faindā Shirīzu

Genre: Boys‘ Love, Action, Drama, Adult, Smut

Zeichnungen / Story: Ayano Yamane

Bände: 8 / fortlaufend

Verlag: TOKYOPOP

Erscheinungsjahr des 1. Bandes: 2008

Erotische Szenen: ❤❤❤

Bei TOKYOPOP könnt ihr die Reihe direkt bestellen. Nur der erste Band ist nicht mehr erhältlich, weil er indexiert wurde. Mehr dazu erfahrt ihr in meiner Review.

Finder ist bei mir persönlich ein Beispiel dafür, dass man sich als Leser auch erst mit der Zeit in das Artwork und die Figuren einer Mangaka verlieben kann. Ich bin im Rahmen meines ‚Manga-Shoppings‘ schon öfter auf die Reihe aufmerksam geworden, aber gekauft habe ich sie bis zuletzt trotzdem nie, wohl, weil ich mich mit dem Cover des ersten Bandes nicht anfreunden konnte. Das Artwork erschien mir etwas altbacken und ich lese generell lieber moderne Manga, vor allem in Bezug auf den Zeichenstil. Die ersten beiden Bände von Finder bekommt man mittlerweile übrigens nur noch über private Verkäufer bei eBay, da diese beiden – wie ich öfter im Internet gelesen habe – aufgrund ihres explizit erotischen und gewalttätigen Inhalts nicht mehr im regulären Verkauf stehen und indiziert sind. Man hat angeblich jedoch die Möglichkeit, direkt über eine Buchhandlung bei Tokyopop zu bestellen, die dann aber einen Altersnachweis verlangen muss (der Manga ist ab 18 Jahre freigegeben). Allerdings sollen sich viele Buchhändler dabei etwas zieren, weshalb das für mich eher nicht in Frage käme. Ich werde bei solchen Dingen immer schnell verlegen, wie ihr im Beitrag Konbini-kun bereits lesen konntet. Immerhin hat besagtes Vorgehen hingegen scheinbar den Vorteil, dass man den Manga zum üblichen Preis von 6,95 Euro beziehen kann, denn auf eBay beginnen die Preise bei 21 Euro pro Band (!). Nun, mir war es das Geld für den ersten und zweiten Band wert, da ich dafür die skeptischen Blicke des Buchhändlers umgehen konnte *seufz*.

Inhalt

Der junge Journalist Takaba Akihito arbeitet als freier Fotograf für eine große Zeitung / Zeitschrift. Seine Fotos decken vor allem den Bereich Enthüllungsjournalismus ab bzw. man kann Akihito auch als Paparazzo bezeichnen. Als er einen Parlamentssekretär vor die Linse bekommt, der den zwielichtigen Club Shion in Shinjuku (ein bekannter Stadtteil Tokios, in dem es viele Ausgehmöglichkeiten und Clubs gibt) verlässt, und die Bilder zur Veröffentlichung an einen Verlag reicht, ruft dies den Besitzer des Clubs, Ryuichi Asami, auf den Plan, der die Publikation der Bilder unterbindet und so verhindert, dass die Polizei den Club ins Visier nimmt und dort eine Razzia durchführt. Denn Asami, dies muss Akihito schnell feststellen, hat eine Menge zu verbergen. Er ist eine bekannte und gefürchtete Größe der japanischen Unterwelt, die unter anderem mit Waffen und Drogen handelt, offiziell jedoch lediglich mehrere Clubs besitzt. Kein Wunder also, dass ihm die aufgenommenen Fotos nicht passen und er sich die Gelegenheit nicht entgehen lässt, den jungen Fotografen in seine Schranken zu weisen. Dabei hat Asami jedoch seine ganz eigene Herangehensweise… Es entbrennt eine leidenschaftliche Affäre voll dunkler Begierde zwischen den beiden unterschiedlichen Männern, gegen die Akihito sich zunächst zur Wehr setzt. Nach und nach verfällt er jedoch immer mehr dem geheimnisvollen Asami und als Akihito schließlich in den Besitz einer Diskette mit brisantem Inhalt gelangt und zwischen die Fronten von Asami sowie der chinesischen und russischen Mafia gerät und nach Hongkong verschleppt wird, müssen beide Männer eine Entscheidung treffen – wie viel bedeutet ihnen der andere wirklich?

Die ersten drei Bände entwickeln noch keine direkt zusammenhängende Storyline, sondern in ihnen wird die Handlung von Finder von einigen Kurzgeschichten unterbrochen, die im ersten Band immerhin gut die Hälfte des Hefts ausmachen. Mich hat das zu Beginn etwas irritiert und es stört den Handlungs- und Lesefluss, wenngleich dieses durch den Umstand verschmerzbar wird, dass alle Zusatzgeschichten ebenso erotisch gehalten sind wie Finder. Es gibt zum Beispiel eine recht süße Story zu zwei Klassenkameraden, die gemeinsam dahinter kommen, dass ihre Väter eine heimliche Affäre miteinander führen, und sich letztendlich selbst in den jeweils anderen verlieben. Am Ende eines Manga-Bandes findet sich in der Regel dann noch einmal eine Bonusgeschichte zum eigentlichen Haupthandlungsstrang. Ab dem vierten Finder-Band kommt die Geschichte jedoch richtig ins Rollen und die Bonusstorys (die, die nichts mit dem Finder-Universum zu tun haben) verschwinden.

Artwork / Gestaltung

Ayano Yamane gibt im Nachwort des achten Bandes an, dass sie bereits seit 15 Jahren an der Manga-Reihe arbeitet. Dementsprechend auffällig ist die Diskrepanz der zeichnerischen Qualität zwischen dem ersten und achten Band. Der Leser kann ganz deutlich eine Entwicklung des Zeichenstils der Mangaka feststellen, wenngleich das Artwork des ersten Bandes qualitativ keineswegs negativ ins Auge fällt. Die Zeichnungen wirken gegen Ende jedoch deutlich gefestigter, dabei aber auch weicher und moderner. Besonders die Gesichter gewinnen an Charakter und Individualität. Im ersten Band gefielen mir die Zeichnungen zwar tendenziell, doch sie wiesen in Teilen noch Merkmale eines typischen Manga aus den 1990er Jahren auf, zum Beispiel die seltsam spitz zulaufenden und konform wirkenden Gesichter der Figuren. Wenn ihr die Cover der acht Bände miteinander vergleicht, werdet ihr sehen, was ich meine. Spätestens mit dem vierten Band löst sich dieser subjektive ‚Makel‘, der immerhin auch sehr vom persönlichen Geschmack des Lesers abhängt, in Wohlgefallen auf und ab diesem Zeitpunkt war ich ein richtiger Fan von Ayano Yamane, vor allem von der visuellen Darstellung Asamis *hrrrrr*. Freilich, der etwas altmodische Kleidungsstil bleibt in weiten Teilen bestehen, doch auch hier zeichnet sich spätestens in Band acht eine Veränderung ab, wenn wir Akihito beispielsweise mit lässiger Mütze und Hemd erleben oder Asami in Jogginghose und schlichtem Shirt. Die beiden werden einfach immer cooler!

Was ich in einigen modernen Manga manchmal vermisse, sind die grafisch extrem detailliert ausgearbeiteten Zeichnungen, die sich besonders in Werken der frühen 2000er Jahre finden. Finder ist hier ein sehr gutes Beispiel. Die Umgebung der Figuren wird – sofern in den Panelen vorhanden – sehr realistisch ausgearbeitet und geht stark ins Detail. Was ich besonders gelungen finde, ist, dass in Momenten der Intimität oder wenn die Figuren mit ihren Gefühlen und / oder ihrer Beziehung zueinander im Mittelpunkt stehen, auf diese Hintergründe verzichtet wird und – abgesehen von einigen Schattierungen oder Einfärbungen – nichts von den wunderschönen Porträts der Charaktere ablenkt. In diesem Kontext will ich auf den Nebencharakter Feilong hinweisen, der mit seinem langen Haar und femininen Gesicht wirklich – wow – atemberaubend schön gezeichnet ist. In Finder wirkt keine einzige Zeichnung skizziert, jede Linie und jeder satte Grau- oder Schwarzton scheint zu sitzen und genau seinen Zweck zu erfüllen. Die Mangaka hat hier wirklich lauter kleine Kunstwerke geschaffen und in jeder Zeichnung kann man sich verlieren. Zum Teil wirken zum Beispiel Akihitos Augen gar nicht mehr gezeichnet, sondern wie fotografiert. Trotzdem schafft die Mangaka es, ihren Zeichnungen eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren, was nicht jeder Autorin gelingt. Ein Negativbeispiel ist für mich zu diesem Aspekt immer Die Unschuld des Lehrers von Mayu Shinjo, die auch einen sehr grafischen Zeichenstil praktiziert, bei der das Artwork in diesem Manga aber steif und ungelenk wirkt. Alle Leser, die besonders viel Wert auf ein gutes Artwork legen, dürfen bei Finder daher ohne Bedenken zugreifen.

Erotik

Diese Manga-Reihe hat unendlich viele Steckenpferde und die Erotikszenen sind sicher eines davon. Das Verhältnis von Sexszenen und Handlung ist von Band zu Band unterschiedlich, aber mit zwei richtig heißen Szene darf der Leser immer rechnen. Allerdings möchte ich an dieser Stelle davor warnen, dass dieser Manga nicht umsonst erst ab 18 Jahren empfohlen wird. Besonders zu Beginn ist Akihito nicht sonderlich von der ‚Sonderbehandlung‘ begeistert, die Asami für ihn als Bestrafung ausgewählt hat und man darf daher keinen Kuschelsex erwarten. Im Gegenteil, im Rahmen ihrer ersten intimen Begegnung bindet Asami Akihito so ziemlich alles fest und hoch, was es da so zu binden gibt. Diese SM-Szene ist unter dem Strich eigentlich eine Vergewaltigung, wenngleich Akihito gegen Ende doch seiner sexuellen Erregung erliegt. Hierin liegt vermutlich der Umstand begründet, dass der Manga bzw. die ersten beiden Bände nicht mehr regulär im Regal der Buchhandlungen und Onlineshops stehen. Wie in mir steckt jedoch sicherlich auch in einigen von euch eine versteckte Romantikerin und daher will ich euch beruhigen: Die sexuelle Fahrtrichtung, die der Manga zunächst einschlägt, wird nicht in diesem Ausmaß beibehalten. Vor allem nach Akihitos Rettung aus Hongkong wird deutlich, dass zunehmend auch zärtliche Gefühle zwischen dem jungen Fotografen und Asami heranreifen. Dementsprechend ’normaler‘ wird auch der Sex, wenngleich Asami bei seinem Habitus bleibt, gerne unvermittelt über Akihito herzufallen. Aber diese hemmungslose Leidenschaft ist es wohl auch, die den Manga so prickelnd macht. Und Akihito wird in Asamis Armen zunehmend hemmungsloser, das kann ich euch versprechen *hüstel*.

Wodurch sich der Manga zusätzlich auszeichnet, ist die erotische Sprache. Wir bekommen im Bett seeehr viel Dirty Talk zu hören, besonders von Asami, der gerne mal Sätze wie „Wie möchtest du es haben?“ oder schlimmer raushaut. Aber auch Akihito lässt sich bald nicht mehr lumpen und überzeugt mit Aussagen wie „Es stimmt, dass ich damals beim Sex mit Asami beinahe den Verstand verloren habe“ oder einem schlichten „Mehr… tiefer!“. Ja, manchmal wird man beim Lesen rot. Diesen Manga liest man am besten zu Hause, im Bett, und vor allem alleine. Glaubt mir, es ist besser so… Wobei ich die Sprache nie als too much oder unpassend empfunden habe, sondern irgendwie… ja, irgendwie hat sie immer zur Situation gepasst. Aber in dieser Hinsicht hat jeder Leser seine individuellen Vorlieben und Geschmäcker, weshalb ich an dieser Stelle nur darauf hinweisen wollte.

Was einige von euch ärgern wird, ist der Umstand, dass mit dem Voranschreiten des Manga auch die Zensur zunimmt. Zu Beginn der Reihe konnte man das Meiste noch sehen, zwar nicht explizit oder überdeutlich in Großbildaufnahme, sondern eher angedeutet, aber zumindest war ein Penis auch ein Penis. Im achten Band bekommt der Leser statt eines Penis leider die bekannten und gefürchteten ‚weißen Leuchtgurken‘ zu sehen, wie ich sie gerne nenne *zwinker*. Das heißt, die Geschlechtsteile sind quasi aus der Zeichnung rausradiert und es bleibt das entsprechende weiße Negativbild zurück. Mich persönlich stört das nicht, denn ich mag es insgesamt lieber, wenn diese Körperteile nur angedeutet oder gar nicht zu sehen sind und ich neben der ganzen Explizitheit doch manche Aspekte noch meiner Fantasie überlassen kann, aber ich weiß auch, dass einige von euch das anders sehen. Hiermit seid ihr also eindeutig informiert und vorgewarnt. Zu welchem Zweck diese Zensur vorgenommen wird, habe ich bisher nicht herausfinden können, aber ich vermute, dass das mit der Tatsache zusammenhängt, dass Boys‘ Love-Manga in Japan etwas völlig normales sind und häufig auch an Kiosken und öffentlichen Plätzen verkauft werden. Da nicht alle Manga eingeschweißt werden können, weil der Kunde vor dem Kauf eventuell einen Blick auf den Inhalt riskieren möchte oder manche Geschichten auch in Magazinen mit gemischtem Inhalt publiziert werden, soll auf diese Art vielleicht verhindert werden, dass kleine Mädchen gleich in den Rücken fallen, wenn ihnen mal ein solcher Manga in die Hände fällt. Wobei ich nicht genau weiß, ob ein Penis den Schock in Anbetracht der doch sehr eindeutigen Interaktionen zwischen den Figuren noch vergrößern würde, aber gut – wir müssen das so hinnehmen. Jugendschutz und so. Ist ja an sich auch nicht verkehrt, denn dass zum Beispiel eine Grundschülerin die erotischen Szenen in Finder verarbeiten könnte, kann ich mir nicht vorstellen. Und vielleicht ständen wir ohne diese Zensur morgen alle in der nächsten Buchhandlung und müssten mit rotem Kopf und unter Vorlage unseres Personalausweises den nächsten Band bestellen.

Und Erotik wird bekanntlich nicht nur über die Offenbarung von Geschlechtsteilen erzeugt. Für einen positiven Effekt benötigt man bei mir beispielsweise lediglich eine Zeichnung von Asami mit nacktem, durchtrainiertem Oberkörper. Es ist sehr, sehr, sehr, sehr selten der Fall, dass ich eine Manga-Figur wirklich attraktiv finde, aber bei Asami, da hat es mich – wahrscheinlich genau wie Akihito – kalt erwischt. Ich mag einfach, wie er von Ayano Yamane visualisiert wird. Er ist immer stilvoll gekleidet, meistens mit Anzug und Krawatte / Einstecktuch. Immer cool, gelassen, kalt, mit perfekt gestyltem Haar. Lächeln hat Asami nie gelernt, alles, was über seine Lippen kommt, ist ein anzügliches oder spöttisches Schmunzeln, das sich in der Regel gen Akihito richtet. In der Realität wäre er überhaupt nicht mein Typ, aber das ändert nichts daran, dass ich ihn im Manga (optisch) vergöttere. Und wenn er dann noch mit aufgeknöpftem Hemd und ungemachten Haaren gezeichnet ist *hrrrr*. Ryuichi Asami ist wohl einer der maskulinsten Seme, die das Boys‘ Love-Universum im Angebot hat. Ich meine, dazu muss ich nichts mehr sagen, oder?

Figuren / Handlung

Da wir ja nicht wollen, dass das Ganze hier zu oberflächlich wird (oder doch *grins*?), will ich noch ein paar Worte zu den Figuren loswerden, und diesmal meine ich die inneren Werte! Die Handlung ist bisher auch zu kurz gekommen. Bei Akihito und Asami haben wir visuell eine klassische Uke / Seme-Paarung (dunkelhaarig, groß, attraktiv, muskulös, geheimnisvoll, düster vs. klein, zart, niedlich, ehrlich, offen, hübsch, ein kleiner Sonnenschein), die sich jedoch nur bedingt im Charakter fortsetzt. Obwohl die beiden Figuren so unterschiedliche Wert- und Moralvorstellungen haben und auch optisch überhaupt nicht zusammenpassen, gibt es doch – oder gerade deswegen – einige Aspekte, die den einen fasziniert auf sein Gegenüber blicken lassen und dieses unauflösliche Band schmieden, das Akihito und Asami im Manga verbindet. Asami ist ein Mann der Unterwelt, rein objektiv ein Verbrecher, der schmuggelt, dealt und eiskalt tötet. Wie gleichgültig und erschreckend kalt er anderen Menschen gegenüber sein kann, zeigt sich in einer Szene im achten Band, in der sich Asami von einem langjährigen Vertrauten abwendet und ihn wissentlich hilflos und verletzt dem Tod ausliefert. Der Boss der japanischen Unterwelt handelt immer rational und auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Dies ändert sich jedoch, wenn er sein Herz etwas öffnet bzw. ihn ein Mensch wirklich fasziniert. Dann entwickelt Asami einen beinahe übermenschlichen Beschützerinstinkt, der an Besessenheit erinnert. Diese Besessenheit hat beinahe etwas krankhaftes, denn sie mündet in sexuellem Begehren. Über Asamis Biographie erfährt der Leser nichts, weshalb der Manga bisher offen lässt, wie Asami zum Herr der japanischen Unterwelt wurde und wie er persönlich über seinen – nennen wir es mal so – Beruf denkt.

Akihitos Charakter bildet einen starken Kontrast zu dem von Asami. Er ist ein 23-jähriger junger Mann, der von Außenstehenden als frech und etwas kindisch wahrgenommen wird. Seinen Job als Fotograf und seine Kameras liebt er aufrichtig und setzt alles daran, einen einmal angenommenen Auftrag erfolgreich zu Ende zu bringen. Er wirkt aus diesem Grund zuweilen sehr dickköpfig und stur, eine Eigenschaft, die ihm in seinem Beruf jedoch zu Gute kommt. Gleichzeitig ist Akihito ein gradliniger Mensch mit festen moralischen Grundsätzen und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Wenn er jemandem helfen kann, setzt er sich ohne Rücksicht auf seine eigene Gesundheit für diesen Menschen ein. Außerdem ist er ausgesprochen Mutig und kann einiges an Schmerz ertragen. Asamis illegale Aktivitäten und seine Brutalität kann und will Akihito um keinen Preis mit seinen persönlichen Wertvorstellungen vereinbaren, aber er kann sich aus genau diesem Grund nicht dagegen wehren, dass ihn der geheimnisvolle Mann mehr und mehr fasziniert. Letztendlich ist es Akihitos Wunsch nach Wahrheit und Aufrichtigkeit, der ihn immer und immer wieder zurück in Asamis Arme treibt. Ihm gegenüber offenbart Asami eine Seite von sich, die er sonst niemandem zeigt, und diese Seite beinhaltet Zärtlichkeit, Verletzlichkeit und Verlustangst, immer verborgen unter dem Schleier der Begierde. Akihito, der mit dem Sucher seiner Kamera die Wahrheit in einer glitzernden Scheinwelt sucht, ist gefangen von dem Verstehen, dass diese eine Wahrheit, Asamis Liebe, ihm ganz alleine gehört und er sie mit niemandem teilen muss. Je weiter der Manga voranschreitet, desto stärker wird Akihito sich seiner Gefühle für Asami bewusst, die zu Beginn noch nicht vorhanden waren und sich im Laufe der Zeit – und besonders während seiner Gefangenschaft und Misshandlung in Hongkong – intensivieren und herauskristallisieren. Im achten Band gibt es zwei so rührige Szenen zwischen den beiden, ich bin vor lauter Aufgeregtheit euphorisch durch mein Zimmer gesprungen. Asami wiederum, der durch Gewalt alles erzwingen und besitzen kann, was er sich wünscht, ist wie elektrisiert von dem Umstand, dass Akihito nicht in diese Kategorie fällt. Der kleine Wirbelwind versteht es nämlich nur all zu gut, sich Asami selbst und dessen Anordnungen immer wieder zu entziehen und sie zu missachten. Nicht selten bringt ihn dies in lebensgefährliche Situationen, die Asamis Herz beinahe zum Stillstand bringen. Der Reiz, Akihito nie ganz sein Eigen nennen zu können und ihm immer hinterherjagen zu müssen, ist der Hauptgrund dafür, dass auch Asami genau so wenig von dem jungen Fotografen lassen kann wie Akihito von ihm. Dieses unfassbar intensive Verlangen, das Gegenüber für sich zu beanspruchen und zu besitzen, obwohl diesem Wunsch so viele Widerstände entgegengesetzt sind, entlädt sich in der sexuellen Interaktion zwischen den beiden Protagonisten. Die Beziehung zwischen Asami und Akihito ist eine der faszinierendsten, die mir im Boys‘ Love-Bereich bisher unter die Augen gekommen ist.

Hinzu kommt, dass Ayano Yamane es durchaus schafft eine spannende und unglaublich actionreiche Handlung zu konstruieren, in die die erotischen Szenen eingebettet sind, wenngleich es einige Logiklücken gibt. Manche Gegebenheiten, zum Beispiel die Diskette, in deren Besitz Akihito gelangt und die er letztendlich augenscheinlich leer an Asami übergibt, bleiben unaufgelöst. Dennoch bekommt der Leser einiges an Dramatik und ein paar ordentliche Schießereien in coolen Bildern geboten. Eben alles, was man von einem guten Actionfilm auch erwarten würde. Neben Waffenhandel geht es um Verrat, verbotene und unerfüllte Liebe, Korruption und Betrug.

Fazit

Finder kann ich auf jeden Fall jedem Leser ans Herz legen, der Boys‘ Love-Manga mit erwachsener und zum Teil gewalttätiger SM-Erotik, jeder Menge Action und einer faszinierenden Uke-Seme-Beziehungen voller Widersprüche und dunklem Verlangen mag, in denen trotzdem etwas Raum für Romantik, zärtliche Gesten und dramatische Entwicklungen bleibt. Leider muss man die japanische Zensur in Kauf nehmen, von der speziell die späteren Bände betroffen sind. Ich kann die Reihe trotzdem allen empfehlen, die attraktive und seeeehr männliche Seme bevorzugen *räusper*. Wenn du gerne Geschichten mit viel Herzschmerz und Romantik liest und auch im Bett nicht die harte Gangart bevorzugst, dann ist Finder sicherlich nicht der richtige Manga für dich. Ich für meinen Teil wünsche mir, dass die Reihe noch laaaange fortgeführt wird und nach Möglichkeit nicht immer so elendig lange Zeitspannen verstreichen, bis der nächste Band veröffentlicht wird.

Jaa mata ne, eure Amaya!

Kategorien: Manga

2 Kommentare

Spezy · 29. Oktober 2018 um 5:01

Selten so eine tolle Review gelesen! Habe den Manga auch selbst schon so oft gelesen und vergöttere ihn so wie du! 😀 Auf deinen Blog bin ich dadurch per Zufall gestoßen,weil es mich immer interessiert,was andere von meinen Lieblingsmanga halten. Und wow! Die Art wie du schreibst ist einfach lustig und faszinierend,bin immernoch total „überwältigt“ Du hast einen tollen Schreibstil! Seit nun einer Stunde gehe ich all deine Reviews durch,weil sie einfach Freude beim lesen machen.Werde dich definitiv weiterverfolgen und freue mich auf anstehende Rezensionen von dir ;3
Weiter so ^^

    Amaya · 29. Oktober 2018 um 7:33

    Hallo Spezy,

    ui, vielen lieben Dank, ich habe mich mega über deinen Kommentar gefreut, als ich heute Morgen aufgestanden bin! Im Moment habe ich leider nicht so viel Zeit zum Schreiben, wie ich gerne hätte, aber solche Aussagen motivieren mich natürlich unheimlich dazu, „bei der Stange zu bleiben“. Der nächste Beitrag wird wohl auch irgendwie in den nächsten Tagen hier eintrudeln, es ist gerade einer in Arbeit. Dann wünsche ich dir noch viel Spaß beim Lesen und wenn du mal einen Wunsch zu einer Rezension haben solltest, lass ihn mich wissen.

    Liebe Grüße
    Amaya

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